Al Di Meola – ACROSS THE UNIVERSE

-

Al Di Meola – ACROSS THE UNIVERSE

Auf den Spuren der Beatles – manchmal aber auch weit daneben

Eines vorneweg: Dass Al Di Meola verdammt gut Gitarre spielen kann, ist eine Tatsache, dass er sich auf diesem Album als Beatles-Fan outet, ehrt ihn. Das titelgebende ›Across The Universe‹ ist zwar nicht mit an Bord, dafür aber 14 andere Stücke der Fab Four aus all ihren Schaffensphasen. Mehr oder minder jazzig angehauchte Instrumentalversionen, die übrigens meist in Lounge-Music ausarteten, existierten bereits zu Lebzeiten der Band. Wer so etwas char- mant findet, dem sei als Beispiel ›The Word‹ ans Herz gelegt, 1968 interpretiert vom Harvey Averne Dozen. Al Di Meola tappt aktuell – außer bei den dafür prädestinierten Songs wie ›Yesterday‹, ›Here There And Everywhere‹ oder ›Til There Was You‹ – zwar nicht unbedingt in die Easy-Listening-, dafür aber in die Mucker-Falle. Wir erinnern uns: The Beatles schrieben wunderbare Melodien, im Mittelpunkt stand dabei aber stets ihr großartiger, gerne auch mehrstimmiger Gesang. Di Meolas ›Dear Prudence‹ hingegen wirkt, trotz stimmlicher Lautmalereien, eher wie eine Unterrichtsstunde in „Finger-Picking für Fortgeschrittene“, ergänzt um gewohnt rasante Läufe, denn langsam kann ja jeder. Darf man das? Natürlich! Aber transportiert es auch die Magie dieses Klassikers, seine Intensität und Dringlichkeit? Nicht einmal ansatzweise. ›Strawberry Fields Forever‹ beginnt mit dem origi- nalen Mellotron-Intro und erfreut zunächst mit einer luftigen, erstaunlich zurückhaltenden Interpretation des Themas, doch spätestens bei 2:50 kann Al nicht mehr an sich halten und soliert drauflos – wobei dieser Part nicht erkennbar auf den Beatles basiert –, bevor er dann doch noch ein- mal die Kurve kriegt. Was soll man jetzt dazu sagen? Nun, dass Al Di Meola ganz toll Gitarre spielen kann, was wir bereits vorher wussten. Aber eben auch, dass bei einer emotional stimmigen Interpretation des „Great Liverpudlian Songbook“ instrumentaler Virtuositäts-Overkill leider absolut überhaupt keine Rolle spielt.

Ohne Wertung

Al Di Meola
ACROSS THE UNIVERSE
EARMUSIC/EDEL

1 Kommentar

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Das Neueste

Sweet: Andy Scott über Steve Priests Extravaganz

Im großen Titelstory-Interview sprach Andy Scott, "last man standing" des Original-Line-Ups von Sweet, zweieinhalb Stunden über das Vermächtnis seiner...

Philip Sayce: THE WOLVES ARE COMING

Corona ist schuld: Der Guitar-Hero Philip mutiert zum Zappelphilip Freunde der E-Gitarre kennen die Helden der Szene. Sayce spielte nicht...

Vanessa Peters: FLYING ON INSTRUMENTS

Singer/Songwriterin mit eigener Note – und brillanten Lyrics Vanessa Peters ist eine Wandlerin zwischen den Welten. Das ist durchaus geografisch...

Modern English: 1 2 3 4

Urbesetzung mit neuem Schwung Man redet nicht zuerst über sie, wenn es um Post-Punk geht, aber man darf sie nicht...

Robby Krieger And The Soul Savages: ROBBY KRIEGER AND THE SOUL SAVAGES

Der Doors-Gitarrist macht es sich zwischen Soul, Jazz, Rock und Blues gemütlich Wer es nicht wusste: Robby Krieger war Gründungsmitglied...

Ace Frehley: 10.000 VOLTS

Atze - eins a Ob das neue Album des früheren KISS-Gitarristen Ace Frehley die ehemaligen Kollegen Gene und Paul wirklich...

Pflichtlektüre

Red Machete: Neues Video zu ›Runaway‹

Die drei Linzer haben sich fünf Jahre für ihr...

Ultravox! – LIVE AT THE RAINBOW 1977

Des Foxx’ Vox! Jedem U50-Jährigen, der im gewaltigen Schatten der...

Das könnte dir auch gefallen
Für dich empfohlen