Rückblende: Budgie ›Breadfan‹

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Rückblende: Budgie ›Breadfan‹

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Dieser Song über Menschen, die Geld (nicht Brot) lieben, entstand aus einer ohrenbetäubenden Jamsession, wurde zur Hymne der Band und einem Fanliebling. Auch Metallica fanden ihm ziemlich gut.

Die aufstrebenden jungen Rocker Florence Black aus Wales beenden ihre Shows immer mit einer Dampfhammer-Version von ›Breadfan‹, dem bekanntesten Stück von Budgie. „Budgie waren grandios“, sagt Tristan Thomas, der Sänger des Trios. „Sie waren damals eine der ersten HeavyMetal-Bands, sie halfen, das ganze Ding loszutreten. Wir spielen am Ende unseres Sets ›Breadfan‹ und die Kids drehen immer noch durch. Es ist so kraftvoll und einzigartig, es frisst sich einem immer noch in den Kopf.“

Über die Jahre haben diverse Top-Acts wie etwa Van Halen, Soundgarden, Metallica oder Iron Maiden Songs von Budgie gecovert. Klar, Budgie stiegen nie in dieselben Höhen auf wie manche Zeitgenossen, allen voran Black Sabbath, doch ihr Einfluss ist dennoch weitreichend. ›Breadfan‹ ist ihr ›Paranoid‹, die Nummer, nach der die Fans bei den Konzerten schreien, die Nummer, die Gelegenheitshörer kennen, die sonst keinen einzigen Titel aus dem Backkatalog der Band nennen könnten. „Es ist unsere Hymne“, bestätigt Budgies Sänger und Bassist Burke Shelley. „Und es heißt ›Breadfan‹, nicht ›Bread Van‹, wie viele einst dachten! Im Text geht es einfach um jemanden, der Geld mag.

Ich ließ mir den Begriff einfallen – damals bezeichnete man Geld oft als ‚Brot‘. Ich wuchs mit sehr wenig Geld auf, wir waren keine reiche Familie. Mir war bewusst, dass es gut ist, welches zu haben, aber man sieht Leute – vor allem im Dunstkreis von Bands –, die gierig danach sind.“ Ganz am Anfang der 70er fuhr das klassische Ur-Line-up von Budgie – Shelley, Gitarrist Tony Bourge und Schlagzeuger Ray Phillips – zu einer Hütte auf einem abgelegenen Feld am Rand von Cardiff. Dort wurden die Verstärker auf ihr legendäres, trommelfellmarterndes Level aufgedreht und neue Songs geprobt und geschrieben. „Wir fuhren hin, machten eine große Kanne Tee und jammten unsere Ideen“, so Shelley. „Tony oder ich fingen an, etwas zu spielen, und dann stiegen alle darauf ein. Das ist lange her, aber ich denke, Tony steuerte das Hauptriff von ›Breadfan‹ bei. Dann sagte ich: ,Lasst uns das hier verändern, das hier runterdrehen, hier einen Akzent setzen‘. Ich war ständig am Arrangieren.“

„So schrieben wir all unsere Songs“, erinnert sich Tony Bourge. „Wir stöpselten ein, bretterten los
und bliesen uns das Hirn weg, bis wir bereit waren, wieder durchzuatmen. Das Schreiben war wie ein Puzzle. Burke und ich sahen uns an, was der jeweils andere spielte – ‚Oh, das ist gut, das ist ein bisschen wie etwas, das ich spiele‘ – und setzten es dann zusammen. Als wir ›Breadfan‹ schrieben, einigten wir uns auf den Beat, damit Burke das Timing des Gesangs hinkriegen konnte. Dann zog er los mit der Idee und kam dann mit dem Titel zurück.“ Shelley singt am obersten Ende seines glaszertrümmernden Stimmumfangs über das zentrale Riff, das bis heute so Proto-Metal ist wie kaum etwas anderes. Getrieben von Phillips’ schnellem Groove, powern Bass und Gitarre im Einklang durch ein wuchtiges, aggressives Bluesmotiv, das in der Musik von John Mayall, Cream und Led Zeppelin gegen Ende der 60er wurzelt, wobei letztere Band Shelley am meisten beeinflusste.

