Fish: Mit erhobenem Haupt

-

Fish: Mit erhobenem Haupt

- Advertisment -

Mit Veröffentlichung seines neuen Albums WELTSCHMERZ verkündet der ehemalige Marillion-Sänger das Ende seiner Karriere. Jetzt soll lediglich noch eine Abschiedstour folgen.

Wie ungewöhnlich für einen schottischen Musiker, sein neues Album WELTSCHMERZ zu betiteln. Fish hat es getan. Und er hat dafür triftige Gründe: „Es beschreibt mein Empfinden, wenn ich abends mit meiner Frau die Nachrichten schaue. Überall sieht man Menschen, die mit dem Leben an sich und der aktuellen Situation überfordert sind. Mich überkommt dann jedes Mal ein Gefühl der Hilflosigkeit, das sich zu einem generellen Weltschmerz ausbreitet. Es ist zwar ein deutsches Wort, aber auch im Englischen durchaus gebräuchlich“.

Dass Derek William Dick, wie Fish mit bürgerlichem Namen heißt, in der Schule Deutsch gelernt hat, in erster Ehe mit einer deutschen Frau verheiratet war und in zweiter Ehe sogar jahrelang im Karlsruher Stadtteil Durlach gewohnt hat, erklärt ebenfalls, wie es zu dieser ungewöhnlichen Namensgebung kam.
Dabei: WELTSCHMERZ handelt weniger von anonymen Menschen, wie sie tagtäglich im Fernsehen zu sehen sind, sondern vielmehr von Fish selbst. Der frühere Frontmann der Prog-Rocker Marillion ist ein steter Beobachter seiner eigenen Psyche und wählt – wie bereits auf Marillions bestem bzw. Fishs letztem Album CLUTCHING AT STRAWS – die Form der dritten Person, um aber eigentlich über sich selbst zu singen.


„Während ich mit meinem Vocalcoach an WELTSCHMERZ arbeitete, merkte ich, wie viel dieser Texte mit mir und meinem Leben zu tun haben. Da ich nicht ständig me, me, me oder I, I, I singen wollte, werden meine Geschichten aus einer anderen Perspektive erzählt.“ Fish verrät, dass ihm die Idee zu diesem Titel und dem entsprechenden Konzept bereits vor zehn Jahren kam. Doch dann überschlugen sich die Ereignisse, und ehe es sich der großgewachsene Brite versah, war das Wort sogar mit persönlichen Schicksalsschlägen gefüllt: „Letztendlich ist das Album aus einer extrem schwierigen Phase meines Lebens heraus entstanden. Mein Vater starb, was mir, obwohl ich darauf vorbereitet
war, den Boden unter den Füßen wegzog. Zudem musste ich zweimal aufgrund einer lebensbedrohenden Sepsis ins Krankenhaus und wusste zeitweise nicht, ob ich überleben würde. So ist beispielsweise auch der Song ›The Grace Of God‹ entstanden, der aufzeigt, wie viele Gedanken ich mir über den schmalen Grat zwischen Leben und Tod und der Demut vor dem eigenen Schicksal gemacht habe.“

Gedanken, die den Musiker offensichtlich dazu bewogen haben, WELTSCHMERZ als sein letztes Album anzukündigen. Es wird wohl – so der Plan – noch eine umfangreiche Abschiedstournee folgen – Ende
offen –, danach soll für den 62-Jährigen endgültig Schluss sein. „Als ich im Sommer 1988 bei Marillion ausstieg, war der Zeitpunkt perfekt. Wir hatten mit CLUTCHING AT STRAWS unser wohl bestes Album veröffentlicht, was also sollte danach noch kommen? Ich verließ die Band und suchte neue Herausforderungen. Ein ähnliches Gefühl habe ich jetzt auch bei WELTSCHMERZ. Es ist ein Werk, das mich auf dem Höhepunkt meiner künstlerischen Schaffenskraft zeigt.“ Für Fish Anlass genug, die neue Scheibe gebührend zu feiern. „Meine Frau und ich haben sechs Monate lang keinen Tropfen Alkohol getrunken, doch als WELTSCHMERZ fertig war, haben wir eine Flasche Prosecco geöffnet und den Moment genossen. Als Künstler verfolgt man mit jedem Album ein bestimmtes Ziel, meines lautet: Mit einem solchen Abschiedswerk kann ich bis zum Ende meiner Tage erhobenen Hauptes durchs Leben gehen.“

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Das Neueste

Review: The Mighty Mighty Bosstones – WHEN GOD WAS GREAT

Gitarren und Bläser für die Tanzbeine Es gibt wohl keine Band, die harte Gitarren und Blasinstrumente besser zusammenbringt als The...

Review: Nancy Wilson – YOU AND ME

Solodebüt der Heart-Gitarristin Hat lange gedauert, bis Heart-Gitarristin und Teilzeitstimme Nancy Wilson es zu ihrem ersten Soloalbum gebracht hat (den...

Review: Tony Joe White – SMOKE FROM THE CHIMNEY

Ist das ein Album oder kann das weg? Gewagt, gewagt! Stellt euch vor, ihr seid ein prominenter Musiker und verehrt...

Review: Mighty Oaks – MEXICO

MEXICO ist im Country weit mehr als nur ein Staat, südlich von Texas. Es ist: ein Sehnsuchtsort. Eine Metapher...
- Werbung -

Meine erste Liebe: MADE IN JAPAN

Der schwedische Shred-Star Yngwie Malmsteen über das Livealbum, das ihn mehr als jedes andere beeinflusste. Ich war neun oder zehn,...

Werkschau: Bob Seger

In seiner mehr als 50-jährigen Karriere wurde Bob Seger vor allem durch Balladen zum wahren Meister seines Handwerks. Wir...

Pflichtlektüre

Neuigkeiten zu: John Lennon & Yoko Ono

Two Virgins Nacktheit, so denkt der aufgeklärte und liberal sozialisierte...

Review: 3 Dayz Whizkey – COMMON BUZZARD BLUES

Regensburg. Rhythm. Blues. Nach über vier Jahren Pause, in denen...
- Advertisement -

Das könnte dir auch gefallen
Für dich empfohlen