Queen + Adam Lambert: Das Wunder

-

Queen + Adam Lambert: Das Wunder

- Advertisment -

Die Debatte, ob es richtig war, ohne Freddie Mercury weiterzumachen, wird in manchen Kreisen bis in alle Ewigkeit geführt werden. Brian May und Roger Taylor ist das glücklicherweise piepegal, und ihnen gelang, was auch viele wohlgeneigte Fans für ein Ding der Unmöglichkeit hielten: Sie fanden genau den richtigen Sänger, um den größten Frontmann aller Zeiten würdig zu vertreten. Abertausende Fans in aller Welt konnten sich davon überzeugen, und mit dem ersten offiziellen Live-Mitschnitt von Queen + Adam Lambert kann das nun auch der Rest der Welt. Die geballte Energie und Euphorie auf diesen Songs sollte auch die härtesten Zweifler wenigstens zu einem anerkennenden Nicken animieren. Und wir stellen uns gerne vor, wie Freddie sich das Ganze ansieht und mit einem trocken-süffisanten „Splendid, darling!“ kommentiert.

Hallo Roger, wie geht es dir? Du hast die Pandemie bisher in Cornwall und Kroatien ausgesessen und den Song ›Isolation‹ veröffentlicht. Wie erlebst du diese verrückte Zeit gerade?
Ich habe großes Glück, denn ich hatte viel Platz, wunderschöne Natur und das Meer, wo ich mich isolieren konnte. Mit all den vielen Menschen, die in Wohnungen in Großstädten usw. gefangen sind, habe ich großes Mitleid. Es sind wirklich seltsame Zeiten!

Wann nahm die Idee für dieses Livealbum Gestalt an?
Es traf mich wie ein sehr offensichtlicher Blitz. Wie könnte man besser die Lücke einer abgesagten Tournee füllen als mit einer brandheißen Auswahl von Songs aus den letzten acht Jahren unserer Shows von Queen + Adam Lambert?


Habt ihr für LIVE AROUND THE WORLD die besten Darbietungen und/oder Aufnahmen ausgesucht, oder auch Tracks, die euch aus bestimmten Gründen wie einem besonderen Ort oder Ereignissen an dem
Abend wichtig waren?

Wir wollten großartige Performances und gute Filmaufnahmen, damit auch die DVD aufregend wird. Und dass es Songs von rund um den Globus sind, wo das Publikum überall anders, aber immer unglaublich ist.

Nur wenige Live-Mitschnitte können je die Energie und Atmosphäre eines Konzerts einfangen, doch das ist euch absolut gelungen. Wie habt ihr diesen euphorischen, energetischen Vibe in die Konserve gebracht?
Es sind einfach so viele tolle Darbietungen. Alles ist komplett live und unverfälscht. Keine Overdubs. Keine Korrekturen im Studio. Absolut live und elektrisch!


Adam war schon vom Beginn seines Abenteuers mit euch an atemberaubend. Wie hast du seine Entwicklung in diesem Jahrzehnt an eurer Seite erlebt?

Er wird einfach immer besser – das ist eine so aufregende Partnerschaft, die so viel Spaß macht. Da sind viel Humor und viel Hingabe im Spiel – und die große Zufriedenheit und der Genuss eines gut gemachten Jobs. Und eines befriedigten Publikums!

Wenn Bands nach dem Verlust eines ikonenhaften Mitglieds weitermachen, gibt es unweigerlich auch Kritik. Die Reaktionen auf Adam waren jedoch größtenteils überwältigend positiv. Hat euch das überrascht, hattet ihr euch auf das Schlimmste gefasst gemacht oder wart ihr euch immer sicher, dass er die Hater überzeugen würde?
Wie Freddie immer zu sagen pflegte: „Talent überwindet alles“. Wir unterschätzen unser Publikum nicht – es weiß, dass Freddie nicht da sein wird. Adam hat großen Respekt vor diesem Vermächtnis und zeigt das auch.

Ohne respektlos gegenüber Paul Rodgers, dem ersten Nachfolger von Freddie, sein zu wollen: Was, abgesehen von seiner Jugendlichkeit, hat Adam, das Paul nicht hatte?
Paul ist ein unglaublicher Blues- und Soulsänger. Adam passt besser zu Queen, denn er hat die Flamboyanz und das Charisma, die zur Theatralik unserer Songs passen. Und er sieht aus wie „camp Elvis“.

Du lobst Adam bei jeder Gelegenheit in den höchsten Tönen für seine Qualitäten als Entertainer und seine Professionalität. Ist aus dieser Bewunderung auch eine Freundschaft abseits der Tourverpflichtungen geworden?
Ja, wir sind sehr gute Freunde und auch Nachbarn, wenn ich in Los Angeles bin.

Adam Lambert und Rami Malek, der Freddie im Film „Bohemian Rhapsody“ verkörperte und dafür einen Oscar gewann, haben Queen auf sehr verschiedene Art und Weise einem jüngeren Publikum nahegebracht. Wie wichtig war das deiner Meinung nach, um die Band so relevant und motiviert zu halten?
Der Film war ein großer Faktor darin, ebenso wie die Tatsache, dass Rami und Adam beide jung und sehr charismatisch sind.

Ihr habt einen so unermesslich umfangreichen Katalog, und ein wesentlicher Teil des Albums wird von den größten Fanlieblingen eingenommen. War da die Versuchung nicht groß, einfach mehr als 20
Songs auf LIVE AROUND THE WORLD zu packen?

Zu viele Songs – zu viele Hits! Man kann sie eben nicht alle haben!

