Rainbow: Der Man in Black und der Albumklassiker

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Rainbow: Der Man in Black und der Albumklassiker

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„Noch Jahre später sagten mir Leute, wie überrascht sie waren, als ich bei Rainbow ausstieg“, erinnerte sich Dio später. „Ich lächelte dann immer und sagte, dass ich das irgendwie auch selbst war. Doch das war nur ein Vertuschen des Frusts, den ich empfand. Ich liebte es, bei Rainbow zu sein, ich fand, Ritchie und ich hatten da etwas Besonderes, als Songwriter und Performer. Doch als ich diese Entscheidung
traf, hatte ich das Gefühl, keine andere Wahl mehr zu haben.“

Blackmore hatte in den Wochen nach der Tour schon Bob Daisley und David Stone gefeuert. Er war überzeugter denn je, dass Rainbow einen drastischen Richtungswechsel brauchten, um den amerikanischen Markt zu knacken, wie das Bands wie Boston und Foreigner gelungen war – Kunst ist schön und gut, aber Hits sind schöner und besser, so lautete die Maxime im Musikgeschäft der 70er. Und er war nun auch bereit, sich des einzigen Mitglieds zu entledigen, das bis dahin als unverzichtbar gegolten hatte: sein Sänger, Co-Songwriter und bald ehemaliger Freund Ronnie James Dio.

Die erste Ahnung von diesen plötzlichen Veränderungen bekam Dio, als aus unerwarteter Richtung auf ihn Einfluss genommen wurde, nämlich von dem einstigen Deep-Purple-Bassisten Roger Glover, den Ritchie als Produzenten für das kommende Rainbow-Album engagiert hatte. Blackmore und Dio wechselten kein Wort mehr miteinander, nachdem Letzterer sich standhaft geweigert hatte, Ritchies Forderung Folge zu leisten, „nicht mehr so Fantasy-orientiert und stattdessen Liebeslieder zu schreiben“. Somit blieb es an Glover hängen, den Sänger davon zu überzeugen, eine Coverversion von Carole Kings ›Will You Still Love Me Tomorrow‹ einzuspielen, das 1961 in Großbritannien ein großer Hit für die Shirelles gewesen war. Blackmore glaubte, Rainbow könnte damit dasselbe gelingen.

Ironischerweise hatte Ronnie schon Jahre zuvor seine eigene Fassung des Songs mit Ronnie And The Prophets veröffentlicht. Die war damals grandios gefloppt und er sah keinen Grund, warum das für Rainbow anders laufen sollte. Der Sänger und der Gitarrist hatten schließlich einen Riesenstreit deswegen, und kurz darauf verkündete eine Pressemitteilung Dios „Weggang“ von Rainbow. „Ritchie deutete immer an, er habe mich gefeuert, aber so weit ich mich erinnern kann, war ich es, der ausstieg“, so Dio.

Was zunächst wie eine schlimme Wendung aussah, erwies sich jedoch als großer Vorteil für Dio, der nur wenige Monate später bei Black Sabbath Ozzy Osbourne ersetzte und nach seinem Ausstieg bei diesen Metal-Legenden in den 80ern eine enorm erfolgreiche Karriere mit seiner eigenen Multiplatinband Dio hinlegte.

Blackmores Wunsch, dass Rainbow kommerzieller werden sollten, ging letzlich in Erfüllung, als er den Sänger Graham Bonnet ins Boot holte und endlich seine ersten richtigen Hitsingles landete, etwa mit der Russ-Ballard-Nummer ›Since You Been Gone‹ – wenngleich immer noch nicht in den USA, wo es keine Rainbow-Single jemals in die Top 30 schaffte. ›Will You Still Love Me Tomorrow‹ wurde zwar nie als Single ausgekoppelt, doch sie spielten es sehr wohl live, als sie 1980 die Headliner beim ersten Monsters Of Rock Festival waren.

Als Blackmore 2017 in einem Interview mit „Newsweek“ gefragt wurde, ob er enttäuscht gewesen sei, dass er Dio, der 2010 starb, nicht zu den Rainbow-Reunion-Shows 2016 einladen konnte, antwortete er: „Ich sage das nur ungerne, aber nein, das war ich nicht. Ich war schon lange mit Ronnie fertig. Hin und wieder hatten wir Kontakt, aber ich hatte andere Dinge gemacht, er hatte andere Dinge gemacht. Wir blieben höflich zueinander, aber ich denke, keiner von uns beiden wollte wieder mit dem anderen zusammenarbeiten. Er war ein starkes Alphatier, und das bin ich auch. Er wollte in die eine Richtung gehen, ich in die andere.“

Man könnte ebenso gut sagen, dass sie beide in dieselbe Richtung strebten: beide auf der Jagd nach dem Goldschatz, der irgendwo am Ende des Regenbogens auf sie wartete.

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