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THE FRATELLIS – Auf der Achterbahn

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fratellis, the
Sie wurden als Helden gefeiert und versanken im Nichts. Doch das neue Album der Fratellis gibt Anlass zur Hoffnung. Mit den drei Schotten geht’s wieder aufwärts.

Text und Interview: Henning Furbach

Herbst 2007. The Fratellis überrennen die UK-Charts mit kernigem Britpop-Rock wie eine Horde axtschwingender Schotten. Gleich sieben Hitsingles finden sich auf ihrem Debüt, dem weltweiten Millionenseller COSTELLO MUSIC. Herbst 2008 und schon sind sie wieder weg vom Fenster. Album zwei (HERE WE STAND) floppt gnadenlos. Gna-den-los. Es kommt, wie’s kommen muss. Streit, Trennung. Winter 2012. Vier Jahre haben Jon, Mince und Barry Fratelli in die Röhre geschaut. Kein Mensch interessierte sich für Jons Nachfolgeband Codeine Velvet Club und seine zwei Soloalben. Kleinlaut findet das Trio wieder zueinander, bucht auf der Insel kleine Konzerthallen und wird von einer enormen Nachfrage überrascht. Herbst 2013. Neu beflügelt, haben The Fratellis ein weiteres Album (WE NEED MEDI- CINE) im Kasten. Und Jon Fratelli ist wieder vorsichtig optimistisch.

„The comeback king on his way back from hell“ – eine auffällige Text- zeile, gleich zu Beginn des Albums.
Haha, du hast aber gut aufgepasst.

Waren die Jahre, in denen es keine Fratellis gab, die Hölle?
Nein, ganz so war’s nicht. Es fühlte sich an wie… der Kater nach drei, vier Jahren Achterbahnfahrt. Wir hatten uns eine ganze Menge Erfolg erarbeitet, was toll war. Aber dafür muss man einen Preis zahlen. Heute verstehe ich das. Es ist harte Arbeit, auf die ich mich jetzt wieder freue.

Du sagtest „Achterbahnfahrt“. Bei euch war es ja wirklich extrem, wie schnell die erste Platte weltweit durch die Decke ging. Wie schnell es mit der zweiten wieder abwärts ging, aber auch.
Stimmt, das war krass. Die Reaktionen hätten nicht unterschiedlicher sein können. Ich weiß heute, warum. Es gibt nicht viele Songs von der zweiten Platte, die wir gerne live spielen. Deswegen war es uns auch wichtig, fürs neue Album Stücke zu schreiben, die wir auch in zehn Jahren noch mögen werden.

Denkst du, die zweite Platte kam zu schnell nach der ersten?
Sie kam, als sie kommen musste. Aber ich glaube, dass ich nicht in der richtigen Verfassung war. Mir ging’s scheiße, verstehst du?

Zwischen dem Debüt und der zweiten Platte lag gerade mal ein Jahr.
Stimmt. Ich war besessen von der Idee, in Schwung zu bleiben. Aber es gab auch einen gewissen Druck von der Plattenfirma. Sie wollte, dass wir unser zweites Album neun Monate nach dem ersten abliefern. Wir hätten erwachsen genug sein müssen, diesem Druck zu widerstehen. Aufzumucken und zu sagen: „Das klappt so nicht!“

Musstet ihr euch erst mal wieder vertragen?
Bei uns ist es so, dass nicht immer alles ausgesprochen werden muss. Wir wissen, dass wir mies zueinander waren da musste niemand offiziell „Entschuldigung“ sagen. Es gab ein paar Sachen, die uns damals riesig erschienen, unüberwindlich. Wenn ich heute darüber nachdenke, sehe ich das anders. Es waren Kleinigkeiten, mit denen man hätte klarkommen können. Aber naja, man muss so etwas wohl erst mal durchmachen, um aus daraus lernen zu können. Wir kommen gut miteinander aus, wir haben einen ähnlichen Humor. Manch- mal ist es eben so, dass man eine Trennung braucht, um zu merken, wie sehr man sich mag.

Ich möchte auch nicht auf den schlechten Zeiten herumreiten. Ihr seid wieder zusammen, und es herrscht doch sicher wieder Aufbruchsstimmung.
Ja! Wir nehmen heute nicht mehr alles so bierernst, dafür arbeiten wir viel härter. Ich denke, wir haben damals alles für selbstverständlich gehalten. Ich hatte den Eindruck, dass ein Publikum leicht zu kriegen ist. Aber das ist nicht so! Wir haben ein irres Glück, dass die Leute gerne zu uns kommen. Wir spielen nur für sie.

