Robert Plant: Der Herr des Feuers

Auf ›Bluebirds Over The Mountain‹ duettierst du mit Chrissie Hynde von den Pretenders. Woher kennt ihr euch und warum dieses Stück von Ersel Hickey, das zugleich das einzige Cover auf dem Album ist?
Oh, Chrissie kenne ich schon ewig. Und ich hatte schon immer eine Schwäche für sie … (lacht) Sie ist der Prototyp des amerikanischen Rock-Chicks, mit der Besonderheit, dass sie auch eine tolle Musikerin und Sängerin ist. Und ich wollte schon ewig etwas mit ihr machen, was – aus welchen Gründen auch immer – nicht ge­­klappt hat. Aber vor ungefähr zwei Jahren haben wir uns dann zufällig getroffen, lange gequatscht und uns darauf ge­­einigt, es mal gemeinsam im Studio zu versuchen. Das haben wir getan – mit dieser Nummer, die ein Rockabilly-Klassiker ist. Von einem Cowboy aus New York City, der in Europa nie wirklich be­­rühmt geworden ist. Aber der sehr gut zu meiner Maxime passt: Nämlich immer etwas Neues zu probieren und nichts unversucht zu lassen.

Robert Plant 2017

Um der Vergangenheit zu entfliehen? Um sich aus dem übermächtigen Schatten deiner alten Band zu lösen?
Das spielt da auch mit rein. Eben, dass ich keine Lust habe, nur im Gestern zu leben und mich nach all den Jahren, die seit dem Ende von Led Zeppelin vergangen sind, immer im Kreis zu drehen. Das fände ich schlimm. Eben, als ob ich nicht wachsen dürfte, sondern dazu verdammt wäre, mich immer auf einem bestimmten Level zu be­­wegen – selbst, wenn ich längst woanders bin. Also obwohl ich mich verändert und weiterentwickelt habe. Das wäre tragisch – wie ein Gefangener seines alten Ichs. Und darauf habe ich keine Lust.

Deshalb auch die Verweigerung, Interviews für die Neuauflagen des Backkatalogs zu geben oder an einer Reunion teilzunehmen?
Mit dem Backkatalog wollte ich wirklich nichts zu tun haben. Das war Jimmys Sache – er hat das Material gesichtet und remastert. Da war ich nicht involviert, und wollte es auch gar nicht sein. Aus den Gründen, die ich gerade angeführt habe. Nämlich um mich nicht mit der Vergangenheit zu befassen. Was um Gottes Willen nicht heißt, dass ich nicht stolz darauf wäre. Das bin ich definitiv. Aber: Sie ist abgeschlossen und vorbei. Ich will neue Musik mit neuen Leuten machen. Ich will nach vorne schauen – nicht nach hinten. Und das ist der Unterschied zwischen Jimmy und mir: Er lebt immer noch in der Led-Zeppelin-Welt und hat sie im Grunde nie verlassen. Er ist immer noch DER Led-Zeppelin-Gitarrist und hat nie versucht, jemand anderes zu sein. Das wäre mir persönlich zu wenig. Da würde ich mich eingesperrt fühlen.

Trotzdem warst du 2014 angeblich kurz davor, einer Led-Zeppelin-Reunion zuzustimmen?
Das stimmt so nicht. Ich wollte etwas Neues mit Jimmy und John Paul Jones machen. Also neue Musik unter einem neuen Namen. Wobei wir – wenn es zu einer Album-Veröffentlichung und einer Tournee gekommen wäre – natürlich auch alte Sachen gebracht hätten. Keine Frage. Aber: Da hatte Jimmy keine Zeit, weil ihm die Remasters wichtiger waren. Er wollte das unbedingt innerhalb eines be­­stimmten Zeitfensters abschließen und ließ sich auf keine Kompromisse ein. Weshalb nichts daraus wurde. Was ich sehr bedaure. Nur: Wer weiß, was überhaupt dabei herumgekommen wäre. Das ist ja noch eine ganz andere Frage.

Was ist dran an den Gerüchten, dass es 2018, zum 50. Geburtstag der Band, eine Tour oder zumindest ein One-Off-Konzert geben könnte?
Das ist nicht mehr als ein Gerücht. Und ich finde es mittlerweile fast schon lustig, was da beinahe täglich im Netz auftaucht. Eben, dass wir dieses oder jenes bestätigt hätten oder hier und dort auftreten werden. Das Neueste, was ich gehört habe, ist ein Gig in der kalifornischen Wüste – und das schon in wenigen Wochen. Wie soll das funktionieren?

Also ein Quell ewiger Freude?
Ja, und ich habe Jahre gebraucht, um darüber lachen zu können, sprich das mit Humor zu nehmen. Ich empfand das lange als Belästigung. Als wenig respektvoll gegenüber meiner aktuellen Arbeit. Doch irgendwann bin ich dann doch ein bisschen lockerer ge­­worden.

Du wirst nächstes Jahr 70. Wie gehst du damit um?
Oh Mann. Das ist hart. Also: Ich hätte nie gedacht, dass ich mal so alt werde – und ich wollte es auch nicht. Nur: Das Leben ist zu schön, um es nicht bis zum letzten Moment auszukosten. Und das versuche ich jeden Tag. Ich lebe, wie ich will und tue nur noch, wozu ich Lust habe. Alles andere ist mir egal. Das lasse ich außen vor.

Also Cider, Fußball und Musik?
Das ist es! In wahlloser Reihenfolge. (lacht)

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