Filmreview: Mystify: Michael Hutchence

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Filmreview: Mystify: Michael Hutchence

Mystify Michael Hutchence FilmDie Dokumentation von Regisseur Richard Lowenstein kommt mit vielen Privataufnahmen und Statements von Bekannten des INXS-Sängers daher. Die Musik selbst kommt dabei zu kurz.

Richard Lowenstein war auch vor dieser Doku gut mit Michael Hutchence vertraut. Seit ihren frühen Tagen hat der Filmemacher mit INXS zusammen an Musikvideos gearbeitet, zum Beispiel für „Never Tear Us Apart“, „Suicide Blonde“ oder „Burn For You“. Das dürfte es einfacher gemacht haben, an seltenes bis nie gezeigtes Filmmaterial über den australischen Sänger zu kommen. Und so gibt es in „Mystify: Michael Hutchence“ eine wahre Flut an Aufnahmen aus der Kindheit des Musikers, von Urlauben mit Freunden und vor allem Freundinnen oder vom Weihnachstfest mit versammelter Familie. In Interviews aus dem Off erzählen Ex-Partnerinnen wie Popstar Kylie Minogue oder Model Helena Christensen vom Leben mit dem im Privatleben schüchternen und verträumten „Nestbauer“ Hutchence. Seine Schwester kommt ebenso zu Wort wie U2-Sänger und Freund Bono.

Der Film wird so zum Charakterporträt. Als zentraler Wendepunkt wird gegen Ende der tragische Zwischenfall erzählt, bei dem Hutchence 1992 in Kopenhagen von einem Taxifahrer zu Boden geschlagen wurde. Er prallte unglücklich mit dem Kopf auf und zog sich Verletzungen am Gehirn zu, infolge derer er seinen Geschmacks-und Geruchssinn einbüßte. Das habe ihm schwer zu schaffen gemacht, dazu sei er ab da generell gereizter und aggressiver gewesen, wie Bekannte berichten. In den Jahren vor seinem Tod habe der zuvor niemals Süchtige verstärkt zu Drogen gegriffen.

“Wer einen großen Überblick, nicht zuletzt über Hutchence’ Musik, haben will oder auch einfach nur in Live-Aufnahmen versinken, wird enttäuscht werden.”

Sein Tod selbst wird gegen Ende des Films eher kurz abgehandelt, schriftlich werden die Randdaten eingeblendet. Der 37-Jährige wird im November 1997 tot im Hotel gefunden, offenbar hatte er sich erhängt. Auf die näheren Umstände geht der Film nicht ein. Und was positiv ist: Lowenstein gleitet nie ins Gefühlige, Melodramatische ab.

Was leider zu kurz kommt, ist die Musik selbst, genau wie die Bühnenpräsenz von Hutchence. Die wenigen Live-Aufnahmen von Stadionkonzerten wirken gewaltig, die Lautstärke ist zumindest bei der Pressevorführung im Kino extrem aufgedreht, Hutchence sieht großartig aus mit seinen langen, lockigen Haaren, die Kameraeinstellungen sind spektakulär. Aber kaum freut man sich, jetzt mal doch einen Song länger zu hören, kommen Stimmen aus dem Off dazwischen, wechseln die Bilder. Das macht den Film schnell und kurzweilig, leider wird dem eigentlichen Helden so aber der Raum genommen, den er locker gefüllt hätte, hätte man ihn einfach mal gezeigt, seine Musik länger gespielt. Und vor allem mehr Songs als nur ein paar wenige.

So ist „Mystify“ am Ende ein Film von einem Fan für Fans. Für diejenigen, die die Songs und Alben von INXS in und auswendig kennen und die gezeigten Aufnahmen vor allem auch aus dem Privatleben ihres Sängers auf die im Film nur wenig thematisierte Musik rückbeziehen können. Für die also, die alles über Hutchence wissen und sich über rares Filmmaterial und womöglich neue Perspektiven am meisten freuen. Wer einen großen Überblick, nicht zuletzt über seine Musik, haben will oder auch einfach nur in Live-Aufnahmen versinken, wird enttäuscht werden. Das Gute: Entmystifiziert wird Michael Hutchence nicht.

6/10

Text: David Numberger

Mystify: Michael Hutchence
Kinostart: 30. Januar 2020

2 Kommentare

  1. MICHAEL HUTCHENCE SINGT IN MEINER SEELE SO NACHHALTIG..SO ZART …SO UNVERGESSEN…DASS DIESES “MYSTIFY“ UNZERSTÖRBAR BLEIBT.

    ER FLIEGT MIT UND SINGT FÜR DIE ENGEL UND UNS.

    EWIG.

    LI

  2. Michael Hutchence und seine Musik sind zumindest für mich legendär und durch nichts zu ersetzen. Seine weiche und warme Stimme kann man nicht oft genug hören, leider nur noch in alten Songs. Sehr schade um die Musik und noch mehr um den Menschen, die beide noch viele Anhänger hätten erfreuen können …
    “Stay Young” ist unglücklicherweise gelungen für Michael
    Rest in Peace, Michael

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