Review: Mike Patton and Jean-Claude Vannier – CORPSE FLOWER

Mike Patton Corpse Flower

Vive la liberté, fraternité, Scheißegalité!

Kaum ein Musiker befindet sich in einer beneidenswerteren Position als Mike Patton – einer der wenigen, die wirklich Narrenfreiheit genießen und das Beste daraus machen. Die Werke von Faith No More, die ihm sein Auskommen sichern, lassen nie künstlerische Integrität vermissen. Zwischen diesen Ausflügen in die ertragreiche Welt der Festival-Headliner-Slots liegen aber die wilden Ausschläge auf der Sinuskurve der Massentauglichkeit, die von gewollt schmerzhaften Noiserock-Attacken bis zu hinreißend schmalztriefendem Italo-Geschnulze nur wenig auslassen. Sein jüngster „Ich mach die Welt, wie sie mir gefällt“-Porno entstand nun mit Jean-Claude Vannier, jener éminence grise der französischen Musikwelt, die Serge Gainsbourg sein unverwechselbares Klanggewand verpasste. Ein wunderbar ungleiches Paar, das in transkontinentaler Zusammenarbeit einen Mix aus 60s-Chanson und Neo-TripHop fabriziert hat, der Pattons stimmlicher Wandelbarkeit eine faszinierende Bühne bietet. Von Dada-Clown bis finsterer Lustmolch reicht sein Spektrum hier, und man darf wie immer keine leichtverdauliche Soundtapete erwarten, sondern muss sich auf das Experiment einlassen. Offenheit muss man auf jeden Fall mitbringen – aber, ob uns das gefällt oder nicht, ist ihm so oder so egal. Il fait ce qu’il veut, und das bleibt hoffentlich noch lange so.

7/10

Mike Patton and Jean-Claude Vannier
CORPSE FLOWER
IPECAC/ROUGH TRADE

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