Als Budgie den neuen Song etwas später erneut jammten, hatten sie das Gefühl, dass er noch etwas mehr brauchte, ein weiteres Element neben dem Riff. „Also fuhren wir das Tempo für den langsamen Mittelteil deutlich runter, ich spielte ein paar schöne Moll-Akkorde und wir blieben leise im Hintergrund, während Burke sang. Gegen Ende gibt es dann noch ein paar spanisch klingenden Akkorde, dann baut es sich noch mal auf und setzt wieder ein. Das funktionierte wirklich gut.“ Solche fast schon progartigen dynamischen Wendungen waren gang und gäbe im Repertoire von Budgie. Der hypnotisch-sanfte Mittelteil wurde live bisweilen weggelassen, doch wenn sie ihn spielten, gab er den headbangenden Fans in denersten Reihe eine kleine Verschnaufpause, bevor der Rhythmus dann wieder für den Endspurt einsetzte.


„Und sie waren immer bereit dafür“, sagt Bourge mit einem Lächeln. „Wenn man das mit einem Stück Musik tun kann, die Leute so zu bewegen, ist das gut.“ Kraftvoll und (größtenteils) schnell, brachte ›Breadfan‹ das Publikum garantiert in Bewegung. Bei den frühen Konzerten wurde es zu einem festen Teil der Setlist, als sich Budgie in den Clubs von Wales und darüber hinaus ihre Fanbase aufbauten, und es blieb ihre Zugabe bis 2010, als Shelley die Band endgültig auflöste. Der Song war für ihr drittes Album NEVER TURN YOUR BACK ON A FRIEND von 1973 in den Rockfield Studios in Monmouth aufgenommen worden (wo Produzent Rodger Bain vier Jahre zuvor bei Auditions sowohl Budgie als auch Black Sabbath entdeckt hatte). „Wir haben immer live aufgenommen“, so Shelley. „Das erste Album machten wir in drei Tagen, SQUAWK in einer Woche und NEVER TURN YOUR BACK ON A FRIEND in etwa drei Wochen.“ Auf den selten gewordenen ersten Pressungen von NEVER … beginnt ›Breadfan‹ mit einem kurzen Sample aus Winston Churchills „Blut, Mühsal, Tränen und Schweiß“-Rede von 1942, der später entfernt wurde, nachdem die Inhaber der Churchill-Aufnahme ihren Anspruch auf das Urheberrecht geltend machten.

Das Album schaffte es zwar nie in die Charts, doch der Einfluss von Budgie weitete sich aus. 1988 machten Metallica ein riesiges neues Publikum auf ›Breadfan‹ aufmerksam, als sie es für die B-Seite der Single ›Eye Of The Beholder‹ aufnahmen. Es war auch auf ihrer erfolgreichen Compilation GARAGE INC. von 1998. „Da wurde mir klar, welch hohe Wellen es geschlagen hatte“, so Shelley. „Es kam immer gut an, aber das war bei vielen unserer Songs der Fall – die Leute schrien nach ›Breadfan‹, ›Napoleon‹, ›Parents‹. Ich weiß noch, wie überrascht ich war, dass das die eine Nummer war, die jeder kannte. Metallica müssen es für einen ordentlichen Song gehalten haben. Das gab uns Auftrieb, ein bisschen ‚street cred‘.“ – „Wenn man von einer anderen Band gecovert wird, ist das eine schöne Bestätigung“, so Bourge. „Es gibt einem das Gefühl, dass man etwas Gutes hervorgebracht hat.“ ›Breadfan‹ ist so viel mehr als das und bleibt bis heute ein zeitloser Eckpfeiler im Vermächtnis von Budgie. 1990 nahmen Japans Kult-Metaller Ningen Isu ›Hari No Yama‹ auf, ihre gnadenlose Interpretation des Tracks in japanischer Sprache. Und so wie viele Metallica-Fans davon ausgingen, der Song sei von James Hetfield geschrieben worden, belehren auch Florence Black ihr Publikum oft über dessen Geschichte. „Einige Fans
dachten, ›Breadfan‹ sei von uns“, so Tristan Thomas. „Aber wir sagen ihnen immer gerne: ‚Nee, das ist ein Cover, das sind Budgie!‘“

(Text: Grant Moon)

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