IN SOLITUDE – Abkehr vom Licht

In Solitude

Gut möglich, dass dieser Name schon in wenigen Jahren wohliges Schaudern hervorrufen wird: In Solitude vereinigen auf ihrem dritten Album SISTER das Beste aus Heavy Metal, Classic Rock und okkulter Geheimniskrämerei.

Text: Björn Springorum

Das einst bestgehütete Rockgeheimnis Schwedens ist keines mehr: Was anfangs unter der Hand herumgereicht
wurde als unpathetische Antwort auf Ghost, hat sich binnen zwei Alben zu einer ernsten Macht im düster-klassischen Metal gemausert, steht seit 2011 entsprechend bei Metal Blade im Stall. Hier erscheint auch SISTER, auf dem die Schweden all den Vorschusslorbeeren gerecht werden. Das angeblich karrieredefinierende dritte Werk ist von einer unheilvollen Melodik, mit der sie sich unsterblich machen könnten. Zeitlos und griffig sind die Stücke, wollen gar keiner Epoche angehören und entfalten einen eigentümlichen Zauber. „Die Stücke griffiger zu gestalten, wie du sagst, war tatsächlich unser Anliegen“, nickt Gitarrist Henrik Palm. „Das zweite Album war aus heutiger Sicht zu überladen, hatte zu lange Stücke. Diesmal ließen wir nur unser Bauchgefühl entscheiden.“

Dass dabei so etwas wie SISTER herauskommt, erfreut die spirituellen Nordländer ungemein. Mit einer Produktion, die Henrik als „Mischung aus Black Sabbaths SABOTAGE und Rainbows RISING“ bezeichnet, zielten In Solitude auf ein schrankenloses Metal-Album ab. Dass dabei auch Freunde von Krautrock, Doom und Post Punk auf ihre Kosten kommen, liegt an der originären Aura, die die verwaschene Gitarrenarbeit in Verbindung mit Pelle Åhmans dunklem Gesang erzeugt. Der klingt auf SISTER wie der junge Garm (Ulver, Arcturus) und betet die gewohnt spirituellen Litaneien herunter. Das fängt schon beim Titel des Albums an: „Schon das Wort weckte bei uns allen tief liegende Assoziationen“, äußert sich der Sänger. „Etwas lag in diesem Wort, dem wir unbedingt folgen mussten. Uns war klar, dass es uns irgendwohin führen würde und dass wir dort etwas Besonderes finden würden.“

Was das ist? In Solitude geben sich geheimniskrämerisch. In sich gekehrt sind die neuen Stücke, persönlicher denn je und auf der Suche nach all jenen essentiellen Antworten der Menschheit. Licht und Dunkelheit, Gut und Böse, aber auch unerklärliche Geschehnisse an einem verlassenen Leuchtturm. Deutlicher werden sie nicht, als wiederkehrendes Symbol schleicht sich aber der Tod in viele Stücke. „Der Tod beherrscht alles. Die Art, wie, wann und wo er sich zeigt, übersteigt alles. Es liegt allerdings an dir, ob du dich davor fürchtest oder nicht“, so Pelles Sicht der Singe.

Die Schwester im Albumtitel, der Tod in den Details, biblische Referenzen… kein Wunder, dass In Solitude von jeher einen guten Draht zur Black-Metal-Bewegung haben. So gut, dass Watains Gitarrist Pelle Forsberg in der abschließenden Überhymne ›Inmost Nigredo‹ zu hören ist. „Irgendetwas an seiner Persönlichkeit ist verstörend unerbittlich“, erinnert sich der Namensvetter an die Zusammenarbeit. „Dieser Eindruck spiegelt sich in seinem Gitarrenspiel, das wir in der Nummer verewigen konnten.“ Ein sehr besonderer Auftritt ist auch der von Swans-Sängerin Jarboe. „Ihre Stimme ist eine der beunruhigendsten, schönsten und gruseligsten auf der ganzen Welt“, schwärmt Henrik. „Ihre stimmliche Anwesenheit allein verhilft dem Song zu einer Tiefe, die wir nie hätten erzeugen können.“ Manchmal sind es eben die Nuancen, die ein Meisterwerk ausmachen.

