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Motörhead: Das faustdicke Ende einer Ära

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Motörhead: Das faustdicke Ende einer Ära

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Motörhead waren fast sieben Jahre zusammen, als sie ins Studio gingen, um IRON FIST aufzunehmen. „Wir konnten einander da schon nicht mehr riechen“, sagte Phil. „Aber das war eigentlich nichts Neues. Lemmy war schon immer ein Arschloch gewesen. Eddie hatte schon immer unglaublich genervt.“ Lemmy behauptete später, dass Eddie ihm in jener Zeit „eines meiner Mädels ausgespannt“ hätte. Darauf angesprochen, schüttelte Eddie nur den Kopf und lachte. Smith sagte: „Lemmy hatte keine richtigen Beziehungen. Mädchen waren einfach etwas, das Lemmy bumste. Mit Liebe hatte das nichts zu tun.“
Als Eddie ein Angebot annahm, ein neues Power Trio namens Tank zu produzieren, das auf einer Tour die Vorgruppe von Motörhead gewesen war, begann Lemmy, ihn „fancy bollocks“ zu nennen. Eine Situation, die noch angespannter wurde, als Taylor vorschlug, Fancy Bollocks solle auch die nächste Motörhead-Platte produzieren.


Ursprünglich war geplant gewesen, mit Vic Maile zusammenzuarbeiten, dem Mann mit dem goldenen Händchen, der auch NO SLEEP, ACE OF SPADES und BOMBER betreut hatte. Doch Taylor und Maile hatten einen großen Streit über ein neues Schlagzeug, der darin gipfelte, dass Ersterer das ultimative Rockstar-Ultimatum verkündete: „Entweder geht er oder ich.“ Der Star bekam seinen Willen und Maile wurde gefeuert.


Taylor schlug erneut vor, dass Clarke übernehmen sollte. Er hatte hervorragende Arbeit bei FILTH HOUNDS OF HADES, dem Album von Tank, geleistet, das gerade erschienen war und euphorische Kritiken bekommen hatte. Doch Lemmy stellte sich quer. Andere bekannte Produzenten wurden angefragt, aber sie wollten alle dicke Schecks von einer Band, deren letztes Album auf Platz eins eingestiegen war (die aber immer noch 250 Pfund pro Nase und Woche verdiente).
Lemmy gab schließlich klein bei: „Dann lasst es eben Fancy Bollocks produzieren.“ Hastig wurden Sessions in den Morgan Studios in West-London gebucht, doch Lemmy zeigte sich nur wenig motiviert.
Eddie: „Ich kann mich an eine Situation erinnern. Er hatte eine falsche Note gespielt und ich sagte: ‚Sieh mal, Lem, können wir das vielleicht korrigieren?‘ Und er entgegnete: ,Mann, ich habe keine Zeit, ich muss los.‘ Denn da saß irgendein Mädel mit den Beinen in der Luft und er wollte ins Speakeasy gehen.“ Clarke hatte keine Wahl, als zu versuchen, eine Bassnote hineinzuschneiden, die er selbst gespielt hatte – in jenen prädigitalen Zeiten noch mittels Tonbandschnitten.


„So wenig lag ihm daran, im Studio zu sein.“ Smith erinnert sich, wie Lemmy den Text zum Titelstück schrieb, während er im Esszimmer des Studios saß: „Da war ein Mädchen hinter der Theke, ich hatte sie nie zuvor gesehen, und er wandte sich an sie. Er schrieb diese Textpassagen und fragte sie: ‚Wie findest du das?‘ Und sie lächelte einfach und sagte: ‚Yeah, sehr gut.‘ Ein anderes Mal saß er auf dem Klo und schrieb seine Texte beim Scheißen.“


20 Jahre später gab Lemmy zu: „IRON FIST war schlecht, schlechter als alles, was wir je gemacht haben. Da gibt es mindestens drei Songs, die absolut unfertig waren. Aber so ist es nun mal. Wir waren arrogant. Wenn man Erfolg hat, wird man nun mal so. Man glaubt, dass es immer so weitergehen wird.“
Als IRON FIST im April 1982 veröffentlicht wurde, stieg es auf Platz sechs der britischen Charts ein – und stürzte nach einer Woche wieder ab. Selbst die Single – das Titelstück und der einzige halbwegs brauchbare Song auf der Platte – schaffte es gerade so in die Top 30 (höchste Position: 29), während ihre vorige Single, die Voll-auf-die-Fresse-Liveversion von ›Motörhead‹ auf NO SLEEP, noch Platz sechs erreicht hatte. IRON FIST war einfach von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Kreativ hatte die Band keine Ideen mehr. Das Titelstück baute auf demselben stoischen Maschinengewehr-Bassgrollen auf wie ›Ace Of Spades‹, ›Overkill‹ und so viele weitere frühere Klassiker, und lebte einzig von seiner Vertrautheit. Ob man es je wieder hören würde oder nicht, war aber unerheblich.


