Review: Bryan Ferry – LIVE AT THE ROYAL ALBERT HALL 1974

Bryan Ferry live at the Royal Albert Hall 1974

Schmalz und Hochenergetisches: Endlich ein frühes Solo-Livealbum des Roxy-Music-Chefs

Während er mit Roxy Music die damalige Rockmusik revolutionierte, dekonstruierte und neu zusammensetzte, was das Zeug hielt, spielte Bryan Ferry auf seinen frühen Soloalben von 1973 und 74 die Lieder seiner Jugend und seiner Helden. Elvis-Verehrung, Orchester-Pomp, Girlgroup-Pop der Marke Phil Spector, Broadway-Musik der 30er und 40er, der Rock‘n‘Roll der 50er und der Motown-Sound der 60er fanden da in einer schmalzigen, affektierten und überdrehten Revue zusammen. Kurz: Es war ziemlich großartig. Als Live-Version gabs das Ganze bisher nicht, vorliegender Konzertmitschnitt aus der Royal Albert Hall 1974 ändert das. Ferry rast hier als erstes durch ›Sympathy For The Devil‹, nicht besser als die Stones, klar, aber den Puls treibts hoch, er hetzt durch das von Leiber und Stoller geschriebene und von Elvis bekannt gemachte ›Baby I Don‘t Care‹, als würde er vor Aufregung platzen, und bei ›It‘s My Party‹ macht er nicht viel langsamer. Das Schlagzeug stampft ziemlich, das Saxofon ist wie bei Roxy Music dabei, Bläser und Background-Chöre schieben das Ganze in die Soul-Richtung. Smokey Robinsons Herzschmerz-Großtat ›The Tracks Of My Tears‹ klingt dann auch fantastisch. Die langsamsten Nummern sind die Standards ›Smoke Gets In Your Eyes‹ und ›These Foolish Things‹, wer nach Eigenkompositionen sucht, wird bloß bei ›Another Time, Another Place‹ und dem majestätisch-versponnenen ›A Really Good Time‹ (Roxy Music) fündig. Aber streng zwischen Original und Anverwandlung zu trennen, das ist bei Ferry ja sowieso blöd.

8/10

Bryan Ferry
LIVE AT THE ROYAL ALBERT HALL 1974
BMG/Warner

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