Phil Lynott – SOLO IN SOHO

-

Phil Lynott – SOLO IN SOHO

Phil LynottEin Kessel Buntes: Phil Lynotts etwas zu facettenreich geratenes Solodebüt von 1980.

Dass der extrovertierte Thin-Lizzy-Frontmann eines Tages auch als Solist reüssieren würde, prophezeite die Londoner Hip-Presse schon 1971, als gerade das selbstbetitelte Debüt des irischen Trios erschienen war. Bei Lynott befanden sich Talent, Charisma und Image auf Augenhöhe. Erstaunlicherweise ließ SOLO IN SOHO – mit einer in jener Ära obligatorisch imposanten Gästeliste, darunter auch die Lizzy-Gitarrenriege, Scott Gorham, Brian Downey, Snowy White und Gary Moore – neun Jahre auf sich warten. Just als der Sohn einer Irin und eines Guyaners sämtliche Trümpfe mit Thin Lizzy ausgereizt hatte und im Drogensumpf zu versanden drohte. Letztendlich ist es ein für den damaligen Zeitgeist typisches Multi-Puzzle-Werk, aber atypisch für Lynotts bisherigen Kreativ-Output. Millimetergenau auch auf die frühen Alben von The Police und Fischer-Z gepasst hätte der als Dub-Reggae verpackte Titelsong. ›King’ Call‹, ein düster in Moll gehaltenes Lamento auf den verstorbenen Elvis Presley, ließe sich auch gut auf einem der ersten Werke der Dire Straits vorstellen – kein Kunststück, sang und spielte Mark Knopfler doch tatsächlich mit. Die flotte Mundharmonika blies beim R’n’B-Muntermacher ›Ode To A Black Man‹ und auf der neckischen Philly-Soul-Tanzofferte ›Tattoo (Giving It All Up For Love)‹ kein Geringerer als Huey Lewis, der sich letzteren Titel auch für das zweite Album PICTURE THIS (1982) seiner eigenen Band krallte. Und wer bei den ersten vollelektronischen Takten glaubte, das als Single ausgekoppelte ›Yellow Pearl‹ sei von Ultravox, lag nicht völlig falsch – hatte Midge Ure im Gespann mit Pianist Billy Currie doch beim quirligen Synthie-Pop-Stück mitkomponiert und -gespielt. Selbst der ewige Lizzy-Sechssaitenquerulant Brian Robertson verewigte sich auf Lynotts Debüt: als Co-Autor des fast schon unanständig von Synthieflirren durchzogenen Allerwelts-Popsongs ›Girls‹.

Phil Lynott
SOLO IN SOHO
MUSIC ON VINYL/CARGO RECORDS
7/10

1 Kommentar

  1. Lynott hat mit Lizzy weit (WEIT!) bessere Platten gemacht. Trotzdem höre ich sie immer mal wieder gern. Seine Stimme ist einfach zu wunderbar.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Das Neueste

Metallica: Weltweite Kinopremiere von 72 SEASONS

Am 13. April wird Metallicas kommendes Album, 72 SEASONS, für einen Abend lang exklusiv weltweit in verschiedenen Kinos dargeboten....

The Arcs: ELECTROPHONIC CHRONIC

Seelenverwandte Vintage-Brüder Dan Auerbachs Easy Eye Sound Studio muss ein Ort zum Wohlfühlen sein. Vollgestopft mit museumsreifem Studioequipment, von dem...

Pristine: THE LINES WE CROSS

Kreativ und wagemutig Die letzten zwei Pandemiejahre haben die Kreativität im Hause Pristine mit neuer Energie und Wagemut gefüttert. Auf...

Ghost: Neue Version von ›Spillways‹ mit Joe Elliott

Mit einem witzigen Video mit dem Titel "Meanwhile in Dublin" haben Ghost eine neue Version ihrer Single ›Spillways‹ vom...

Tom Petty: Bisher unveröffentlichte Aufnahmen von 1997

Auf Tom Pettys Youtube-Kanal wurde gestern ein neuer Kurzfilm mit dem Titel "The Fillmore Houseband (1997)" veröffentlicht. 1997 spielten...

Black Star Riders im Interview: „Eine Band ist kein Gefängnis“

2023 feiern die Black Star Riders mit dem neuen WRONG SIDE OF PARADISE ihr 10-jähriges Bestehen und müssen gleichzeitig...

Pflichtlektüre

Iggy Pop: Hört hier seinen neuen Song ›Asshole Blues‹

Am Freitag wird Iggy Pop stattliche 70 Jahre alt....

Ace Frehley: Will seinen Thron bei Kiss zurückerobern

Kiss gehen demnächst auf Abschiedstour. Und Ace Frehley will...

Das könnte dir auch gefallen
Für dich empfohlen