Die anderen zehn Stücke dagegen … es gibt nichts weiter darüber zu sagen, Euer Ehren. Songs wie ›I’m The Doctor‹ – unerträglicher Papa-tanzt-Pogo-Punk – oder ›(Don’t Let ’Em) Grind You Down‹, dessen großes Statement „Why don’t you tell them to shove it!“ nicht mal im selben Gebäude ist wie „I don’t want to live forever!“, waren so seicht, dass man sich kaum die Füße nass machte. Mindestens drei der Songs basieren auf demselben, unveränderten Badass-Bassriff. Am besten funktioniert das noch bei ›Speedfreak‹ (das zuvor unzählige Male mit ›White Line Fever‹, ›Motörhead‹ und anderen besser gemacht worden war), aber auch nur, weil der Rest so grauenhaft ist. Dieselben Kritiker, die Motörhead zwei Jahre lang gefeiert hatten, verrissen IRON FIST nun gnadenlos, doch die Tour zur Platte war trotzdem ausverkauft – 24 Konzerte, darunter drei Abende in der City Hall in Newcastle, drei in Birmingham und die besagten vier Shows im Hammersmith Odeon.

Backstage herrschte jedoch nicht mehr jene Atmosphäre aus exaltiertem Spaß und Exzess. Der Exzess war bei den Terminen in Newcastle und London zwar immer noch unübersehbar, doch der Spaß, die dreckigen Witze und der brüderliche Bullshit waren verschwunden. „Lemmy war ein so fantastischer Frontmann“, seufzte Clarke. „Eine meiner liebsten Erinnerungen ist daran, wie er sich in diesem schwarzen Seidenhemd, das er immer trug, die Eier abschwitzte. Wenn ich daran denke, kommen mir die Tränen. Wir waren am Gipfel unseres Ruhms, und dann schmierten wir wieder ab.“ Lemmy war nun Stammgast in den Klatschkolumnen, so vertraut wie Phil Lynott oder Ronnie Wood. Als er überraschend mit seinen neuen besten Freundinnen, den Nolan Sisters, als Gaststars der Single ›Don’t Do That‹ der Young & Moody Band bei „Top Of The Pops“ auftauchte, grinsten alle wissend beim Anblick von ihm in seiner weißen Kellnerjacke und verspiegelten Sonnenbrille. Lemmy sah gefährlich aus … und süß.


Die Regenbogenpresse liebte ihn. The Sun zeigte Bilder von Lemmy, wie er die 16-jährige Coleen Nolan knuddelte. Es ging das Gerücht um, dass er sein Bestes tat, um die jüngste, hübscheste Nolan-Schwester zu verderben – was sie Jahre später freudig bestätigte: „Als ich jünger war, stand Lemmy von Motörhead auf meine Brüste. Ich wies ihn ab, in erster Linie, weil ich wusste, dass ich ihn niemals zu meiner Mutter nach Hause mitbringen könnte. Aber er war wirklich lieb.“

Phil Taylor tat so, als würde er einen Dreck auf solchen Klamauk geben, während er sich insgeheim fragte, warum er nicht zu der Party eingeladen worden war. Clarke hingegen brodelte still und leise vor Wut. Als Lemmy verkündete, Motörhead würden sich für eine dreckige Coverversion des Tammy Wynette-Klassikers ›Stand By Your Man‹ mit Plasmatics-Sängerin Wendy O. Williams zusammentun, brannte bei Clarke schließlich die Sicherung durch.


Lemmy sah es so: Die ST. VALENTINE’S DAY MASSACRE EP, die sie im Jahr zuvor unter dem Namen Headgirl mit Girlschool gemacht hatten, war zu ihrem bis dato meistverkauften Hit avanciert – vielleicht würde dies ja ähnlich funktionieren. Clarke war jedoch entsetzt: „Ich fand es absolut beschissen! Die Idee war aufgekommen, nachdem Lemmy in den Musikzeitschriften mit Wendy im Marquee gezeigt worden war. Alle sagten: ‚Wow, jawohl!‘ Außer mir.“ Miesmacher. Typisch Clarke. Der ewige Nörgler. Er wird schon die Klappe halten. Nur tat er das diesmal nicht. Der Streit hielt immer noch an, nachdem sie für den Start ihrer Nordamerikatournee im Mai 1982 nach Toronto geflogen waren. Lemmy fand: „Ich wollte nicht als Heavy Metal betrachtet werden. Für mich haben Motörhead mehr mit Punk gemeinsam.“ Doch Clarke hasste die Idee. Und dafür hasste Lemmy wiederum Clarke. Am Ende einigten sie sich auf einen Kompromiss – und machten den Track mit Wendy. Clarke hielt es nicht mal bis zum Ende der ersten Session aus.


„Das Problem“, wie er später sagte, „ist, dass wenn man ein gewisses Niveau des Ruhms erreicht hat, dieser Rahmen dann dein Denken beeinflusst. Das Schöne daran, wenn man nichts hat, ist, dass man nicht nachdenkt. Du packst es einfach an und machst dein Ding. Ich teilte ihnen mit, dass ich die Band nun verlassen müsse. Und sie sagten: ‚Okay‘.“ Natürlich gibt es noch einen ausgedehnten Epilog zu dieser Geschichte. Einen, der Lemmy, „Fast“ Eddie Clarke und Phil „Philthy Animal“ Taylor bis ins Grab verfolgen sollte. Doch IRON FIST markierte das Ende der Goldenen Ära der Band. Sie hatte nur drei Jahre angehalten. Motörhead – drei Silben. Mo-tör-head. Drei Amigos: Lem, Phil und Ed. Drei der besten Rockalben aller Zeiten. IRON FIST war nur eben keines von ihnen.

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