Rückblende: Deep Purples ›The Mule‹

Sci-Fi-Fanatiker werden wissen, dass „The Mule“ eine böse, Galaxien erobernde Figur aus Isaac Asimovs „Foundation“-Buchzyklus ist. Frontmann Ian Gillan hat zugegeben, dass der Text des gleichnamigen Songs „von Asimov inspiriert“ sei. „In den 60ern und 70ern musste man ihn lesen.“ Auf der Bühne leitete er ›The Mule‹ oft mit den Worten ein: „In diesem Lied geht es um Luzifer und einige seiner Freunde.“ Paice hat jedoch eine interessante Sicht zu den ersten Zeilen: „No one sees the things you do/Because I stand in front of you/But you drive me all the time“ (Niemand sieht, was du tust/Weil ich vor dir stehe/Aber du treibst mich die ganze Zeit an).

„Da geht es um mich“, gesteht er. „Ich bin hinter Ian auf der Bühne, ich treibe ihn mit meinem Spiel voran. Es ist ein sehr netter, subtiler kleiner Text. Jahrzehntelang habe ich es nicht begriffen. Asimov mag Ian inspiriert haben, aber wenn ich mir diese Worte ansehe, kann ich sie auf mich beziehen. Ich habe bis vor zwei, drei Jahren nie darüber nachgedacht. An einem Abend waren die Vocals besonders laut auf der Bühne und ich dachte: Moment mal, da ist was, das mir bislang nie aufgefallen war.“

Deep Purple schrieben FIREBALL zwischen September 1970 und Juni 1971 an verschiedenen Orten, u.a. den Studios De Lane Lea und Olympic in London sowie The Hermitage in Welcombe, Nord-Devon. „›The Mule‹ muss aus einem Jam oder einer erklärten Nachmittags-Schreibsession entstanden sein, denn wir nutzten damals noch Proberäume“, so Paice. Das Stück aufzunehmen, erwies sich allerdings als problematisch. „Damals verwendeten wir noch Achtspur-Bänder“, erinnert sich Paice. „Manchmal legten wir das Band kopfüber in die Maschine, um rückwärts aufnehmen und andere Klänge erzielen zu können. Diese Technik wendeten die Beatles oft an. So konnte man Geräusche ein- und ausfaden und wundervolle Klangeffekte erzeugen.“

„Bei der Hälfte von ›The Mule‹ drehte unser Toningenieur das Band um. Aber statt auf eine der leeren Spuren zu gehen, löschte er aus Versehen das Schlagzeug. Das Drumkit, das ich für die Aufnahmen verwendet hatte, war schon zusammengepackt und auf einem Lastwagen nach Europa geschickt worden, also mussten wir am nächsten Tag mit einem anderen noch mal rein. Egal, wie sorgfältig wir das Schlagzeug stimmten, es klang anders, weil es nun mal ein anderes war. Wenn man also ›The Mule‹ abspielt, verändert sich der Drumsound ab der Hälfte ziemlich spürbar.“

Paices Soli fingen an, sich in diverse Songs einzuschleichen, und Purple nahmen ›The Mule‹ schließlich irgendwann ganz aus dem Live-Set. „Wir hatten eins bei ›Speed King‹ und noch ein paar Tracks, wo der Rhythmus einen guten Startpunkt bot und ich einfach nur rumwedeln konnte, bis mir die Ideen ausgingen und ich hoffentlich den Rest der Band wieder reinbringen konnte.“

Heute ist das Lied wieder bei den Konzerten der Band zu hören. „Wir haben es zurückgebracht, weil viele es wollten. Es ist jetzt allerdings stark gekürzt – das Drumsolo ist nur zwei oder drei Minuten lang. Heutzutage ist das wahrscheinlich genug.“

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