Lebenslinien: Ronnie Wood

Axl Rose und Slash

Auf der BRIDGES TO BABYLON-Tour spielten wir einige gemeinsame Shows mit Guns N’Roses. Dabei lernte ich die beiden kennen. Sie waren sympathische Kerle, die sich aber extrem mit Drogen zuballerten. Allen war klar, dass das auf lange Sicht nicht gutgehen würde. Axl hat mich bei den Partys des Öfteren zur Seite genommen und mich gebeten, ihm Tipps zu geben – er hatte nämlich Beziehungsprobleme. Ich riet ihm nur: „Als Erstes musst du mal ein paar Dinge gerade rücken und dein Leben auf die Reihe kriegen, dann kannst du dich um alles andere kümmern.“

Lustig, dass gerade ich das zu ihm sagte – mir ging es zum damaligen Zeitpunkt keinen Deut besser als ihm, ich war ebenfalls voll drauf. Bei Slash lagen die Dinge anders. Er verhielt sich immer gleich, egal ob er dicht war oder nüchtern. Ich zumindest konnte keinen Unterschied erkennen. Heute wirkt er noch aufgeräumter, klarer im Kopf als früher. Aber schon damals, zu den harten Zeiten, war er ein vollendeter Gentleman, der sich immer korrekt zu allen verhielt.

KEITH RICHARDS

Wenn er nicht irgendetwas planen kann, das mit den Stones zu tun hat, ist Keith todunglücklich. Genau wie Charlie. Und Mick. Und ich. Schwierig wird es nur, wenn wir alle zur gleichen Zeit an einem Strang ziehen sollen. Das zu koordinieren, ist wahrlich keine einfache Aufgabe. Wir werden um Weihnachten herum ein Band-Meeting abhalten und entscheiden, was wir als Nächstes angehen wollen. Ein Studioalbum vielleicht? Kann auch sein, dass wir erst einmal auf Tour gehen. Eventuell machen wir auch beides. Mal sehen. Es kommt natürlich auch darauf an, in welcher Verfassung wir sind. Mir geht es im Moment blendend – ich fühle mich besser denn je. Den anderen geht es auch gut, Mick ist ja immer in Topform, und Keith sieht auch super aus.

Ich erinnere mich noch gut daran, als ich ihn das erste Mal zu mir nach Hause mitnahm. Damals lebte ich noch bei meinen Eltern. Wir gingen aus und kamen erst spät in der Nacht zurück. Keith war total high, daher schaffte er es gerade so auf die Couch im Wohnzimmer, dort blieb er völlig fertig liegen. Morgens um 7 Uhr stand mein Vater auf, ging hinunter und zog die Vorhänge im Erdgeschoss auf. Keith wachte auf und krakelte herum: „Verpiss dich!“ Da wurde es meinem Dad zu bunt. Er packte Keith, zog ihn hoch und warf ihn mit den Worten „Niemand flucht in meinem Haus!“ auf die Straße hinaus. Seitdem hatte Mr. Richards einen Heidenrespekt vor meinem Vater…

BOB DYLAN

Bob Dylan 2008Mit Bob zu arbeiten fällt vielen Leuten schwer. Mir nicht. Das liegt daran, dass ich weiß, wie er denkt. Er geht nie den direkten Weg, sondern macht ständig irgendwelche Schlenker, biegt an den unmöglichsten Momenten mental einfach ab. Das Einfachste ist es daher, ihn machen zu lassen und locker hinterherzuschlappen. Am Ende kommt er dann schon ans Ziel – nur dass er dabei ein paar Umwege geht. Oft unterscheidet sich die Ausgangsidee völlig von dem Song, der am Ende auf dem Album landet. Das wird besonders deutlich, wenn man Dylan live sieht. Da fragt man sich dann: „War das gerade ›Blowing In The Wind‹ oder doch ›All Along The Watchtower‹?“


JOHN BELUSHI

Er versuchte häufig, mit meiner Ex-Frau Jo anzubandeln. Mit Vorliebe dann, wenn ich schon eingeschlafen war. Doch manchmal wachte ich plötzlich wieder auf und hörte ihn turteln. Dann sagte ich zu ihm: „John, wenn du nicht so fett und hässlich wärst, hättest du vielleicht sogar eine Chance, so aber nicht.“ Wie alle Comedy-Stars war er eine ziemlich armselige, mitleiderregende Gestalt. Und er vertrug nichts.

Dan Aykroyd lud ihn daher oft bei mir zu Hause ab, wenn er in Hollywood zu tun hatte. Er meinte nur: „Ich weiß, dass ihm hier nichts passiert. So kann ich wenigstens in Ruhe arbeiten.“ Das einzige Mal, an dem er nicht bei mir abstieg, war in der Nacht, in der er starb. John hatte sich im „Chateau Marmont“ eingebucht (ein Luxushotel in West Hollywood, Anm.d.Red.). Er wollte um jeden Preis ein Rockstar sein.

KEITH MOON

Er war einfach nicht zu stoppen. Von ihm bekam ich mein erstes Mandrax (synthetische Droge, sollte als starkes Schlafmittel eingesetzt werden – Anm. d.Red.), das damals gerade frisch auf den Markt gekommen war. Das Zeug haute ziemlich derbe rein. Keith gab mir zwei, aber ich nahm nur eine – so gut kannte ich ihn schon. Doch es half nichts, es haute mich total um. Wir feierten im „Speakeasy“ mit meiner damaligen Frau Chrissie und meinem Manager Billy Gaff. Ich fuhr mit meinem Jaguar XK150 vor und parkte direkt vor der Tür. Als wir aus dem Club torkelten, ging es mir schon beschissen. Ich raste mit dem Auto quer durch die Stadt, vorbei an Marble Arch und dem Hyde Park – zum Glück ist nichts passiert.

Schließlich stellte ich die Karre so beschissen ab, dass links und rechts kein Platz zum Aussteigen war. Also mussten wir alle durchs Dachfenster rausklettern. Was danach passierte? Keinen blassen Schimmer. So war Moony – er brachte mich immer wieder dazu, die krassesten Sachen auszuprobieren. Das Resultat am nächsten Tag: Mir ging es hundeelend. Doch meine Mutter liebte ihn. Das lag daran, dass er immer in Jackett und mit Krawatte bei uns zu Hause erschien, meiner Mum einen Brandy eingoss und sich mit ihr unterhielt. Sie sagte dann stets: „Was ist dieser Keith Moon doch nur für ein wohlerzogener junger Mann.“

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