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Mark Lanegan: Stuttgart, Universum (18.08.15)

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Mark Lanegan: Stuttgart, Universum (18.08.15)

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marklaneganband_bluesfuneralgeneralusagephoto2Stimme aus der Unterwelt.

Wenn Mark Lanegan den Mund aufwacht, passiert etwas Unbeschreibliches. Ein Grollen dringt daraus hervor, eine dunkle, belegte Stimme, die selbst den fertigsten Blues-Crooner alt aussehen lässt. In Sachen Stimme eher Tom Waits als Nick Cave, in Sachen Musik eher Nick Cave auf einem Americana-Trip – der ehemalige Frontmann der Grunge-Legende The Screaming Trees hat seinen Namen als Solokünstler längst in Stein gemeißelt. Noch immer geht er mit seiner Band auf Tournee, um seine Ge­­schichten zu erzählen, ein Singer/Songwriter der morbiden Sorte, der auf PHANTOM RADIO zuletzt beinahe versöhnliche Töne anschlug.
400 Fans pilgern ins ausverkaufte Universum, um sich von dieser finsteren Prophetenstimme in den, je nach Schaffensphase, nächsten Traum oder Albtraum wiegen zu lassen. Mit ›Harvest Home‹, jener Blues-Fassung eines Grunge-Blueprints, beginnt es kantig und rockig, die Keyboards der englischen Wave-Ära werden an diesem Abend noch öfter zu hören sein. Seine Band spielt reduziert, aber dennoch wuchtig und verzerrt auf den Punkt, da wird selbst eine auf dem Album entspannt-elektronische Nummer wie ›No Bells On Sunday‹ zum morbiden Totentanz.
BLUES FUNERAL hat Lanegan mal ein Album genannt, wie gut das zu seiner Musik passt, zeigt ›Gray Goes Black‹ von besagtem Werk: Monoton und hypnotisch ist es, durchgehend derselbe Takt, dazu Post-Punk-Gitarren und diese kolossale Reibeisenstimme. Ja, einer wie Lanegan weiß zweifellos, wie man eine beschwörende Atmosphäre erschafft. Dann kommt ›Hit The City‹, dieser Drogenrausch in Songform, frenetisch bejubelt von einem offensichtlich glückseligen Publikum. So ist das eben bei Musikern, denen man nicht zugetraut hätte, die 30 zu knacken.
Heute ist er 50, in guter Verfassung und nicht unerfreut über die Anteilnahme. So genau kann man das bei einem wie ihm allerdings nie sagen. Das Stuttgarter Publikum hängt 90 Minuten lang gebannt an seinen Lippen, wiegt sich, tanzt, versinkt in den Songs. In dieser gewollten Monotonie fallen Stücke wie ›Floor Of The Ocean‹ vom aktuellen Album allerdings merklich ab. Zu viel sphärisches Electro-Geblubber, zu wenig Substanz. Das wiegt sein gern gespieltes Joy-Division-Cover von ›Atmosphere‹ in der Zugabe locker wieder auf. Wirklich beeindruckend.

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