Greta Van Fleet: Almost Famous?


Tut mir leid, dass ich jetzt den Elefanten im Raum ansprechen muss. Aber über euch schwebt ja ständig dieser Led-Zeppelin-Vergleich…
D: Ach, ehrlich? (lacht) Nun ja, das haben wir schon ein paar mal gehört.

Könnt ihr das nachvollziehen? Ihr meint ja eigentlich, das wäre keiner eurer Einflüsse…
J: Na ja, kein maßgeblicher, aber schon ein Einfluss. Und klar verstehe ich das und wir verstecken uns auch nicht da­­vor, im Gegenteil, das schmeichelt einem schon sehr. Led Zeppelin sind schließlich eine der größten Rockbands aller Zeiten. Ihr gesamter Katalog ist – ich wiederhole mich – ein Lehrbuch, ein wundervolles Werk, das zur damaligen Zeit etwas völlig Neues darstellte. Alleine die große Dynamik, die verschiedenen Elemente und die Art der Arrangements, daraus haben wir gelernt.

Viele der Vergleiche beziehen sich wohl auch auf Joshs Stimme und seine Bewegungen, die sind schon sehr ähnlich…
D: Na ja, Led Zeppelin haben einfach verdammt viel Energie freigesetzt und wir tun das gleiche…

Also nervt euch das noch nicht?
J: Gerade überhaupt nicht. Viele Künstler werden verglichen, den Black Crowes ging es da auch nicht anders. Und Oasis sind wie die Beat­les! (lacht)
D: Nein, Jake, sie sind besser! (lacht)
J: (in Noel Gallagher-Akzent) Well I guess we’re just better than Oasis then, aren’t we? (lacht)
D: Na ja, aber irgendwann wird der Tag wahrscheinlich kommen… (lacht)

Ich habe euch ein bisschen im Internet verfolgt und bemerkt, dass eure Outfits sich gewandelt haben. Habt ihr einen Stylisten?
J: Ja, haben wir. Und es gab einen speziellen Moment, an dem sich das alles geändert hat. Eines Tages kam Elton John nach unserer Show in London zu uns und sagte: „Zeigt ihnen, was ihr habt!“ (lacht) Ab da haben wir angefangen, oben ohne aufzutreten und so. Ich meine, wenn Stilikone Elton John dir die Erlaubnis erteilt…

Das ist mir auch aufgefallen, dass ihr euch sexier anzieht…
J: Danke! Liegt wahrscheinlich auch an Elton. Er hat mir das Selbstvertrauen gegeben, ich selbst zu sein. Und wenn die Leute meinen Körper sehen können, ist das okay, denn das bin ich. Das ist auch irgendwie ein Statement, mir selbst treu zu sein.
D: Ich fühle mich dann einfach wohl, ein bisschen wie zuhause und zuhause zeige ich vielleicht einfach etwas mehr Haut.

Merkt man das auch an den Reaktionen der Damenwelt?
J: Jaaa, doch.(schmunzelt) In den letzten Monaten ist das weibliche Interesse ähm… angestiegen. Die Leute werfen BHs und anderes Zeug auf die Bühne, je näher du an ein College kommst, desto verrückter wird es. Da kann es echt wild zugehen. Ich erinnere mich, als wir mal in L.A. gespielt haben und ich danach in den Bandbus wollte. Eine Reihe Mädchen wartete davor und als ich kam, fielen sie über mich her. Eine schaffte es, ein Stück von meinem Shirt abzureißen und auf einmal hingen sie alle an mir dran. Als ich in den Bus kam, hatte ich nur noch ein paar Fetzen am Leib und alle haben mich ausgelacht.
D: Ja ja, da gab es einige solcher Momente. Danach denkst du nicht mehr, dass der Rock’n’Roll tot ist. (lacht)

Seid ihr eigentlich vergeben? (Frau Autorin zwinkert jovial-onkelig)
J: Ja. Einige von uns.

Das sollte ich vielleicht lieber nicht ins Heft schreiben…
D: (lacht) Schreib lieber: Sie haben viele, viele Freundinnen.
J: Eine in jedem Land. (lacht)

Mythenbildung nennt man so etwas! Wie würdet ihr selbst eure Entwicklung zwischen den EPs und ANTHEM OF THE PEACEFUL ARMY beschreiben?
J: Wir sind jetzt freier und experimentierfreudiger, außerdem sind wir bessere Musiker geworden, vor allem, was die Studioarbeit betrifft. Das ist nochmal ein ganz anderes Kaliber. Wir verstehen den Prozess besser, zumindest gut ge­­nug, um unsere erste Platte zu machen.
D: Ja, wir sind selbstsicherer und können gut entscheiden, was uns gut tut und was schlecht für uns ist. Alleine schon zwischen Album eins und zwei haben wir wieder große Fortschritte gemacht, da wären wir wieder: Wir haben schlichtweg keine Geduld.

Ähm, Album Nummer zwei?
J: Ja, das ist witzig: Am gleichen Tag, als wir ANTHEM fertig hatten, haben wir schon mit dem Nachfolger angefangen. Wir haben schon einiges an Material zusammen…

Gibt es eigentlich einen Plan B?
D: Den gibt es ja irgendwie immer. Wobei wir wahrscheinlich nicht zufrieden sein werden, bis die Welt nicht wenigstens ein Stück weit besser ist. Und was immer es uns erlaubt, uns daran zu beteiligen, wäre dann wohl der Plan B…

Seid ihr eigentlich spirituell? Könnte man meinen, wenn man euch und euren Texten zuhört…
D: Ich denke schon, wir wurden ein bisschen so erzogen. Und einen Fuß in der Tür zum Spirituellen zu haben, kann helfen, auf die wichtigen Dinge aufmerksam zu werden, ohne dich von ihnen überrollen zu lassen.
J: Die Hauptlektion ist wohl einfach: Seid friedfertig, liebt euch und vereint euch. Eigentlich recht simpel.

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