CRYSTAL PALACE – Meodie und Härte

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Mit ihrem Album THE SYSTEM OF EVENTS punkten Crystal Palace nicht nur bei Prog-Rock- Fans. Sänger Yenz erläutert die Bandphilosophie.

Text: Matthias Mineur

Man benötigt lediglich ein bis zwei Strophen, einen Refrain und vielleicht noch das anschließende Solo, um die historischen Vorlagen des Crystal-Palace-Sounds zu erkennen. Ohne Zweifel haben die vier Musiker Yenz (Gesang), Frank Köhler (Keyboards), Frank Brennekam (Schlagzeug) und Nils Conrad (Gitarre) ihre Lektion Genesis und Marillion, Eloy und Saga gelernt. Dass ihr aktuelles Album THE SYSTEM OF EVENTS dennoch nicht wie eine bloße Kopie wichtiger Prog-Rock-Legenden klingt, sondern durch Ideenreichtum und Eigenständigkeit überzeugt, ist die eigentliche Überraschung dieser Veröffentlichung. „Wir persönlich haben im Jam und Kompositionsprozess nicht unbedingt an diese Bands gedacht. Allerdings waren wir zum Schluss selbst überrascht und hatten mitunter das Gefühl: Das klingt ja ähnlich wie diese oder jene Scheibe“, gesteht Frontmann Yenz. „Natürlich lassen sich unsere Hörgewohnheiten nicht leugnen. Jeder ist mit seinem Idol groß geworden, das beeinflusst schon etwas.“

Dennoch unterscheiden sich Crystal Palace von den Vorbildern ihrer Jugend durch einen ganz anderen künstlerischen Ansatz. Ihre Musik habe keine bewussten progressiven Elemente, ebenso wenig wie hoch- technische Instrumentalparts, beschreibt Yenz die stilistische Marschrichtung auf THE SYSTEM OF EVENTS: „Vielleicht sind wir auf unsere Art progressiv, weil wir musikalisch keine Selbstdarsteller sein wollen. Der Song steht bei uns immer im Vordergrund. Ob unser Sound Retro oder Prog ist, soll der Hörer entscheiden, wir sehen uns eher als Art- Rock-Band. Für uns sollte zukunftsweisende Musik in erster Linie für den normalen Zuhörer sein und nicht nur für andere Musiker.“

Um dieses Ziel zu erreichen, haben sich Crystal Palace tatkräftige Hilfe von der Elite ihrer Zunft geholt: Neben Porcupine-Tree-Bassist Colin Edwin verewigen sich auf THE SYS- TEM OF EVENTS auch die beiden RPWL-Mitglieder Yogi Lang (Keyboards) und Kalle Wallner (Gitarre). Große Namen also, und in musikalischer Hinsicht natürlich ein echter Trumpf, den Crystal Palace stolz ausspielen. „Colin haben wir über Facebook kontaktiert, um ihn zu einer Zusammenarbeit zu inspirieren“ erzählt Yenz. „Er war von unseren fortgeschrittenen Ideen sehr angetan und zog mehrere Titel in Betracht. Da ›Beautiful Nigthmare‹ ein wenig an die frühen Pocupine Tree erinnert, wussten wir, dass er auf diesem Track gleich zu Hause sein würde. Yogi Lang wiederum ist durch das Mixen hauptverantwortlich für den Gesamtsound des Albums und hatte auf einige Passagen einen großartigen Einfluss, speziell bei den Keyboards. Beim Titeltrack hatte auch Kalle Wallner tolle Ideen und lieferte sich herrliche Solo-Duelle mit Nils.“

Die Zutaten sind also allesamt exquisit, die Produktion des Albums ist über jeden Zweifel erhaben und der künstlerische Anspruch der Beteiligten bei allem erkennbaren Selbstbewusstsein angenehm bescheiden: „Unser Sound ist meines Erachtens eine nicht allzu verkopfte Mischung aus Prog oder auch Art-Rock mit einem sehr melodischen Einschnitt. Wir klingen weder altbacken noch supermodern. Wir versuchen ein- fach, eine gute Mischung aus melodischer Weichheit mit einem härteren Einschlag zusammenzubringen. Uns geht es darum, gute Songs zu komponieren und stets für Gegensätze offen zu sein. Oft erwartet man nicht unbedingt Melodisches in einem Song, in dem es gerade kracht oder auch umgekehrt.“

