ROD STEWARD – Coole Socke

-

ROD STEWARD – Coole Socke

CK_RodStewart_EGarten_1Rod Stewart hat zweifellos Humor. „Ich glaube nicht, dass ich mit 50 noch ›Do Ya Think I’m Sexy‹ singen und zu einer Parodie meiner selbst werden will“, hat der britische Sänger vor vielen Jahren einmal gesagt. In großen Buchstaben flimmert dieser Satz nun über die Leinwand der Hamburger O2 World, während Hunderte Luftballons von der Decke der Arena auf das Publikum hinunter schweben und Stewart, mittlerweile 68 Jahre alt, als letzte Zugabe des Abends eben jenen Song zum Besten gibt.

Aber Rod muss sich keine Sorgen machen. Eine Parodie seiner selbst ist er wirklich nicht. Eher ein Entertainer der alten Schule. Deswegen entpuppt sich sein Konzert auch als äußerst kurzweilige Angelegenheit. Begleitet von seiner exzellenten, fünfköpfigen Band, drei Bläsern und eben so vielen Background-Sängerinnen, singt Stewart sich mit gewohnt rauer Stimme einmal quer durch seine lange Karriere. Da sind alte Klassiker wie ›Maggie May‹, Stewarts erster großer Erfolg in den 70ern, aber auch neue Stücke wie die rührende Ballade ›Brighton Beach‹ oder das seinem Vater gewidmete ›Can’t Stop Me Now‹. Beide stammen vom aktuellen Album TIME, das Anfang des Jah- res erschienen ist.

Dazwischen ist musikalisch praktisch alles möglich: Soul und Funk treffen auf Rock’n’Roll der 50er und schottische Folk-Anleihen. Hit reiht sich an Hit. Bei 100 Millionen verkauften Platten kein Kunststück. „Bitte amüsiert euch“, hält Stewart sein Publikum an. „Das Leben ist zu kurz, um sich nicht zu amüsieren.“ Ein Satz, den er sich hätte sparen können, denn die Hamburger stehen sowieso seit dem ersten Song. Still wird es lediglich beim Akustikblock, für den Stewart acht Streicher auf die Bühne bittet, die ihn bei Balladen wie ›First Cut Is The Deepest‹ und ›Have I Told You Lately‹ begleiten. Und sogar mit seinem Nachwuchs macht der Brite an diesem Abend bekannt. Tochter Ruby darf den von ihr selbst komponierten Song ›Just One More Day‹ darbieten.

Obendrauf gibt Stewarts Konzert auch visuell viel her. Das imposante Bühnenbild besteht aus sechs LED-Säulen und mehreren Leinwänden, die neben hübschen Animationen auch schon mal alte Fotos zeigen. Damals war Stewart ein ganz schön lässiger Typ. Und wer genau hinschaut, merkt schnell, dass sich das bis heute nicht geändert hat. Als er am Anfang im gelben Sakko auf die Bühne kommt, sind auch seine Socken gelb. Und als er später Schwarzweiß trägt, haben seine weißen Socken schwarze Punkte. Da darf man auch mit 68 noch ›Do Ya Think I’m Sexy‹ singen.

Text:
Nadine Lischick

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Das Neueste

Ace Frehley: Neue Single ›Cherry Medicine‹

Bevor er morgen, am 23. Februar, sein neues Studioalbum 10.000 VOLTS veröffentlicht, haut Ace Frehley heute noch eine neue...

Das letzte Wort: Mark Lanegan

Das Seattle-Urgestein über finstere Zeiten, den Segen der Kreativität und das beschauliche Leben in der irischen Provinz. Mit den Screaming...

Zeitzeichen: Judas Priest SIN AFTER SIN

Im Jahr 1977 touren Judas Priest im Vorprogramm von REO Speedwagon durch Amerika. „Für mich war das etwas ganz...

The Sonic Brewery: Eher Rival Sons als Daniel Küblböck oder Ozzy

Die Niederbayern The Sonic Brewery melden sich am Tag nach ihrem Konzert im heimischen Eggenfelden anlässlich der Veröffentlichung von...

Russ Ballard: „Mein Feuer brennt noch immer”

Er zählt zu den großen Songwritern unserer Zeit, seine Hits hat jeder im Ohr. Im Frühjahr 2024 präsentiert Russ...

Gitarrenheldin: Poison Ivy

1976 gründete Kristy Marlana Wallace unter ihrem Künstlernamen Poison Ivy zusammen mit ihrem späteren Mann Erick Lee Purkhiser alias...

Pflichtlektüre

Metallica: Seht hier das Making-of zur neuen Single ›Hardwired‹

Metallica bieten uns Einblick in die Aufnahmen ihres neuen...

The Steel Woods: Ein Album, das zum Vermächtnis wurde

Es gab gewiss schon Ankündigungen, die man mit deutlich...

Das könnte dir auch gefallen
Für dich empfohlen