Review: Paul McCartney – EGYPT STATION

Paul McCartney Egypt Station

Er kann es noch – oder wieder, je nach Sichtweise.

Wer unter den 16 Stücken des neuen Albums nach jener einen Melodie fahndet, die all die kompositorische Klasse widerspiegelt, zu der McCartney fähig ist, entdeckt sie am ehesten im akustischen Liebeslied ›Hand In Hand‹ – was zunächst das Stereotyp bedienen mag, Paul sei letztlich eben doch der ewige Balladenschmied. Nur spricht EGYPT STATION in Gänze eine andere Sprache: Da ist das kräftige Feedback im Glam-Rocker ›Who Cares‹, dessen Text mit „what the idiots say“ weitergeht, da ist der ›Caesar Rock‹ mit rückwärts laufenden Gitarrenspuren, beizeiten funky und re­­la­tiv hart. Da ist ›Hunt You Down‹, das zunächst an ›Should I Stay Or Should I Go‹ der Clash erinnert, bevor es mit bluesigem Solo und unisono gespielten Streichern den Vibe der „Magical Mystery Tour“ zitiert. Und dann ist da noch ›Despite Repeated Warnings‹, jenes Siebenmi­nutenstück, das als Ballade beginnt und endet, dazwischen allerdings dank Tempo- und Stimmungswechseln als klug arrangierter – und ebenso betexteter – Prog-Rock durchgeht.

Natürlich hat McCartney auch wieder nette Pop-Songs im Programm, gut gemacht aber mitunter ge­­wohnt harmlos. Nur ist das beileibe nicht alles: Er scheint momentan vom Geist der späten 60er beseelt, von mehrteiligen Stücken, beinahe schon Medleys, die ihren Charakter mittendrin ändern. ›Do It Now‹ ist harmoni­scher Kammerpop, den auch Brian-Wilson-Fans goutieren können, ›Back In Brazil‹ weckt zunächst ›Blackbird‹-Assoziationen, bevor es mit Rhodes-Piano und Elektro-Beat zu recht eigenwilligem Latin-Pop mutiert. Was das alles zu bedeuten hat? Dass McCartney auf seine alten Tage kein „business as usual“ abliefert, sondern so ambitioniert zu Werke geht, als hätte er der Welt etwas zu beweisen.

8/10

Paul McCartney
EGYPT STATION
CAPITOL/UNIVERSAL

1 KOMMENTAR

  1. keiner kann es wie paul Mccartney. Ihre kritk liest sich wie ei Einkaufszettel, kenn ich, weiß ich usw. ätzend!
    Vielleicht sollte das Album ein Ansporn für Junge Songwriter sein.
    Jeder Song bei Ihm hat einen Anfang, einen Mittelteil und Schluß !
    Heut zu Tage werden am PC igend welche beats lieblos aneinander geklascht. was dann auch so klingt wie oben beschrieben, ätzend.
    Es gibt ja noch cressendo, allegro, piano,forte ,Tonartwechsel, Tempowechsel, usw.

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