ZODIAC – Reiten auf der Welle

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Vor nicht allzu langer Zeit fanden sich vier Musiker in Münster zusammen, um die Blues-Rock- Formation Zodiac zu gründen. Mit ihrem Debüt wurden sie von einer unerwarteten Erfolgswelle erfasst, die sie mit ihrem neuen Album A HIDING PLACE weiter reiten wollen, wie Schlagzeuger Janosch Rathner im Interview erzählt.

Text: Paul Schmitz

Interview:

Seit eurem Debütalbum A BIT OF DEVIL hat sich bei euch einiges getan. Was waren für dich die her- ausragenden Erlebnisse in den letzten eineinhalb Jahren?
Also, zunächst mal die wirklich durchweg positiven Reaktionen auf unser Debüt. Es wurde überall in der Presse gelobt und hat uns zu weltweiten Deals verholfen. Für uns war ABOD einfach der perfekte Startschuss, der uns einige Türen geöffnet hat.

Wie haben sich die Arbeiten an A HIDING PLACE zu denen an A BIT OF DEVIL unterschieden?
Wir waren dieses Mal viel fokussierter. Wir wussten von Anfang an, was wir noch verbessern konnten. Die Songs sind um einiges variantenreicher und dynamischer, wir haben uns mehr auf unsere Stärken konzentriert. Der Blues Rock ist deutlich präsenter.

Wie würdest du den Sound der neuen Platte beschreiben?
Wir haben wieder im Megaphon-Tonstudio aufgenommen und vom Ansatz her ist der Sound ähnlich, vielleicht etwas satter als beim Debüt. Uns war erneut der Mix aus Tradition und Moderne sehr wichtig. Man hat heutzutage einfach die Möglichkeiten, eine Platte viel besser klingen zu lassen als in den 60ern oder 70ern. Das nutzen wir gerne, aber trotzdem soll es natürlich und räumlich klingen.

Fühltet ihr euch nach den extrem guten Kritiken unter Druck gesetzt?
Also, wir haben natürlich daran gedacht, dass eine gewisse Erwartungshaltung vorhanden ist. Das muss man aber dann recht schnell wieder ausblenden und einfach sein Bestes geben. Mit einem gewissen Abstand bin ich immer noch fest davon überzeugt, dass die Platte locker mit dem Debüt mithalten kann.

Eure Ziele waren bei unserem letzten Interview vor 18 Monaten noch recht bescheiden. Hat sich die Zielsetzung verändert?
Eigentlich nicht. Wir wissen immer noch nicht, wohin uns die Reise führt. Es wäre schön, wenn man eines Tages sagen könnte, wir machen jetzt nur noch Musik. Es geht uns dabei überhaupt nicht um Reichtum oder so. Das wäre heutzu- tage naiv und ist auch nicht unser Anspruch. Aber wir lieben es Musik zu machen, es gefällt uns live zu spielen und Platten aufzunehmen. Mal sehen, was wir dann bei der nächsten Platte so erreicht haben. (lacht)

Bis jetzt konntet ihr Zodiac und die anderen Bands, in denen ihr alle noch spielt, gut unter einen Hut bringen. Wie wirst du das weiterhin mit Long Distance Calling schaffen? Zodiac scheint ja extrem an Bedeutung gewonnen zu haben.
Das wird schon irgendwie möglich sein. Aber natürlich hat sich Zodiac zu einer vollwertigen und auch tourenden Band entwickelt. Es wird nicht immer einfach, aber lässt sich schon vereinbaren. Mit einer guten Planung und einer toleranten Freundin bekomme ich das hin. Es wäre in beiden Fällen einfach dumm, die gegebenen Chancen nicht zu nutzen.

