Die 10 skurrilsten Cover der Rockwelt (Teil 1)

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Die 10 skurrilsten Cover der Rockwelt (Teil 1)

skurriles cover_descendentsDescendents
ENJOY! (1986)

Pipi-Kaka-Humor ist sehr beliebt bei Groß und Klein. Im Falle der Descendents sogar immens, denn die Punkband aus Kalifornien widmete diesem Thema gleich ein ganzes Album. ENJOY! erschien 1986 und war das dritte Werk der Musiker. Das schlichte Cover mit der pinken Klorolle zeigt schon mehr als deutlich, wohin uns dieses Album führt: Auf die Toiletten dieser Welt. Hier geht es um alles, was den Darmtrakt verlässt, ob nun in Form von Exkrementen oder Gasen. Letzteres ist auch in verschiedenen Klangfarben auf den einzelnen Songs vertreten. Hier wird gefurzt, bis die Schüssel kracht. Schon der Openertrack und das Titelstück des Albums wird hier und da klanglich von einer Flatulenz begleitet. Nach etwa 15 Minuten Spielzeit gibt es sogar eine nette kleine, fast zwei Minuten andauernde Aufnahme furzender Bandmitglieder, die gegenseitig versuchen, den besten, lautesten und längsten Darmwind zu produzieren. Dabei amüsieren sich die Amerikaner prächtig, kommentieren ihre Winde gerne mit Sprüchen wie „Oh man, that was wet!“ und kichern wie die Schuljungen. Ein etwas anderes Interlude, das es mit Sicherheit kein zweites Mal in der Musikgeschichte gibt.
So schlicht wie der Humor ist auch das Cover von ENJOY!. Es wirkt wie eine pubertierende Kritzelei aus dem Unterricht. An weißen Fliesen hängt eine pinke Klorolle (warum gerade diese Farbe gewählt wurde, ist nicht dokumentiert), der Albumtitel erscheint wie eine dynamische Einladung zum Besuch des stillen Örtchens – was jedoch bei den Descendents aufgrund der vielen Furzerei eher laut ist. Doch abgesehen von Textpassagen über menschliche Bedürfnisse und windige Soundeinlagen ist ENJOY! ein traditionelles Punk-Album, das mit ›Hürtin‘ Crüe‹ sogar einen ihrer Hits enthält. Natürlich ist das Konzept der Platte Geschmackssache, aber soll Punk nicht auch ein bisschen Spaß machen?

skurriles cover_WehrmachtWehrmacht
SHARK ATTACK (1987)

Eins vorweg: Dass die Wahl des Bandnamens nicht sonderlich klug war, auch nicht im Gründungsjahr 1985, das muss an dieser Stelle nicht diskutiert werden, das ist klar. So wurde die Speed-Metal-Band aus Portland, Oregon, selbstredend erst einmal der rechten Szene zugeordnet. Dabei hatten die jungen Herren mit Politik absolut gar nichts am Hut. Im Gegenteil, sie wollten eigentlich nur zweierlei Dinge: feiern und saufen – okay, und bestimmt auch ein bisschen provozieren.
Sie selbst nannten ihre Musik immer geradeheraus Beer-Core und mit Sicherheit ist das Konzept des Covers ihres Albums SHARK ATTACK auch aus einer Bierlaune heraus entstanden. Die skurrile Gestalt, die dort auf den wilden Haien reitet, erinnert stark an Iron Maidens Maskottchen Eddie nach einer langen und verdammt intensiv durchzechten Nacht. Der Rausch ist noch nicht ganz verklungen, das Konterbier hat er schon in der Hand, Nachschub findet sich in seinem Patronengurt, den er über die Schultern geworfen hat. Unter dem linken Arm hat er eine haiförmige Knarre geklemmt, oder wohl viel mehr eine Art Wasserpisole, mit der er vielleicht den monströsen Fischen ein bisschen Gerstensaft zwischen die bluttriefenden Zähne spritzen kann, wenn diese unruhig werden.
SHARK ATTACK galt in seinem Veröffentlichungsjahr 1987 als das schnellste und härteste Album, das es bis dato gegeben hatte. Diesen Geschwindigkeitsrausch und musikalischen Wahnsinn fangen Wehrmacht hier perfekt ein, er steht dem grünhäutigen, einäugigen Zombie ins Gesicht geschrieben. Das Motiv des Hais griffen die Amerikaner übrigens 2010 mit ihrer EP FAST AS A SHARK ATTACK wieder auf. Dieses Mal allerdings nur mit einem Hai auf dem Cover, Eddies betrunkener kleiner Bruder wurde wohl mittlerweile von ihm gefressen.

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HOY-HOY! (1981)

Als Frank Zappa Lowell Georges Song ›Willin‘‹ ablehnte, packte der kurzerhand seine Sachen und verließ zusammen mit seinem Bandkollegen Roy Estrada Zappas Mothers Of Invention. Zusammen mit Bill Payne und Richard Hayward gründeten sie 1969 Little Feat. Nach mehreren Besetzungswechseln und dem Tod von Lowell George (1979) wurde die Band jedoch 1981 erst einmal aufgelöst. Zum Abschied wurde HOY-HOY! veröffentlicht, eine Sammlung von Raritäten und bis dato unveröffentlichten Live-Aufnahmen, bis heute ein Liebhaberstück unter allen Fans von Little Feat. Außergewöhnlich ist hier jedoch nicht nur der Inhalt dieser Compilation, sondern auch die Optik. Gestaltet wurde diese (wie fast alle Cover der Band) von Neon Park. Ein deutscher Schäferhund mit Hirschgeweih sitzt auf einer grünen Wiese in den Bergen und betrachtet sehnsüchtig einen Knochen mit rosa Flügeln, der wegfliegt, hinter ihm raucht ein brodelnder Vulkan. Viele mögliche Deutungen sind in diesem Bild versteckt. Die Szene erinnert an Abschied, an Verlorenes. Der Tod von Lowell George bestürzte die Band und sicherlich auch Künstler Neon Park sehr. Alles ist vergänglich, doch das ist der Kreislauf des Lebens. Das, was wir uns wünschen entschwindet, am Ende bleiben wir allein zurück. Eine traurige Szene in kräftige, fröhliche Farben gehüllt. Über allem schwillt drohend der Vulkan, dessen Ausbruch nicht mehr fern scheint und die scheinbare Idylle mit dichten Wolken verhüllt. Zum einen das Ende, doch zum anderen auch ein Neuanfang, wie es auch schon der seltsame Titel sugerriert. „Hoy Hoy“ sind eher Worte der Begrüßung als des Abschieds. Viele glauben jedoch, dass der Begriff aus dem Song ›Three Hundred Pounds Of Joy‹ von Howlin‘ Wolf stammt, in dem er singt: „Follow me, baby, have a real good time/This is it/This is it/Look what you get/Hoy! Hoy! I‘m the boy/Three hundred pounds of heavenly joy.“ Ob hier nun die Freude an den Raritäten auf der CD oder ein friedvoller Blick gen Himmel zu Lowell George gemeint ist, bleibt jedem selbst überlassen.

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