Doyle Bramhall II: Schattenmann

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Doyle Bramhall II: Schattenmann

Doyle Bramhall InterviewEr war mit Roger Waters auf Tour und liefert sich Gitarrenduelle mit Eric Clapton. Jetzt kommt mit SHADES sein fünftes Soloalbum. Über einen Musiker, der den Großteil seiner Karriere im Hintergrund verbracht hat.

Direkt vor meinem Interviewtermin im Aufenthaltsraum eines Hotels in München werde ich von wartenden Touristen gefragt, wer denn der lockige Mann sei, der da schon seit einiger Zeit mit Journalisten spreche. Das ist Doyle Bramhall II. Ratlose Gesichter. Nun ja, der Gitarrist von Eric Clapton und der Boyfriend von Renée Zellweger. Ah ja, klar, die kennt man.

Es ist so ein bisschen das Schicksal des Mannes aus Texas. Er steht im Schatten. Ob es nun seine Freundin oder seine Mitmusiker sind: Alle sind bekannter als er selbst. Ob ihn das groß bekümmert? Zumindest im Ge­­spräch macht er einen entspannten und gelösten Eindruck. Und ganz davon abgesehen, ob das jetzt fair ist oder nicht – er hat sich das ja irgendwie auch selbst zuzuschreiben.

Doch der Reihe nach: 1968 in Austin als Sohn von Drummer Doyle Bramhall geboren, hing Bramhall II seine Jugend über mit Jimmie und Stevie Ray Vaughan ab. Jimmie sei wie ein Onkel für ihn gewesen, verrät er, Stevie Ray wie ein älterer Bruder. „Ich bin dabei gesessen, wenn er in seinem Zimmer gespielt hat. Stevie ermutigte mich, zu üben und selber zu schreiben.“ Als er sechs war, beherrschte er das Schlagzeug, mit elf den Bass und mit 14 die Gitarre – sein Stamminstrument, das er ähnlich wie Jimi Hendrix verkehrt herum hält. Nach Banderfahrungen bei den Fabulous Thunderbirds und den Arc Angels veröffentlichte Bramhall II in den späten 90ern seine ersten beiden Soloplatten. Die dritte folgte 2001, dann gab es 15 Jahre lang gar keine.

„Eric Clapton hat mich einfach aus dem Nichts heraus angerufen. Er sagte, er habe mein Album JELLYCREAM drei Wochen am Stück gehört und sei ein Fan.“

Seine Soloambitionen stellte er bis auf weiteres zugunsten von Kollaborationen zurück. Von 1999 bis 2000 war er mit Roger Waters auf Tour, bereits währenddessen klopfte ein anderer ganz Großer an. „Eric Clapton hat mich einfach aus dem Nichts heraus angerufen“, erinnert er sich. „Er sagte, er habe mein Album JELLYCREAM drei Wochen am Stück gehört und sei ein Fan.“ Der Brite engagierte seinen jüngeren amerikanischen Kollegen für seine B.B. King-Zusammenarbeit RIDING WITH THE KING und coverte darauf zwei seiner Songs: ›Marry You‹ und ›I Wanna Be‹. Es war so etwas wie der Ritterschlag. Clapton sei „unglaublich bescheiden und kein bisschen abgehoben“, sagt Bramhall II.

Seitdem ist er regelmäßig mit der Musikikone auf Tour und gastierte auf mehreren Studiowerken, jüngst auf HAPPY XMAS. Im Gegenzug spielt Clapton Gitarre auf dem SHADES-Track ›Everything You Need‹. Darauf frönt Bramhall II seiner Liebe zu Funk und Soul. Doch die ist nur eine Facette seines Schaffens. Auf der Ballade ›Searching For Love‹ lässt er Norah Jones singen, im emotionalen ›Break Apart Just To Mend‹ weiß er von verlorenen Wegen und neuen Anfängen zu berichten. Rauer und bluesiger ist das eröffnende ›Love And Pain‹. Der Song sei eine Reaktion auf den Anschlag auf ein Country-Festival in Las Vegas 2017, erklärt der US-Musiker. Damals kamen fast 60 Menschen ums Leben, mehrere Hundert wurden verletzt. Dass so etwas passieren könne, liege auch an den laschen Waffengesetzen in den USA. „Jeder, ob er Terrorist ist oder ein Highschool-Kid mit psychischen Problemen, das sich umbringen will und beschließt, 50 Leute mit sich zu nehmen, kann an eine Waffe kommen.“ Auf seinen Präsidenten angesprochen, muss Bramhall II lachen. Es sei derzeit vielleicht das Beste für Amerikaner, Amerika zu verlassen.

Er selbst geht da mit gutem Beispiel voran. Kommendes Jahr möchte er auf Europatour sein, dazu stehen Konzerte mit Eric Clapton auf der ganzen Welt an. Für weitere Studioaufnahmen soll auch noch Zeit sein. Und ob nun sein Name in Zukunft mehr Leuten ein Begriff sein wird oder nicht: Auf sein Dasein als Solokünstler wird sich Bramhall II auch weiterhin nicht beschränken, da ist er sich sicher: „Ich will das Beste aus beiden Welten!“

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