Steve Hackett: Der Ex-Genesis-Gitarrist im Interview mit CLASSIC ROCK

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Steve Hackett: Der Ex-Genesis-Gitarrist im Interview mit CLASSIC ROCK

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Was macht dich wütend?
Das lemmingartige Verhalten von Politikern, die folgen, statt zu führen, und ihr Mangel an staatsmännischen Fähigkeiten. Wenn ich sehe, dass un­­sere Anführer dümmer sind als ich, mache ich mir Sorgen. Ich bin politisch nicht sehr clever, aber ich denke, dass die Globalisierung und der Weltfrieden Dinge sind, die wir erhalten oder für die wir kämpfen sollten. Der Brexit besorgt mich nicht nur, er macht mir richtig Angst. Seit Jahren arbeite ich frei in ganz Europa, und ich will kommen und gehen können. Grenzen sind überbewertet, und in Europa haben wir sie praktisch abgeschafft. Jetzt laufen wir Gefahr, alles zu verlieren, was wir seit den 40er Jahren aufgebaut haben, und niemand spricht mehr über den Frieden. Alle reden nur noch von Eisenbahnstreiks und der Wirtschaft, und ob wir Abkommen mit Amerika und China und Indien abschließen können. Dabei ignorieren wir die Tatsache, dass wir diesen riesigen Markt direkt vor unserer Grenze haben. Und niemand hat bisher darüber geredet, die Rechte derer zu schützen, die dort leben und arbeiten, wo sie es sich ausgesucht haben. Ich halte wenig von der Pöbelherrschaft.

Eine offensichtliche Frage angesichts der jüngsten Ereignisse: Was hältst du von Donald Trump?
Wenn ich diplomatisch antworten soll, würde ich sagen, dass er sich erst noch beweisen muss, sowohl seinen Kritikern als auch seinen Anhängern. Das Beunruhigende ist, dass er Leute gegeneinander aufgehetzt hat, und es wird interessant zu sehen sein, was als Nächstes passiert. Viele Leute, mit denen ich mich unterhalten habe, glauben, dass er so viele Menschen so aufgebracht hat, dass er entweder erschossen oder seines Amtes enthoben wird. Wir werden also sehen müssen, wie weit ein Anführer mit diesem rebellischen Stil kommt, ohne mit anderen zu kooperieren. Wir werden sehen, ob es zu einem Bürgerkrieg führt, Unruhen, Mord und Totschlag oder Ausschreitungen. Schwarze Amerikaner fangen schon an, sich zu bewaffnen. Aber wenn man plötzlich so marginalisiert wird, würde man es selber nicht genauso machen? Donald hat viel Zeit, das Handwerk der Politik zu lernen, und sehr viel Arbeit vor sich.

steve hackett live

Siehst du das, was du heute machst, als Fortsetzung dessen, was du in den 70ern mit Genesis gemacht hast?
Darüber denke ich ziemlich viel nach und spreche normalerweise nicht darüber. Damals waren sie eine Band, die mich brauchte. Ich würde gerne sagen, dass mein Einstieg dazu führte, dass sie professioneller wurden, risikofreudiger. Wenn ich also professionell risikofreudige Musik mache, arbeite ich wohl immer noch in demselben Geiste. Damals dachte ich, man könne Mauern einreißen, aber heute bin ich da etwas bescheidener. Die Musik verändert sich ständig, aber ich denke, das einzige, was man tun kann, ist Dinge nebeneinander zu stellen, die es schon gibt. Von Musik überrascht zu werden, ist ein Geschenk des Jungseins.

Was für ein Set hast du für die bevorstehende Tournee geplant?
Eines mit meinen eigenen Sachen und eines mit Genesis-Material, mit einer Pause dazwischen.

Welche Songs von Genesis werden wir zu hören bekommen?
Ich werde ›Eleventh Earl Of Mar‹, ›One For The Vine‹ – das habe ich seit 40 Jahren nicht mehr gebracht –, ›Blood On The Rooftops‹, ›In That Quiet Earth‹ und ›Afterglow‹ spielen, und wir werden ›Inside And Out‹ darbieten, das es damals nicht aufs Al­­bum [WIND AND WUTHERING] geschafft hat. Es war auf einer EP und ist auf einem Reissue-Boxset, und das ist einer der besten Songs, die wir damals aufgenommen haben. Das zu präsentieren bereitet mir große Freude, und die Band spielt es außerordentlich gut. Das ist für mich sehr emotional.

WIND AND WUTHERING ist sogar mein Lieblingsalbum von Genesis.
Es war eines unserer allerbesten, obwohl ich am Ende ausgestiegen bin. Ich fand, es wäre am besten, an einem Höhepunkt zu gehen statt an einem Tiefpunkt.

Ihr fünf aus dem „klassischen“ Line-up der Band – also du, Phil Collins, Peter Gabriel, Mike Rutherford und Tony Banks – habt euch vor ein paar Jahren für die BBC-Dokumentation „Genesis: Together And Apart“ wiedervereint. Gibt es irgendwelche Pläne für ähnliche Projekte?
Es gibt keine Pläne, aber ich bin immer offen dafür. Es wäre schön, wieder et­­was mit Peter und den anderen zu machen, wenn wir einen gemeinsamen Nenner finden könnten. Das ist zwar möglich, aber ich vermute, dass es eher un­­wahrscheinlich ist. Wir warten schon lange.

Also werden wir dich diesen Sommer nicht bei Phil Collins auf die Bühne springen sehen?
Das wäre interessant, nicht wahr? Ich glaube, ich werde da selber auf Tour sein. Aber es wird schön sein, ihn wieder zurück im Ring zu sehen.

Noch mal zurück zu WOLFLIGHT. Es hat dieses tolle Bild auf dem Cover. Was kannst du uns über die Wölfe erzählen?
Es war Tag – auch wenn es so bearbeitet wurde, dass es wie Nacht aussieht – und die Wölfe waren äußerst brav. Wenn man Zeit mit ihnen verbringt, kann man ein völlig neues Bild von ihnen gewinnen. Sie waren trainiert und reagierten auf alles. Ich hatte einen wunderschönen Tag mit ihnen, mit den erwachsenen und den kleinen Wölfen. Ich durfte sie auch füttern, mit den Kleinen spielen … und ich glaube, sie haben meine Gedanken gelesen. Ich glaube auch, dass sie intelligenter als Hunde sind. Man kann fast auf einem anderen Level mit ihnen interagieren. Wenn man sich um sie sorgt oder ihnen seine Zuneigung zeigt, reagieren sie im Gegenzug sofort auf ähnliche Weise, auch wenn sie an sich sehr reservierte Geschöpfe sind. Sie sehen wie große, angsteinflößende Hunde aus, aber sie waren absolut wundervoll. Seitdem habe ich das Bedürfnis, mich mit jedem Hund anzufreunden, dem ich begegne, ob er winzig klein ist oder riesig. Ich versuche, den Schlüssel zu ihnen zu finden.

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