Welche Pläne haben Zodiac für die Zukunft?
Zunächst werden wir einige Headliner-Shows zum Release spielen und ein paar Konzerte mit Orchid und Blues Pills. Danach geht es für einen Monat in die USA als Support von Monster Magnet. Damit ist für uns alle ein Traum wahr geworden. Danach sollen weitere Headliner-Shows im Januar folgen, bevor wir im Frühjahr noch mal mit anderen Bands unterwegs sein werden. Parallel werden wir neue Songs schreiben. Also Langeweile gehört nicht zu den Plänen. (lacht)

Neuigkeiten zu: One Sentence.Supervisor

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Schweizer Schallwellengang

Vier Freunde aus Baden im Schweizer Kanton Aargau teilten sich zunächst eine Wohnung und beschlossen vor zwei Jahren, eine Band zu gründen. Mangels Proberaum wurde die WG kurzerhand umfunktioniert. Ihr lautstarker Fleiß wiederum führte dazu, dass One Sentence. Supervisor bald einen Proberaum gefunden hatten, diesen aber für einige Zeit als Wohnung nutzen mussten. „Ab diesem Zeitpunkt waren wir wohl tatsächlich eine Band“, so Sänger und Gitarrist Donat über die Anfänge von One Sentence. Supervisor.

Musikalisch sind er, Jonas, Andreas und Dominik im weiten Feld des Wave einzuordnen. Ihr ganz eigener Sound ergibt sich laut Donat aus den induviduellen Geschmäckern aller Mitglieder. „Jeder von uns bringt seine eigenen Einflüsse mit. Der eine mag Trance, der andere Post-Punk. Zusammengehalten wird das Ganze von gemeinsamen Nennern wie Pink Floyd oder Tame Impala“, meint er. Dass sie sich alle auf Pink Floyd einigen können, äußert sich besonders im Format ihres Debüts THIS HEAVY SEA, das ein astreines Konzeptalbum mit zehn elegant ineinander fließenden Liedern ist. „Die Verflechtung der Songs gibt dem Hörer die Chance, in den Mikrokosmos einzutauchen, ohne nach vier Minuten wieder herausgerissen zu werden. Es erfordert von ihm aber auch die Bereitschaft, sich darauf einzulassen“, erklärt Donat. Dass sich das in unserer playlistverseuchten Zeit negativ auf Verkaufs und Downloadzahlen auswirken könnte, ist One Sentence. Supervisor allerdings egal. „Solche Faktoren sind eher dann von Relevanz, wenn man sich zum Ziel setzt, die Charts zu erobern und finanzielle Aspekte eine Rolle spielen. Wäre mein Kopf während des Schreibens von Songs voll mit Zahlen, würden sie den Melodien im Weg stehen“, so der Künstler Donat.

Warum gerade vier alpine Eidgenossen ein Album über die Weite des Meeres schreiben, ist für Donat nicht gerade verwunderlich: „Der Titel wurde zur Inspirationsquelle, aus dem das Album erst entstand. Wahrscheinlich ist es sehr bezeichnend, dass wir in unserem engen Land vom weiten Meer singen.“

One Sentence. Supervisor sind wie jede auf- strebende Band auf Hilfe von außen angewiesen, und so haben sie den Local Supervisor erfunden: „Das ist die Möglichkeit, alternativ für unsere Konzerte zu bezahlen. Ein Local Supervisor schießt Konzertfotos, lädt uns zum Essen ein oder bietet uns einen Schlafplatz an“. Sehr bodenständig sind sie also. Doch soll das nicht heißen, dass sie nicht hoch hinaus wollen. „Mit jedem Schritt verändern sich die Ziele. Sollten wir aber jemals auf der Pyramid Stage des Glastonbury-Festivals stehen, werden wir sicher kurz innehalten, um durchzuatmen“, scherzt Donat.

Text: Paul Schmitz

Neuigkeiten zu: Mad Max

Ändere nie einen vetrauten Sound
Die Band schließt mit INTER- CEPTOR an alte Glanztaten an

