Die 10 skurrilsten Cover der Rockwelt (Teil 1)

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Die 10 skurrilsten Cover der Rockwelt (Teil 1)

skurriles cover_J MasicsJ Mascis
TIED TO A STAR (2014)

Was J Mascis von seinem Coverkünstler Marq Spusta auf sein neues Album TIED TO A STAR zaubern ließ, ist einfach bezaubernd und erinnert ein bisschen an eine psychedelische Szene aus einem Kindermärchen. Fünf knuffige Fellwesen sitzen vor einem Zauberbaum auf einer verwunschenen Wiese. Sie halten sich fest, blicken gespannt und verträumt in die Ferne. Am liebsten möchte man sich zu ihnen gesellen, seinen Kopf in die weichen Haare legen und sich von der Szenerie einfangen lassen. Jeder Blick auf das Bild offenbart neue, hinreißende Details, wie die kleine schlafende Eule links, eine zugekifft wirkende Hummel am rechten oberen Bildrand, kleine grinsende Dämonenwesen, die durch die Äste tanzen. Ganz versteckt schläft ein kleines rosa Eichhörnchen und träumt vor sich hin, zwei zottelige Kerlchen haben es sich ebenfalls im Geäst bequem gemacht, der eine völlig erledigt an einen Ast gelehnt, der andere gähnt herzzerreißend. Auf dem Stamm wachsen Pilze, die Platz für eine kleine Kröte und sogar eine winzige Qualle bieten. Auf sie alle regnen bunte Flocken herunter, scheinen ihnen ihre Träume zu schenken. Man kann sich gar nicht sattsehen an den kleinen Wesen, die überall versteckt sind. Da, neben der Hummel reckt eine kleine Maus ihre Ärmchen in den Himmel, unter ihr sitzt ein dicker Spatz und starrt geistesabwesend vor sich hin…
Das Cover von TIED TO A STAR nimmt einen einfach gefangen, man könnte stundenlang auf dieses Kunstwerk starren und würde doch nicht alle Details einfangen können. Schon bei seinem letzten Werk SEVERAL SHADES OF WHY verwendete J Mascis ein Artwork Spustas. Damals schickten die beiden ihre Fellwesen auf dem Rücken einer riesigen Schildkröte auf Reisen. Schon dieses Bild bezauberte die Musik- und Kunstwelt. Doch mit TIED TO A STAR übertrifft sich Spusta selbst. Einfach bezaubernd, faszinierend und – man muss es einfach einmal sagen – zückersüß.

skurriles cover_RiotRiot
FIRE DOWN UNDER (1981)

Hallo, ich möchte mich kurz vorstellen: Mein Name ist Johnny und ich bin das offizielle Maskottchen der amerikanischen Power-Metaller Riot. Früher war es Gang und Gäbe, dass Bands sowas hatten. Denkt nur an Iron Maiden und ihren Eddie, der heute fast berühmter ist als seine musizierenden Kollegen – was ihm auch ein bisschen zu Kopf gestiegen ist… Ich lernte die Jungs Ende der 70er Jahre etwas angetrunken in einem kleinen Club in New York kennen. Damals befand ich mich in einer Art Lebenskrise. Denn seien wir mal ehrlich: Ich bin nicht gerade eine klassische Schönheit und war selbst im Big Apple ein extremer Außenseiter. Was hatte eine Kreatur halb Mensch, halb Seehund schon für Chancen? Auch wenn ich in gewissem Sinne mit den Wookies verwand bin, hier auf der Erde brachte mir das nicht viel. Als mir Riot also den Job ihres Covermodels anboten, schlug ich natürlich sofort zu! Ich zierte ROCK CITY (1977), NARITA (1979), das oben abgebildete FIRE DOWN UNDER (1981) und BORN IN AMERICA (1983). Sechs Jahre, an die ich mich sehr gerne zurück erinnere. Doch es gab auch Schattenseiten, ich fühlte mich oft ausgebrannt und griff zu Drogen. Ich war ständig dicht, auch bei den Shootings, was man vor allem bei FIRE DOWN UNDER an meinen Augen sehen kann. Auch innerhalb der Band lief es nicht gut, so dass wir uns Mitte der 80er auflösten. Als Riot 1987 wieder reanimiert werden sollte, ging ich nicht mehr zurück. Tony Moore, der damalige neue Sänger, war sehr traurig über meine Entscheidung. Er schrieb sogar zwei Songs über mich: ›Johnny’s Back‹ aus dem Album THUNDERSTEEL (1988) und ›Black Leather and Glittering Steel‹ aus THE PRIVILEGE OF POWER (1990). Aber ich wollte nicht zurück in die Öffentlichkeit. Erst 2006 ließ ich mich für ARMY OF ONE auf ein kleines Gastspiel ein. Doch das Rampenlicht ist nichts mehr für mich. Dafür bin ich zu alt. Ich versuche mich jetzt als Musikkritiker. Ihr glaubt mir nicht? Dann besucht meine Facebook-Seite!

