Nick Waterhouse: München, Technikum (12.11.2019)

Nick Waterhouse live München Kritik

Was hat er an? Ja, mag irgendwie komisch klingen, aber heute ist das die erste Frage. Denn ganz klar, der Style ist integraler Teil der Inszenierung des Nick Waterhouse. Und er enttäuscht hier schon mal nicht. Graubrauner Anzug, dunkelgrünes Hemd, dunkelblaue Krawatte. Die weißbraune Fender-Gitarre annähernd auf Brusthöhe. Schaut schick aus. Mit Waterhouse auf der Bühne: Ein Keyboarder, zwei Saxofonisten, ein Schlagzeuger, eine Bassistin und eine Hintergrundsängerin. Und was gleich auffällt und so ganz anders ist als bei so vielen anderen Konzerten: Die Stimme ist ganz nach vorne gemischt. Was großartig ist. Genauso die Gitarre. Hier spielt keine Band, sondern ein Solokünstler mit Band.

Der schneidende, elegante Gesang von Waterhouse, sein auf den Punkt sitzendes Gitarrenspiel mit gnadenlosem 50s-Twang sind der Star. Was nicht heißen soll, dass seine Begleitmusiker nicht gut wären, überhaupt nicht. Wenn er sie vorstellt, sagt Waterhouse, ganz Showman, Sachen wie „the most interesting man I have ever known“. Jeder (außer der Bassistin, glaube ich) darf Solos hinlegen, Waterhouse geht dann bewundern in die Knie, spielt im Knien, im Sitzen. Es ist großartig anzuschaun. Man hat sich eine perfekt arrangierte Retro-Show erwartet, das hier ist mehr.

Der 33-jährige Musiker aus Los Angeles hat vier Alben veröffentlicht, er spielt Songs von allen. ›Dead Room‹ bleibt hängen, ›Katchi‹, logisch, ›LA Turnaround‹, ›By Heart‹ oder ›I Feel An Urge Coming On‹. Es gibt viele Gruppen, die es sich im Sound der 50er und 60er gemütlich gemacht haben, Waterhouse hat eine davon auf seinem Label, die Allah Las, aber so gut wie er selbst kanns sonst keiner. Das wird heute klarer denn je. Sicher, er baut auf vergangener Musik auf, er erfindet sich nicht neu und es wird sich zeigen, ob ihm die eigenen Genregrenzen mal zu eng werden, aber die Mischung aus Balladen und Rockern, das Gefühl fürs Timing, ja, auch die Songs an sich, das ist alles so perfekt, dass mans nicht besser machen könnte. Als er dann von der Bühne ist, schallt, stilecht, ›Here Comes The Night‹ von Van Morrison aus den Boxen.

Text: David Numberger

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