1987 wurden die Münsteraner Melodic Metaller Mad Max mit ihrem Album NIGHT OF PASSION als das nächste große Ding gehandelt. Allerdings wurden sie businesstechnisch hinters Licht geführt, was dazu führte, dass die Band um den exzellenten Sänger Michael Voss (u.a. noch Casanova, Demon Drive) frustriert aufgab. 1999 begann man einen Neustart im Original Line-up. Der wurde bisher gut angenommen, und mit ihrem aktuellen Album INTERCEPTOR schließen sie nun überzeugend an alte Glanztaten an. Gitarrist Jürgen Breforth wertet dies als Beweis dafür, dass gute Musik immer funktioniert. „Unser Gitarrensound und die Stimme von Michael prägen den Mad-Max-Sound, und diese beiden Komponenten müssen immer da sein sonst sind die Fans verwirrt. Wir haben vor ein paar Jahren mal etwas anderes probiert, was sich nicht ausgezahlt hat. Also bleiben wir lieber auf vertrautem Terrain“, beginnt Breforth das Gespräch und fährt gleich fort: „Was unser Label geil findet ist die Tatsache, dass wir immer noch im Original Line up am Start sind, das damals auch NIGHT OF PASSION eingespielt hat, dass wir immer wieder neue Songs schreiben und zeigen, dass wir als Band noch lebendig sind. Das wissen auch die Fans wirklich zu schätzen. Diese Vertrautheit der Musik ist wichtig und rocken muss es natürlich. Das macht INTERCEPTOR von vorne bis hinten.“ Ihr Faible für The Sweet haben Mad Max nie aufgegeben, und so liefern sie auf INTERCEPTOR erneut eine Coverversion, die inzwischen dritte dieser großen Band aus den siebziger Jahren: ›Turn It Down‹. „Das fing damals in den Achtzigern an, Michael Voss war der totale Sweet-Fan und hat uns dann angesteckt. Wir haben uns letztendlich entschlossen, auf jedem kommenden Album eine Sweet-Coverversion zu bringen, zumindest so lange wir Songs entdecken, die nicht schon jeder gemacht hat.“ Das hat doch was.

Jürgen Tschamler

Neuigkeiten zu: Robert Dahlqvist

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„Es fällt mir nicht leicht, darüber zu reden, deshalb singe ich“

Er war nicht nur Gitarrist der legendären Hellacopters, sondern auch Kopf von Thunder Express, die später zu Dundertåget wurden und fortan nur noch auf Schwedisch sangen. Dundertåget gibt es nicht mehr, aber der schwedische Gesang begleitet ihn auch auf seinem ersten Solowerk. Robert Dahlqvist ist zurück und überrascht mit einem Album fernab des gewohnten Rock’n’Roll. Ein sehr persönliches Gespräch mit dem blonden Lockenkopf ver- schafft Klarheit über die Hintergründe.

Interview:

Was ging in dir vor, als du dein fertiges Album zum ersten Mal gehört hast?
Es fällt mir schwer diesen Moment in Worte zufassen. Ich war gleichzeitig sehr traurig und froh. Die Gefühle überkamen mich und ich musste weinen. Du musst wissen, die letzten Jahre waren für mich nicht einfach. Ich durchleb- te eine Trennung und verließ Stockholm. Ich war sehr traurig. Es fällt mir nicht leicht darüber zu reden, deshalb singe ich.

Deine Musik spricht zwar Bände, aber erzähle doch bitte mehr über die Inhalte deiner Texte.
›Ingrid Isabel‹ ist der Name meiner Tochter. Sie wird im Oktober drei Jahre alt und ist die Inspiration in meinem Leben. In ›Ej Med Flit‹ geht es um meine Freundin. Ich war manchmal sehr schlecht zu ihr. Dieser Song ist meine Art, mich zu entschuldigen. Die meisten Texte jedoch handeln von mir als schlechtem Menschen und davon, ständig betrunken zu sein. Jetzt bin ich nüchtern.

Gab es während der Aufnahmen Momente, in denen du an dir oder deinen Songs gezweifelt hast?
Die ganze Zeit. Ich bin eine sehr unsichere Person und zweifle ständig an mir.

Wer hat auf SOLO noch mitgewirkt?
Viele Freunde haben mir geholfen, meine Freundin hat sogar auf einem Song mitgesungen. Sie ist Teil der Göteborger Band Goat. Die größte Unterstützung bekam ich von Björn Olsson. Wir haben das Album in seinem Studio aufgenommen und er hat es auch produziert. Björn wurde für mich zu einem Bruder. Er war sehr gut zu mir und ist einer der tollsten Menschen, die ich in meinem Leben kennen gelernt habe.

Viele neuere Bands aus Skandinavien wie Kvelertak, Dunderbeist oder Horisont singen in ihrer Muttersprache. Wird dieser Trend auch deinem Album helfen?
Mir sind Trends egal. Ich bin ein Einzelgänger und schreibe meine Musik in erster Linie für mich selbst. In meiner Muttersprache singe ich, weil es sich für mich ehrlicher anfühlt. Außerdem bin ich mit schwedischsprachiger Musik aufgewachsen. Bands wie die Hellacopters oder Soundtrack of our Lives klingen manchmal sehr pathetisch, wenn sie auf Englisch singen. Auf mich wirkt das oft nicht echt.