skurriles cover_crosby stills nashCrosby, Stills & Nash
LIVE IT UP (1990)

Die 80er waren für viele ein Jahrzehnt des schlechten Geschmacks – vor allem optisch. Beim Cover der Crosby, Stills & Nash-Veröffentlichung LIVE IT UP von 1990 hat man vom ersten Blick an ein bisschen das Gefühl, dass dieser 80er-Bad-Taste noch seinen Sprung in die neue Dekade geschafft hat. Sehen wir es uns einmal genauer an: Wir befinden uns auf dem Mond und haben einen traumhaften Blick auf die Erde. Doch was ist das im Vordergrund? Warum versperren uns riesige an Grillspieße erinnernde Pfähle die Aussicht? Und was machen diese Holzarbeiter dort? Und vor allem: Warum sind die Pfähle mit Grillwürsten gespickt? CSN waren immer eine sehr politische Band, also sollten wir vielleicht einen Deutungsansatz in diesem Umfeld suchen. Die Erde ist ein konsumorientierter Planet, der auch die Zerstörung der Natur in Kauf nimmt, um seine kapitalistischen Ziele zu erreichen. Möglicherweise stehen die Würste für die verbraucherorientierte Einstellung, die über die Grenzen der Erde hinaus wirkt, seit der Mensch den Weltraum bereist. Der Konsum bedeckt und zerstört alles, nicht nur die Natur (möglichweise sind das auch abgestorbene Baumstämme), sondern auch den Blick auf die Welt. Doch es gibt ein paar wenige, die sich dagegen streuben und der Zerstörung ein Ende setzen wollen. Hier kommen wir zu den Holzarbeitern, die die Symbole des Kapitalismus abhacken und zu Fall bringen. Wir zählen insgesamt drei Holzfäller – vielleicht Crosby, Stills und Nash selbst? Natürlich sind das alles nur Mutmaßungen und mit Sicherheit treffen sie nicht ins Schwarze. Doch zumindest machen sie dieses skurrile Cover ein wenig weniger seltsam.

skurriles cover_William ShatnerWilliam Shatner
SEEKING MAJOR TOM (2011)

Am 27. Februar 2015 gab es traurige Nachrichten für alle Science-Fiction-Fans. Leonard Nimoy, den meisten sicherlich bekannt als Mr. Spock aus der Serie „Raumschiff Enterprise“, verstarb mit 83 Jahren in Kalifornien an einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung. Und auch wenn Nimoy in seiner Karriere in vielen Filmen mitgewirkt hat, bleibt vor allem sein Zusammenspiel mit Star-Trek-Kollege William Shatner unvergessen.
Dieser tummelt sich seit Jahren neben dem Film- auch ausgiebig im Musikbusiness. 1968 veröffentlichte er sein erstes Album THE TRANSFORMED MAN und wird eigentlich seit damals gerne als Sänger parodiert, denn Shatner hat eine ganz eigene Art der Interpretation. Er singt nicht, sondern spricht seinen Text und ähnelt dabei eher einem übermotivierten Gedichtvorleser, vom Tonfall her scheint auch er sich in dieser Rolle nicht sonderlich ernst zu nehmen. SEEKING MAJOR TOM aus dem Jahr 2011 ist sein viertes Studioalbum und besteht – wie auch die Vorgänger – aus Coverversionen bekannter Rocksongs, wie ›Major Tom‹ von Peter Schilling, ›Space Oddity‹ von David Bowie oder auch ›Rocket Man‹ von Elton John. Dabei drehen sich alle – passend zum Titel und seinem berühmtesten Charakter James T. Kirk – um den Weltraum und im Kleinen auch um die Suche nach diesem Major Tom, der in einigen der Songs thematisiert wird.
Früher hieß es oft, Shatner nähme seine Person sehr ernst und reagiere auf Veräppelungen eher empfindlich. Seit einigen Jahren kann man ihm das jedoch nicht mehr vorwerfen, denn mittlerweile ist er selbst sein größter Satiriker. Wie auch auf dem Cover von SEEKING MAJOR TOM in seinem goldenen Raumanzug und der großen, fast wie ein Fallus wirkenden Rakete neben sich, mit der er scheinbar gemeinsam in die Weiten des Weltalls blickt.

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