-

James Taylor – AMERICAN STANDARD

■

Geschmeidig: James Taylor blättert durchs amerikanische Songbuch

Es ist schon witzig: Da entwickeln sie über Jahrzehnte eine neue, stark auf individuellen Erfahrungen, dem subjektiven Ausdruck basierende Songsprache, und im Alter zieht es sie wieder zurück zu den alten Standards. Die Rede ist von Bob Dylan und Van Morrison, von den großen Songwritern also, und jetzt auch von James Taylor. Der hält die in den 30ern, 40ern und 50ern meist für den Broadway geschriebenen Stücke von Komponisten und Textern wie Cole Porter, Rodgers und Hammerstein, den Gershwin-Brüdern oder Sammy Cahn gar für den „Höhepunkt der populären amerikanischen Musik“. Wahr ist, dass Lieder wie ›Moon River‹, ›My Blue Heaven‹, ›The Nearness Of You‹ oder ›Ol’ Man River‹ in ihrer Kombination aus wenigen, scheinbar einfachen Worten und ihrer tiefen Melancholie, dem Wissen um emotionale Abgründe ziemlich einzigartig sind. Taylor ist mit diesen Liedern aufgewachsen, entsprechend vertraut fühlt es sich an, wenn er sie singt. Die Arrangements sind ganz reduziert, keine Orchesterbegleitung wie einst bei Sinatra, nur die warme, schmeichelnde Stimme, zwei akusti- sche Gitarren, zarter Background-Gesang, gestreicheltes Schlagzeug, hier eine Klarinette, dort ein Saxofon oder eine Geige. Bei Dylan sind diese Songs spektakulärer, allein seiner Stimme wegen exzentrischer, Taylor spielt sie geschmeidig, genau richtig zum gerade noch angenehm traurigen vor sich Hinträumen.

8/10

James Taylor
AMERICAN STANDARD
FANTASY RECORDS/CONCORD

- Advertisement -

Weiterlesen

Lebenslinien: Zakk Wylde

Er spielte jahrelang Gitarre für Ozzy und hörte sich endlose Geschichten von ihm und Lemmy an. Er war im Himmel, als er Elton John...

Endlich am Kiosk & ab sofort im Online-Shop erhältlich: Die neue Ausgabe von CLASSIC ROCK!

TITELSTORY: Pink Floyd – The Wall Tour Ein Meisterwerk auf der Bühne, aber ein Machtkampf hinter den Kulissen. Wie Gigantomanie, finanzielle Debakel und interne Spannungen...

IN MEMORIAM PHIL LYNOTT

40 Jahre nach seinem Tod sprechen Scott Gorham, Eric Bell, Mark Stanway, Laurence Archer und andere über den Bandkollegen und Freund, den sie kannten...
- Advertisment -