Vermisst du manchmal die Hellacopters?
Ich vermisse die Jungs und mir fehlt es, mit Nicke Andersson abzuhängen, Spaß zu haben und zusammen Musik zu hören. Aber mit den Hellacopters zu spielen vermisse ich nicht. Bevor Nicke entschied, die Band aufzulösen, spielte ich bereits mit dem Gedanken auszusteigen. Dennoch war ich der Einzige der weinen musste, als die Band aufgelöst wurde. Es waren einfach tolle Jahre. Wir konnten zusammen lachen und alles war gut. Irgendwann veränderte sich alles und wir bekämpften uns. Also nein, ich vermisse die Hellacopters nicht. Heute bin ich sehr stolz auf mein Album und freue mich auf die Veröffentlichung.

Text: Ben Klein

THE WINERY DOGS – Live deutlich beeindruckender als auf Platte

TheWineryDogs_Image2

Das Debüt von The Winery Dogs klingt in seiner Gesamtheit etwas fad und wenig dynamisch. Eigentlich unverständlich, wenn man sich die Namen der beteiligten Musiker anschaut: Billy Sheehan, Mike Portnoy und Richie Kotzen, drei Männer mit einer exzellenten Reputation und bahnbrechendem Einfluss auf Heerscharen junger Musiker. Dass die Platte nicht der Maßstab für das Schaffen der Herren ist, wird an diesem Abend im halbvollen Substage deutlich. Das Publikum setzt sich, wie man während der Umbaupause unschwer aus den Fachgesprächen „erhören“ kann, aus vielen Musikern und Equipment-Junkies zusammen. Eigentlich kein Wunder, denn wann kann man schon den Basser aller Basser Billy Sheehan oder eben Über- drummer Mike Portnoy aus solch einer Nähe erleben?

Mr. Portnoy versteckt sich nicht wie zu Dream- Theater-Zeiten hinter einem Monstrum von Drumkit, sondern liefert perfekte Arbeit auf einem eher minimalistischen Set ab, das man erst mit Konzertbeginn aufdeckt. Unspektakulär, aber selbstbewusst entern sie die Bühne und beginnen den Abend mit dem Album-Opener ›Elevate‹. Mr. Sheehan brilliert mit unglaublicher Fingerakrobatik auf seinem Bass, während Gitarrist und Sänger Richie Kotzen eher ein Schattendasein führt. Sein Gesang ist ziemlich eindimensional, eine wirklich gute Stimme ist das nicht, aber sie hat Charme. Seine guten Momente hat er eher bei den bluesigen, ruhigen Stücken. Sein Gitarrenspiel ist geprägt von wenigen, aber umso überzeugenderen Soloeinlagen. Hier merkt man deutlich, dass Kotzen aus der härteren Riffecke kommt, denn genau diese Passagen funktionieren am besten.

Dass jeder der Herren sein Solo bekommt, ist klar. Portnoy, mit einem Dauergrinsen im Gesicht, liefert eine kurze, aber souveräne Vorstellung seines Könnens, was in letzter Konsequenz aber erkennen lässt, dass er vom spielerischen Anspruch der Combo unterfordert ist. Kotzens Solo gerät knackig und ebenfalls sehr kurz, Sheehan ist der Gewinner des Abends. Was dieser Mann am Bass abspult, muss man gesehen haben! Gigantisch.

Dass The Winery Dogs ihr komplettes Debüt runterzocken, ist wenig überraschend bei diesem knapp 95-minütigen Auftritt. Kotzen erfreut jedoch bei einer Akustikeinlage noch mit dem Anspielen des Poison-Hits ›Stand‹ (den er 1991 mitschrieb), der fließend übergeht in eine Eigenkomposition namens ›You Can’t Save Me‹. Abgerundet wird der Abend mit einer Coverversion von Elvin Bishop (›Fooled Around And Fell In Love‹) und dem Powergroover ›Desire‹. Fazit: Live ist dieses Trio unschlagbar.

Text:
Jürgen Tschamler