The Horrible Crowes

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The Horrible Crowes

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The Horrible Crowes1Danny Clinch_20110628_171801Als ich alleine meines Weges ging, hörte ich zwei Krähen jammern. Die eine sagte zur anderen: ‚Wo sollen wir heute zu Abend essen?‘ ‚Dort hinter dieser alten Torfmauer müsste ein frisch niedergestreckter Ritter liegen – wie wär‘s damit?‘“ So beginnt – frei übersetzt – das schottische Gedicht „The Twa Corbies“, wonach Brian Fallon und Ian Perkins ihre Band benannt haben. The Horribles Crowes – das passt perfekt auf das Fe­der­vieh, das sich im weiteren Verlauf der Verse ausmalt, wie es sich am toten Edelmann labt. Fallon, hauptberuflich Frontmann bei den Punkrockern The Gaslight Anthem, und Perkins, Fallons ehemaliger Gitarrentechniker, waren fasziniert von den beiden Raben – und davon, dass jeder Mensch eine dunkle Seite hat. Diese stellen sie nun zur Schau: im Rahmen von The Horrible Crowes.

Auf die Idee, zusammen Musik zu machen, kamen die beiden beim Abhängen nach Auftritten von The Gaslight Anthem. „Wir trinken beide keinen Alkohol und nehmen keine Drogen“, erzählt Fallon. „Wir haben auch kein After-Show-Ritual. Ich bin einfach müde nach einem Konzert und will keine Hände schütteln oder mit anderen Bands die Nacht durchsaufen. Das war nie mein Ding.“ Stattdessen verziehen sich Brian und Ian in den Tourbus und spielen sich gegenseitig ihre derzeitigen Lieblingsalben vor. Darunter z.B. Platten von PJ Harvey, Nick Cave, Tom Waits, The National und den Afghan Whigs – allesamt Bands bzw. Künstler, die „wirklich traurige und dunkle Soul-Musik machen“.

Fallon und Perkins tauchten so sehr in diesen Sound ein, dass sie irgendwann beschlossen, selbst solche Songs zu schreiben. Einfach so, ohne irgendwelche Hintergedanken oder einen Plan, daraus eine neue Band werden zu lassen. Als sie nach zwei Wochen bereits sechs Lieder komponiert hatten, war es Zeit, innezuhalten. „Da dachte ich mir: ‚Hmm, vielleicht sollte ich das gegenüber den Jungs mal erwähnen.‘ Sie mochten es, fanden aber, es traf nicht ganz den Vibe von The Gaslight Anthem. Wir haben in der Tat etwas sehr Besonderes mit Gaslight aufgebaut, und an diesem Sound wollen wir nicht zu sehr herumpfuschen.“

Dennoch hatte Fallons Hauptband nichts dagegen, dass sich ihr Sänger und Gitarrist ein bisschen austoben und seine anderen Songs mit Perkins aufnehmen wollte. „Es war schon immer mein Wunsch, ein Album zu machen, auf das ich Streicher-, Orgel-, Klavier-Parts oder was auch immer packen kann“, berichtet der 31-Jährige von seinen Träumen, die er nun verwirklicht hat.

Wild durcheinander geht es bei den Horrible Crowes – auf dem Debüt ELSIE stehen Harmonien im Stile der Girl-Groups aus den Sixties neben digitalen Beats, einer bodenständigen Instrumentierung und Fallons Vocals, mit denen er auch schon mal seine Stimmbänder strapaziert. Er selbst findet: „Radikal ist ein gutes Wort, um die Platte zu beschreiben. Die Horrible Crowes sind definitiv eigen, wir setzen schon auf Songstrukturen. Doch solche Musik hat wohl niemand von mir erwartet. Entweder man wird schwanger, wenn man sich die Platte anhört – oder man will ein Auto klauen.“

Passend zu dieser abgründigen Soul-Musik hat Fallon in den Texten sein Herzeleid aus drei gescheiterten Beziehungen in seiner Teenagerzeit verarbeitet. Diesen Schmerz hat der Punk‘n‘Roller bis vor Kurzem noch mit sich herumgetragen. „Während dieser Beziehungen dachte ich stets, ich würde den Rest meines Lebens mit dieser Person verbringen – doch dann sind sie immer abgehauen.“ Überwunden hat der aus New Jersey stammende Musiker sein Trauma bei einer intensiven Session mit seiner derzeitigen Frau: „Ich habe ihr diese Songs vorgespielt, und dabei ist meine Vergangenheit hochgekommen. Es war eine kathartische Erfahrung.“

Nachhören kann man den Seelen-Striptease auf ELSIE. Jetzt, da die Scheibe erschienen ist, ist Fallon aber schon wieder voll auf The Gaslight Anthem eingestellt. „Wir schreiben seit einigen Monaten an Material, das wir hoffentlich zum Jahresende aufnehmen werden. Unsere nächste Platte ist ziemlich wichtig, sie muss reinhauen. Im Gegensatz zu unserem aktuellen Album AMERICAN SLANG wird sie wohl wieder aufregender. Ich will einfach wieder spaßigen Rock‘n‘Roll spielen!“ Womit wir überhaupt kein Problem haben…

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