Johnny Winter: Rock’n’Roll-Plausch mit Joe Perry

Wann war das „goldene Zeitalter“ für Live-Musik?
JW: Definitiv die 50er. Das war ein tolles Jahrzehnt für die Musik. Es gab viel tollen Blues, und der Rock’n’Roll war gerade erst im Aufkommen. Das war mit die beste Musik, die ich je gehört habe, und da gab es einige der besten Shows, die ich je sah – Sachen wie der frühe Elvis, Fats Domino, Little Richard. Ich liebte es.
JP: Für mich war es wohl die Bildung, die ich erhielt, als die Engländer rüberkamen und den Amerikanern die amerikanische Musik schmackhaft machten. Ich muss sagen, es waren wohl die Stones. Sie sind sich immer treu geblieben. Sie waren total überrascht, als sie hierher kamen und das Radio anmachten. Sie erwarteten, den Blues zu hören. Sie konnten nicht glauben, dass wir in unserem eigenen Land keinen Blues hörten. Als sie bei uns im Fernsehen auftraten, taten sie das nur unter der Bedingung, dass auch Leute wie Howlin‘ Wolf dabei sein würden. Ich weiß noch, wie ich das bei „Shindig“ sah.
JW: Ohne diese Jungs wäre er nie weitergekommen. Sie haben eine Menge für den Blues getan.
JP: Und sie gaben den Leuten die Anerkennung. Ich meine, ich liebe Jimmy Page, aber er schrieb seinen Namen unter eine Menge Dinge, wo er das nicht hätte tun sollen, sagen wir’s mal so. Doch die Stones schmückten sich nie mit fremden Federn. Als sie das Popstar-Dasein langweilte, widmeten sie sich so richtig ihren Wurzeln. EXILE ON MAIN ST ist eine Hardcore-Bluesplatte. Und es machte eine ganze Generation zu Bluesfans. Johnny hat über die Jahre oft die Stones gecovert – ›Silver Trains‹ ist eines meiner Lieblingsstücke.

Johnny, kanntest du die Stones?
JW: Ja, ich kannte Mick und Keith. Ich ging mal zu einer ihrer Partys und war so besoffen, dass ich ins Bad ging und ohnmächtig wurde. Meine Frau musste mich da rauszerren. Das war eine gute Party.

In Anbetracht all der Entzugstherapien: Ist es der Rock’n’Roll-Lifestyle wirklich wert?
JP: Nach einer Weile wird einem klar, wie viel er einem abverlangt.
JW: Ich wäre gestorben, wenn ich nicht aufgehört hätte. Da bin ich mir sicher. Bei dem Zeug, dass ich mir gegeben habe, wäre ich niemals noch hier, wenn ich nicht clean geworden wäre.
JP: Dein Körper verträgt eben nur eine bestimmte Anzahl von Drinks, Koks und Pillen. Wenn du geboren wirst, gibt es eine bestimmte Menge, die du wegstecken kannst, bevor es sich rächt. Manche können das ewig machen und haben gelernt, es unter Kontrolle zu halten. Andere sind nach einem Jahr tot. Du weißt es nicht, wenn du deinen ersten Drink oder deine erste Line nimmst. Du spielst mit dem Feuer. Erst trinkst du nur ein bisschen was, hast vielleicht einen Kater am nächsten Tag, aber irgendwann wirkt es sich darauf aus, wie du spielst, und irgendwann ist es dir nicht mehr so wichtig, und wenn du es so weit kommen lässt, fängt dein Körper an, zusammenzubrechen.

Der Mythos ist natürlich, dass Drogen und Alkohol die Musik befeuern, dass man sie ohne sie nicht hätte machen können.
JP: Na ja, sie helfen, um das Touren zu ertragen. Aber eins der Dinge, die mich aufhören ließen, war dass ich begriff, dass es die Musik selbst war, von der ich high wurde. Als ich zum ersten Mal die Musik hörte, die mich inspirierte, war ich absolut nüchtern. Also erinnere ich mich an diese Zeiten und mir wird klar, dass das schon in mir steckte.

Funktioniert der Blues nüchtern auch so gut?
JW: Ich weiß, dass er das tut. Ich mag das sogar viel lieber. Ich weiß, dass ich besser spiele.
JP: Definitiv. Du willst ja hören, was deine Rhythmussektion tut, du willst darauf reagieren. Wenn du nüchtern da draußen bist, kannst du Dinge tun, die du nie für möglich gehalten hast.

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