Rückblende: Queen – ›Stone Cold Crazy‹

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Aber nur wenige Tage später sagte Fred Bulsara allen, dass er fortan Freddie Mercury genannt werden wollte und Queen die Welt erobern würden. Mike Grose war sich da jedoch nicht so sicher und zog bald wieder nach Cornwall und seinem sicheren Job bei der Spedition.

Im Februar 1971 stieg Bassist John Deacon ein und bald darauf hatte die Band einen Plattenvertrag mit EMI in der Tasche. Ihr Debütalbum QUEEN erschien im November 1973, gefolgt von QUEEN II nur vier Monate darauf. Aber ›Stone Cold Crazy‹ fand sich weder auf der einen, noch der anderen Platte.

Während der Aufnahmen zum nächsten Album SHEER HEART ATTACK kam Brian May mit einem Geschwür im Zwölffingerdarm ins Krankenhaus. Seine Bandkollegen machten ohne ihn weiter und versammelten sich um sein Bett im King’s College Hospital, um ihm Bänder von den laufenden Arbeiten vorzuspielen. ›Stone Cold Crazy‹, eines der wenigen Queen-Stücke der 70er, bei dem alle vier Mitglieder als Autoren vermerkt sind, schaffte es schließlich auf die zweite Seite des fertigen Werks.

In vielerlei Hinsicht bringt dieses Lied alles auf den Punkt, wofür man das Quartett so liebte – in nur 2:16 Minuten. Das angriffslustige Riff, die manischen Harmonien und der comicartige Text waren typische Elemente, die Queen als Grundlage für weit größere Hits verwenden würden.

Obwohl May zugab, er habe „keine Ahnung, wovon es handelt“, muss man sich unweigerlich fragen, ob es in dem Stück zumindest teilweise um den jungen Fred Bulsara geht. In dem karikaturhaften Helden stecken sicher Aspekte des Kunststudenten, der allen erzählte, er werde mal Popstar sein: „dreaming I was Al Capone“ oder „walking down the street, shooting people that I meet with my rubber Tommy water gun“. So laut und angeberisch Queen auch gewesen sein mögen, gehörten Tod und Zerstörung doch nicht zu ihrem Repertoire.

James Hetfield von Metallica änderte die Textzeile allerdings vielsagenderweise in „my fully loaded Tommy gun“, als er ›Stone Cold Crazy‹ 1992 beim Freddie Mercury Tribute Concert mit May, Taylor, Deacon und Tony Iommi spielte. Auch auf der schmerzhaft machohaften Neuinterpretation auf Metallicas Coveralbum GARAGE DAYS INC. von 1998 behielt er sie so bei.

Das Lied, das Queen der Welt vorstellte, wenn auch nur in einem Rathaus in Cornwall, hat May und Taylor aber erneut inspiriert, nachdem sie es auf dem Boxset LIVE AT THE RAINBOW ’74 wiederentdeckt hatten. ›Stone Cold Crazy‹ und andere Stücke, die seit den 70ern nicht mehr zu hören gewesen waren, waren seit 2014 wieder auf den Setlists der Band zu finden, revitalisiert von Frontmann Adam Lambert, dem Brian May dankbar ist, „uns wieder aufgeweckt“ zu haben. Gut vier Jahrzehnte nach seinem ersten Erscheinen darf man sich also darüber freuen, dass Freds imaginärer Al Capone mit seinem Wasser-Maschinengewehr aus Gummi wieder durch die Straßen zieht.

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