She Rocks: Debbie Harry

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She Rocks: Debbie Harry

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Ist es eigentlich wahr, dass du mal Stimmen aus dem Kamin in deinem Elternhaus in New Jersey gehört hast, die komplexe mathematische Formeln rezitierten?
Ha! Diese Geschichte hätte ich niemals irgendjemandem erzählen sollen, denn das geschah, als ich noch sehr jung war – vier oder fünf. Aber wer weiß schon, was zur Hölle ich damals dachte. Ich weiß nicht, warum es passierte.

Warst du schon immer anders, auch in der Schule?
[Überrascht von der Frage] Ich denke, ich habe meine exzentrischen Seiten eher für mich behalten.

Was hielten die Leute von dir?
Keine Ahnung. Ich meine, ich hatte schon Freunde und war kein totaler Miesepeter, der nur in dunklen Ecken abhing. Eigentlich fühlte ich mich schon mehr oder weniger normal. Doch mein imaginäres Leben war sehr groß, ich war wohl eine ziemliche Tagträumerin. Ich war immer neugierig – die Welt hat mich immer interessiert und fasziniert. Es war nicht so, als wollte ich immer nur in meiner kleinen Heimatstadt Hawthorne in New Jersey bleiben und dort mein Leben leben, ich wollte die Welt sehen. Wie mir das ge­­lingen würde, wusste ich nicht, aber ich hatte auf jeden Fall große Augen.

Deine Karriere im Musikbusiness hält nun schon 45 Jahre an. Du musst wohl ziemlich entschlossen sein!
Ja. Na ja, ich denke mal, der schwierige Teil ist vorbei! Abgesehen davon, dass das kein einfacher Job ist – er verlangt nach viel Einsatz, Denkarbeit und auch körperlicher Kraft. Aber ich denke, ich habe mir meinen Ruf verdient. Wenn ich ein Publikum und eine Gefolgschaft habe, ist es wirklich meine Aufgabe, sie zu unterhalten und ihnen das Beste zu geben, was ich geben kann.

Ihr macht immer noch großartige Platten. POLLINATOR stieß letztes Jahr auf sehr positive Resonanz.
Ich bin sehr zufrieden damit. Das sind wir, glaube ich, alle. Wir haben sogar ein Konzert gegeben, bei dem wir überwiegend neues Material spielten, und ich schwöre, das ganze Publikum hat mitgesungen. Da waren viele der echten Die-hard-Fans. Das machte mich so glücklich, da war ich wirklich happy.

Wie ist der typische Blondie-Fan?
Es gibt alle möglichen verschiedenen Arten. Das haben uns die Business-Leute schon immer gesagt, dass unser Publikum sehr breit gefächert ist.

Siehst du jemals Fans von damals und denkst: „Hey, hast du mich 1978 nicht mal angepöbelt?“
Haha! Viele Fans sind uns über diese ganze Zeit treu geblieben und ich habe mich über die Jahre mit ihnen unterhalten. Aber hin und wieder kommt da jemand, der Erinnerungen bei mir weckt – und sie müssen recht oft geweckt werden.

Wahrscheinlich sagen dir auch oft Fans, dass sie zu eurer Musik ge­­heiratet oder Kinder gezeugt haben oder was auch immer.
Ja, das kommt vor. Leute schreiben oder sagen mir, dass irgendein Teil ihres Leben durch Blondies Musik besser wurde. Was ich wirklich herzzerreißend – und gleichzeitig herzerwärmend – finde, ist wenn man mir sagt: „Du hast mich davon abgehalten, mich umzubringen.“ Dann denkt man nur: „Heilige Scheiße.“ Ich bin froh, dass das passiert ist, aber es ist furchtbar, das zu hören, weißt du? Im Grunde genommen ist das ein hohes Lob. Musik lenkt dich von deinen Problemen ab und gibt dir ein bisschen Raum, um etwas anderes zu fühlen, und deshalb liebst du sie.

Hörst du dir jemals eure alten Alben an?
Nein! Manchmal beschließen wir vielleicht, einen Song aus der tiefen, dunklen Vergangenheit herauszuholen und wieder auf unsere Setlist zu setzen, und dann ich höre ich ihn mir auch wieder an. Vor ein paar Tagen spielte unser Keyboarder Matt Katz-Bohen dieses Riff und ich sagte: „Was ist das? Das ist sehr schön.“ Und er ant­wor­­tete: „Oh, das ist ›Fade Away And Radiate‹ [vom ­78er Blondie-Album PARALLEL ­LI­­NES].“

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