Johnny Winter: Rock’n’Roll-Plausch mit Joe Perry

Johnny, was war dein Lieblingskonzert, das du je gespielt hast?
JW: Das ist eine schwierige Frage. Da gab es viele großartige Shows. Aber es ist wahrscheinlich Woodstock.
JP: Es gibt verschiedene Gründe, warum ein Gig gut sein kann. Aber einer, der mich tief in meiner Seele berührte, war ein Show, die wir letztes Jahr spielten. Als Aerosmith anfingen, lebten wir zu fünft in einer Wohnung. Ich mietete es. Wir waren fünf Typen, die ums Überleben kämpften. 40 Jahre später wollten sie ein Schild an das Gebäude hängen und zum historischen Ort erklären. Also spielten wir auf der Ladefläche eines Lkw vor dem Haus, und 40.000 Leute kamen. Einfach nur dazustehen, all diese Menschen zu sehen und mich dann umzudrehen und zu sehen, wo vor 42 Jahren mein Schlafzimmer war, das hat mich wirklich tief getroffen. Ich weiß nicht mehr, ob wir gut gespielt haben. Ich weiß nur noch, dass 40.000 Leute kamen und es einfach umwerfend war.

Johnny, bald erscheint „Down & Dirty“, deine Dokumentation. Wie war es, sie zu drehen?
JW: Das hat großen Spaß gemacht. Sie folgten uns überall, von Japan bis Europa. Da geht es um meine ganze Lebensgeschichte, das Gute und das Schlechte. Joe ist auch dabei.
JP: Bin ich das?
JW: Yeah. Und du siehst gut aus. (lacht) Ich habe den Film vor ein paar Monaten bei der Premiere beim South by Southwest gesehen. Ich habe ich wirklich geliebt.

Kommt darin alles vor, was man schon immer über Johnny Winter wissen wollte?
JW: Yeah. Wahrscheinlich mehr, als man wissen will.

Wie denkt ihr über die Lage des Rock’n’Roll heutzutage?
JP: Alles ist heute so fragmentiert, so spezialisiert und industrialisiert. Ich könnte dir nicht den Unterschied zwischen Justin Bieber und Lady Godiva oder Lady Goo-Goo oder wie sie auch heißt sagen. Ich meine, schön für sie, sie sind das neueste Ding, aber ich höre sowas einfach nicht.

Eins ist sicher: Wenn ihr aufhört, ist alles vorbei – das ganze Konzept des „Classic Rock“.
JP: Das sagte ich ja schon vorher – es ist das Ende einer Ära. Die Stones sind immer noch da draußen und machen ihr Ding. Ich wäre gerne der Letzte, der noch steht, aber bei diesen Typen weiß man nie. Zu sehen, wie diese ganze Sache von einem Hinterhofunternehmen in den 50ern und 60ern durch die Punk-Zeit bis zur MTV-Epoche ging, das war schon eine verrückte Zeit. Die Plattenfirmen gaben Geld aus, als wäre es Wasser. Dann kam Napster und zerstörte die Musikindustrie. Für uns war das in Ordnung, weil wir unser Geld mit Konzerten verdienen, aber es vernichtete einen Haufen Leute, die mit dem Verkauf von Platten ihren Lebensunterhalt bestritten und live nicht so viel Erfolg hatten. Leute wie Johnny und ich hatten Glück, dass wir in einer Zeit groß wurden, als man auf der Bühne gut sein musste, um es zu schaffen. Aber diese Ära, die wir alle kannten und liebten, ist vorbei. Wenn jemand wie Billy Joel sagt, er werde keine neuen Songs mehr schreiben, weil es Zeitverschwendung sei, dass alle nur noch die Hits von damals hören wollen, dann weißt du, dass es wirklich aus ist.

Johnny, wirst du je aufhören?
JW: Ich denke nicht. Nur, wenn ich körperlich nicht mehr dazu in der Lage bin. Ansonsten werde ich weitermachen.

Joe, hast du ein Lieblingslied von Johnny Winter?
JP: ›TV Mama‹. Ich liebe den Text, ich liebe das Gefühl dieses Songs. Aber natürlich gibt es so viele, die ich mag, und vielleicht mag ich das Solo auf einem bestimmten Stück, also ist es schwer, sich auf eins festzulegen. Aber ich glaube, dieses Album [NOTHIN‘ BUT THE BLUES, 1977] ist sein bestes. Johnnys Alben sind Teil dieses Musiklexikons, das ich immer bei mir haben muss, wenn ich diesen Tritt in den Arsch brauche.

Johnny, hast du ein Lieblingslied von Aerosmith?
JW: Wahrscheinlich ›Walk This Way‹.
JP: (lacht) Ich bin ehrlich gesagt überrascht, dass er überhaupt wusste, wer wir sind. Ich meine, mal im Ernst, wir kommen aus verschiedenen Welten!

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