Paul McCartney: Das Musikgenie im großen Exklusiv-Interview

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Paul McCartney: Das Musikgenie im großen Exklusiv-Interview

Die Leute lesen verschieden Dinge aus deinen Texten heraus und versuchen zu ergründen, wie persönlich sie sind. Als FITD herauskam, sagtest du, ›Put It There‹ sei von deinem Dad inspiriert.
Nun, vieles in den Songs ist, wie bei all meinen Songs, erfunden und es geht nicht um mich, auch wenn ein Psychiater wohl widersprechen würde. Aber es gibt auch ein paar Tracks, in denen es großteils um mein Leben geht. „Put it there“ war ein Satz, den mein Dad gern sagte, als wir Kids waren. Er streckte seine Hand aus und sagte: „Put it there if it weighs a ton“… Es sagte es mit ganz viel Zuneigung, also hab ich einen Song darüber geschrieben.

Du hast auf diesem Song auch mit George Martin gearbeitet, oder?
George hast das Stück orchestriert. Das Ergebnis erinnert ein wenig an ›Blackbird‹. Es war immer toll, was mit George zu machen, er war immer sehr ruhig und sehr intelligent. Wir haben so viel zusammen erlebt und ich konnte zu ihm einfach sagen: „Was sagst du, ein paar Streicher oder so? Das sind die Akkorde, duh duh duh duh duh“, und er ging und schrieb etwas. Er war ein großartiger Kerl, witzig, smart, ein hervorragender Musiker und ein guter Kumpel.

paul mccartney promo

Ein weiteres Highlight des Albums ist ›Distractions‹. Es geht darin um Familie und Häuslichkeit. Keine typischen Rock’n’Roll-Themen, oder?
Ich will die Leute erreichen, ich will, dass man sich in die Songs hineinversetzen kann. Wenn du dir die große Mehrheit aller Menschen auf der Erde anschaust: Sie verlieben sich und gründen zusammen eine Familie. Das ist Häuslichkeit. Indem ich beschreibe, wie das für mich ist, können sich die Leute daran erinnern, wie es bei ihnen war, das gefällt mir. Es ist nicht immer leicht, eine Beziehung zu führen, es läuft nicht wie in einem schnulzigen Liebeslied, es geht tiefer, und Millionen von Menschen erleben das so.

›We Got Married‹ ist ein weiterer sehr persönlicher Track.
Er ist eine Feier der Ehe. Oft schrecken die Leute ja vor solch einem Thema zurück. Es geht dabei nicht unbedingt um mich, aber es stecken eine Menge Erinnerungen drin. Einige der Lyrics erinnern mich an John und Cynthia auf der Kunstschule. David Gilmour spielt wunderschön Gitarre.

›How Many People‹ hast du dem brasilianischen Regenwaldaktivisten Chico Mendes gewidmet.
Die Idee zur Widmung kam mir erst, nachdem ich den Song geschrieben hatte. Er hat dieses Reggae-Gefühl, aber dann heißt es „how many peolpe have died“, und „one too many for me“. Und das ist die Grundidee des Liedes. Als ich dann von Chico Mendes’ Kampf im Urwald hörte und davon, dass er erschossen worden war, war die Sache klar. Es passte einfach, der arme Kerl versuchte, den Planeten zu retten, und wird ermordet, es ist so dumm, dass so etwas passiert. Ich dachte, es wäre das Mindeste, ihn irgendwie zu erwähnen, also widmete ich ihm das Stück.

Hast du dir FITD über die Jahre eigentlich öfter angehört? Und was hältst du heute davon?
Bis vor Kurzem hatte ich das Album nie aufgelegt. Ich höre mir meine eigenes Zeug nicht an, ich arbeite immer schon an der nächsten Sache. Es passiert selten, dass ich mir alte Alben anhöre, bis so was wie jetzt kommt. Das ist das Großartige am Prozess des Remasterings. Ich gehe in die Abbey Road und muss mir die Platte anhören, denn ich muss ja das Ergebnis absegnen. Als jetzt dieses Album drankam, wusste ich zunächst nicht, ob irgendwelche guten Songs darauf sind. Aber dann realisierte ich, dass ›Distractions‹ dabei ist, und ›Put It There‹, und ich dachte: OK. Auch ›Motor Of Love‹ gefällt mir sehr. Als ich mir ›My Brave Face‹ anhörte, dachte ich: Yeah, das ist echt schön, wir haben einen guten Job gemacht, all die schönen kleinen Harmonien. ›Rough Ride‹ ließ mich an Trevor Horn denken, bei ›We Got Married‹ spielt David Gilmour Gitarre und ›Put It There‹ hat die Streicherarrangements von George Martin.

Das FITD-Reissue enthält unveröffentlichte Demos von dir und Elvis Costello. Warum hast du dich entschlossen, die Aufnahmen in das Paket aufzunehmen?
Die Demos sind red hot off the skillet, und deshalb wollten wir sie drauf haben. Das Gute an den Tracks ist, dass sie gerade frisch geschrieben waren, unmittelbarer gehts nicht, sie haben diese gewisse Spontaneität. Ich hatte sie mir Jahrzehnte nicht mehr angehört, aber als ich es tat, wusste ich: Die müssen drauf. Wir machten ein kleines Tape und schickten es an Elvis, er liebte es. Wir sagten uns, dass wir eine EP oder so etwas veröffentlichten sollten, und nun ist dieser Moment endlich gekommen.

(Quelle: Universal Music)

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