Konzertkritik: Angel Olsen in München (29.01.2020)

-

Konzertkritik: Angel Olsen in München (29.01.2020)

Cowgirl-Filmdiva-Superheldin

Angel Olsen hat in die Münchner Kammerspiele geladen. Schön gemütlich also, alte Theaterkulisse, Sitzplätze, hinter der Bühne ein Samtvorhang, auf den in Schwarzweiß die Treppe einer alten Villa projiziert ist, leicht verfallen schon. Wie aus einem Film Noir. Und das passt natürlich perfekt, denn so klingt auch Olsens Musik. Americana-Noir könnte mans vielleicht nennen. Zumindest an diesem Abend.

Neben Olsen sind sechs Musiker auf der Bühne, vier Frauen, zwei Männer, alle komplett in schwarz. Ein bisschen auch wie bei einem Konzert von Soap & Skin. Olsen selbst schaut aus wie eine Mischung aus Cowgirl, 40er-Jahre-Filmdiva und Superheldin. Gepolsterte Schultern, Turmfrisur und lange Fransen am Kleid. Immer wieder schnallt sie sich ihre Gitarre um, und das ist auch eine Erkenntnis: Live klingen ihre Songs härter als auf Platte. Weniger Pop, wuchtiges Schlagzeug, laute Gitarren, hinterlegt mit Synthesizern, dazu Kontrabass und Geige. Manchmal, wenns etwas ruhiger ist, meint man Fleetwood Mac herauszuhören, wenns lauter ist dann fast Neil Young, dazwischen ›Wicked Game‹ von Chris Isaak und düsteren Alternative-Country.

Was sie spielt? Viel vom neuesten Album ALL MIRRORS, den Titelsong gleich am Anfang, aber auch ›Pops‹ und ›Sister‹ von MY WOMAN, und, klar, den Hit ›Shut Up Kiss Me‹. ›Woman‹ gibt sie ganz allein am Klavier, Adele lässt grüßen, zu ›Chance‹ kommen alle nochmal raus. Und ein paar Witze gibts zwischendurch auch. Als Olsen mal sehr lang braucht, um ihre Gitarre zu stimmen, spielt die Band Enyas ›Only Time‹. Cooles Konzert!

Text: David Numberger

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Das Neueste

In Memoriam: Alan Lancaster (07.02.1949–26.09.2021)

Alan Lancaster war Mitbegründer und langjähriger Bassist von Status Quo, bevor er die Band 1985 nach einem letzten gemeinsamen...

The Rolling Stones: Videos zu ›Have You Seen Your Mother‹

1966 machten die Rolling Stones zwei Promo-Videos, um ihre Single ›Have You Seen Your Mother, Baby, Standing in the...

Whiskey Myers: Aufgewacht

Klangen die bisherigen fünf Studioplatten von Whiskey Myers aus dem kleinen texanischen Ort Palestine eher wenig erfrischend und auch...

Video der Woche: Led Zeppelin mit ›What Is And What Should Never Be‹

Am 25. September 1980 erfuhr die Rockwelt einen großen Schock. Nur wenige Monate, nachdem Bon Scott von AC/DC verstorben...

Thundermother: Nach dem Tief kommt das Hoch

Die Pandemie war für Thundermother keine leichte Zeit. Während viele Künstler*innen sich eine Auszeit gönnten, haben die vier Musikerinnen...

Werkschau: Unser Album-Guide zu Bruce Springsteen

Nicht umsonst gilt Springsteen als einer der besten Songwriter seiner Generation – sein Katalog strotzt nur so vor unvergesslichen...

Pflichtlektüre

Billy F. Gibbons: “Es sitzt alles in den Händen”

München, Ende August. Die Stadt ist ausgedörrt, der Asphalt...

Psychedelic Prog-Projekt gewinnt Preis für “Beste Studioaufnahme des Jahres”

Die Prog-Gruppe Margin hat für ihr Debüt PSYCHEDELIC TEATIME...
- Advertisement -

Das könnte dir auch gefallen
Für dich empfohlen