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    Motörhead: Fünf vor Zwölf

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    Motörhead: Fünf vor Zwölf

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    lemmyAls Motörhead an zwei aufeinanderfolgenden Abenden im November 2015 im Hexenkessel des Münchener Zenith gastieren, weiß noch niemand, wie schlecht es um Lemmy Kilmister steht. Wenige Wochen später hat der Rock’n’Roll seine größte Ikone verloren. Zufall oder Vorahnung – an beiden Abenden war ein großes Kamerateam vor Ort, um eines der letzten Motörhead-Konzerte auf Live-DVD und Live-CD festzuhalten. Vier Monate nach dem Tod des Frontmanns spricht Mikkey Dee, 25 Jahre lang Schlagzeuger der Band, über das Konzert, Lemmys letzte Tage und das Vermächtnis einer echten Legende.

    Wie schwer fällt es dir so kurz nach seinem Tod, über Lemmy zu sprechen?
    Nun, natürlich fehlt er mir sehr, es gibt eine große Lücke in meinem Leben. Ich habe allerdings absolut kein Problem damit, über ihn zu sprechen. Wenn ich heute an Lemmy denke, denke ich an einen Mann, der 70 Jahre lang ein perfektes Leben geführt hat. Er sagte uns oft, dass wir nach seinem Tod nicht in unsere Drinks weinen, sondern ihn gefälligst feiern sollen. Ich freue mich für ihn, dass es ihm erspart blieb, noch zehn Jahre als alter Mann in einem Bett vor sich hin zu ve­­getieren. Das wäre nichts für ihn gewesen. Er starb im Kreise seiner kleinen Familie und war sehr zufrieden mit allem, was er erreicht hat. Ich meine, er sagte mir schon vor 20 Jahren: „Wenn ich morgen sterbe, Mikkey, dann sterbe ich als glücklicher Mann.“ Ich bin traurig, dass er nicht mehr an unserer Seite ist, aber ich trauere nicht um ihn.

    Hast du mittlerweile begriffen, dass es Motörhead nicht mehr gibt?
    Ich stecke noch mittendrin, um ehrlich zu sein. Nachdem Lemmys Gesundheitsprobleme anfingen, ging es mit Motörhead konstant auf und ab. Da dachten wir natürlich schon mehr als einmal daran, dass es mit der Band bald vorbei sein könnte. Seit vielen Jahren schworen wir uns, dass wir sofort alles stehen und liegen lassen würden, wenn wir auf der Bühne nur noch Mist abliefern. Wir würden niemals eine dieser Bands werden, die sich Stück für Stück selbst demontieren. Wenn es Zeit ist aufzuhören, ist es Zeit, aufzuhören.

    Aber weiß man das immer so genau?
    Nicht zwangsläufig, doch als es Lemmy zu­­­­nehmend schlechter ging, waren wir alle auf der Hut, denke ich. Phil und ich hätten ihn bestimmt niemals dazu ge­zwungen, eine Show zu spielen und immer unterwegs zu sein. Seine Ge­­­­sund­­heit ging immer vor, aber wir wissen ja alle, wie er war: ein unbelehrbarer Dickkopf.


    „Er war ein Wikinger, ein Krieger, allzeit bereit.“

    Wie hast du die letzten Auftritte mit Lemmy erlebt?
    Auf der letzten Tour musste er mehr und mehr kämpfen, um weiterzumachen. Was mich Abend für Abend auf der Bühne erstaunte, war, wie gut Lemmy spielte und wie sehr ihn die Musik am Leben hielt. Aber ich sah ihn eben auch vor und nach den Shows und musste feststellen, dass es so nicht weitergehen konnte. Er war sehr dünn geworden, aß nur noch sehr wenig, schlief viel. Natürlich hatte ich damals noch keine konkrete Angst um sein Leben, aber ich merkte doch, dass es ihm immer schwerer fiel, alles für eine gute Show zu geben. Es fühlte sich einfach nicht richtig an, ihn jeden Abend auf die Bretter zu schicken. Aber natürlich war es seine Entscheidung, er wollte ja spielen. Er sprach ständig von der nächsten Tour, von der übernächsten… er hätte niemals freiwillig aufgehört.

    Und er sprach wirklich nie davon, dass er mal zu entkräftet, zu kaputt für eine Show gewesen wäre?
    Nein, niemals! Er war ein Wikinger, ein Krieger, allzeit bereit. Manchmal war ich es, der Bedenken äußerte und sich nicht sicher war, ob es so eine gute Idee wäre, heute eine Show zu spielen. Er sagte darauf immer nur: „Fuck that shit, we’ll be fine.“

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