Review: Daniel Kramer – Bob Dylan. A Year And A Day

Daniel Kramer Bob Dylan A Year And A Day

An der Schwelle zur Unsterblichkeit.

Zum ersten Mal sieht Daniel Kra­mer Bob Dylan 1964 in der „Steve Allen Variety TV Show“. So be­­richtet er es in der Einleitung zu vorliegendem Bildband. Dylan spielt ›The Lone­some Death Of Hattie Carroll‹ – und Kra­mer weiß, dass er diesen aufmüpfigen jungen Mann vor seiner Kamera haben muss. Nach einigen Telefonaten findet er sich auf dem Anwesen von Dylan-Manager Albert Grossman in Woodstock wieder, wo er seine ersten Aufnahmen des Musikers schießt, schwarzweiß in körniger Optik, wie spontan eingefangen. Dylan beim Zei­tunglesen, beim Rauchen, beim Auf-Bäume-Klet­tern.

Es ist der Auftakt einer gut einjährigen Zusam­menarbeit, in der der Songschreiber sich vom Pro­test-Folksänger zum exzentrischen Rockpoeten wandelt, die wichtigste Neuerfindung seiner Karriere, der Schritt zur Unsterblichkeit. Kramer schießt die Coverfotos für Dylans epochale Alben BRINGING IT ALL BACK HOME und HIGHWAY 61 – und er ist dabei, als der streitbare Star 1965 im Forrest Hill Sta­dium in New York – zum Unmut vieler An­­hänger – seine akustische Gitarre gegen die elektrische tauscht, seine Band auf die Bühne holt und seinen Sound elektrifiziert. Ein magischer Moment.

Viele der Foto­grafien in diesem Buch sind längst zu Ikonen geworden: Dylan neben einem kleinen Jungen beim Schach, beim Anzugkaufen, mit Sonnenbrille und Gitarre im Studio. Doch es finden sich auch den Fans nicht unbedingt bekannte Aufnahmen, die den Sänger etwa mit Joan Baez zeigen, mit Johnny Cash oder an der Seite seiner späteren Frau Sara Lowndes. Kramer war zur richtigen Zeit am richtigen Ort, ganz klar. Schön sind auch seine so kurzen wie persönlichen Erinnerungstexte zwischen den Bildern.

9/10

Bob Dylan: A Year And A Day
Von Daniel Kramer
TASCHEN

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