Hast du persönliche Favoriten auf dieser Platte?
›Fat Bottomed Girls‹, weil es so viel Spaß machte. ›Love Kills‹ wegen der Darbietung.


Könntet ihr euch vorstellen, neues Material mit Adam aufzunehmen, auch wenn es nur ein Track wäre, quasi als Würdigung seines beachtlichen Beitrags dazu, die Band in die Zukunft zu tragen? Oder findest du, das wäre falsch für das Vermächtnis von Queen?
Doch, ich könnte mir das vorstellen – aber nur, wenn sich die Zeit und der Song richtig anfühlen.

2020 war das 50. Jubiläum von Queen. Machst du dir Gedanken über solche Ereignisse oder sind das nur abstrakte Zahlen und du blickst lieber in die Zukunft?
Das sind einfach nur Zahlen – wie geht’s weiter? Ich blicke definitiv lieber in die Zukunft.

CLASSIC ROCK ist ja in München beheimatet, wo jüngst eine Straße nach Freddie benannt wurde. Findest du solche Würdigungen rührend? Und München spielte ja eine wichtige Rolle für Freddie und die Band – hast du irgendwelche bestimmten Erinnerungen an die Stadt?
Wow, wie cool – ich liebe das! Wir hatten tolle Zeiten im wunderschönen München. So viele Erinnerungen.

Der Eindruck von den Shows mit Adam ist der von schierer Freude und Euphorie, aber ist es für dich manchmal auch eine wehmütige Erfahrung?
Es ist totaler Spaß, aber gleichzeitig auch total konzentriert.

Die Welt scheint gerade komplett durchzudrehen und niemand weiß, wie sich die
Pandemie entwickeln wird. Blickst du eher mit Angst oder mit Hoffnung auf 2021?

Die Welt scheint von Gangstern und Monstern beherrscht zu werden. Auf jeden Fall würde ich es schon mal lieben, wenn 2021 ohne Trump stattfindet.

Wenn in hoffentlich noch ferner Zukunft die Zeit für das letzte Konzert von Queen kommt, wie würdest du dich gerne verabschieden? Denkst du je darüber nach, wo das stattfinden soll, mit welchen Beteiligten und welcher Setlist?
Nein, ich hasse finstere Gedanken. Immer positiv – und weiter geht’s!

Und hier noch ein persönlicher Gruß von Roger Taylor an CLASSIC ROCK:

1 Kommentar

  1. Warum in Teufels Namen muss das Projekt um Mai und Taylor ohne Deacon und Mercury als Queen weiter führen ?
    Hätte es nicht taktvoller gegenüber den beiden nicht mehr vorhanden Band-Mitglieder einfach nur ,, Mai-Taylor-Band
    feat. Lambert heißen können ? Aber nein, allein der Name ,, Queen ,, generiert satte Tantiemen.
    Als Fan und Bewunderer der einzigen meiner Meinung nach legitimen Formation die das Quartett , Mercury, Mai, Deacon und Taylor unter dem Band-Namen Queen verkörperten bin ich über die Machenschaften der beiden verbliebenen Band-Mitglieder enttäuscht, denn das Erbe der ehemaligen Band wird für mein Dafürhalten damit schamlos für kommerzielle Zwecke missbraucht.
    Andere Bands, wie die verbliebenen Mitglieder von Led Zeppelin hatten mehr Taktgefühl gegenüber dem leider viel zu früh verstorbenen John Bonham.
    Unter dem Namen Led Zeppelin gab es nur ein einziges Event und das war das Konzert 2007 in der O2-Arena in London zu ehren zu Ehren des 2006 verstorbenen Gründers der Plattenfirma Atlantic Records und Mit-Entdeckers von Led Zeppelin, Ahmet Ertegün.
    Das ist ein Ehrenvolles Gedenken an ein verstorbenes Band-Mitglied und verdient höchsten Respekt.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Das Neueste

Pink Floyd: Nerd-Leitfaden zu THE DARK SIDE OF THE MOON

Wir haben unsere Hirne zermartert, Experten befragt und das Internet leergesogen,um euch 20 Fakten zu präsentieren, die ihr wirklich...

Video der Woche: The Rolling Stones 1965 mit ›Paint It Black‹

Heute hätte Brian Jones, Gründungsmitglied der Rolling Stones, Geburtstag. In Gedenken an den grandiosen und viel zu früh verstorbenen...

Lynyrd Skynyrd: One More From The Road

1975. Ein Blutbad bahnt sich an. Lynyrd Skynyrd trinken – und zwar so richtig – an der Hotelbar: Pfefferminzschnaps,...

The Black Crowes – SHAKE YOUR MONEY MAKER (30th Anniversary)

Geschwisterliebe Als die Black Crowes 1990 ihren Erstling SHAKE YOUR MONEY MAKER auf die Fans losließen, stand die Rockgitarre insbesondere...
- Werbung -

Review: Alice Cooper – DETROIT STORIES

Unser Interview mit Alice Cooper lest ihr in der aktuellen Ausgabe von CLASSIC ROCK! Man kann sich ja bekanntlich neu...

Billy Gibbons: ›Rattlesnake Shake‹ live mit Steven Tyler

In Gedenken an den verstorbenen Peter Green gaben Steven Tyler und Billy Gibbons vor circa einem Jahr gemeinsam den...

Pflichtlektüre

Rory Gallagher – LIVE IN EUROPE

Im Schweiße seines Angesichts: A Hard-Workin’-Irish-Guy evoziert den Blues. LIVE...

Neuerscheinungen: Ab heute im Plattenladen

Es ist Freitag, und das bedeutet...? Richtig, neue Platten...
- Advertisement -

Das könnte dir auch gefallenÄHNLICH
Für dich empfohlen