Das letzte Wort: Bootsy Collins im Interview

Bootsy Collins InterviewEr spielte mit James Brown und lernte von Hendrix – Funkmeister Bootsy Collins über LSD, das Übernatürliche und „den Einen“.

Nachdem er sich noch als Teenager an der Seite seines großen Bruders, des Gitarristen Catfish, einen guten Namen als beneidenswert fingerfertiger Bassist bei James Browns J.B.’s ge­­macht hatte, besiegelte William „Bootsy“ Collins seinen Legendenstatus mit Funkadelic, Parliament und Bootsy’s Rubber Band. Inspiriert von Hendrix, gründete er das bahnbrechende Funk-Metal-Fusion-Trio Hardware mit Buddy Miles und Stevie Salas, bevor er mit Bill Laswell und Buckethead als Zillatron zusammenarbeitete. Zuletzt veröffentlichte er sein Album WORLD WIDE FUNK.

Glaubst du an Gott?
Ich weiß nicht, wie er aussieht oder woher er kam, aber yeah, absolut.

Wie warst du in der Schule?
Ich liebte es, in die Schule zu gehen. Kunst, Musik und Sport mochte ich sehr, aber im Klassenzimmer zu sitzen bei Geschichte, Sozialkunde oder Mathe, darin war ich nicht so gut.

Wie würdest du Funk definieren?
Ich gebe dir ein Beispiel. Du hast eine sechssaitige Gitarre. James Brown sagt, er braucht einen Bassisten. Du hast kein Geld, um dir einen Bass zu kaufen, aber du kannst dir von einem Freund vier Bass-Saiten holen, sie auf deine Gitarre spannen und den Job bei James Brown antreten. Funk heißt, etwas aus nichts zu machen. Du nimmst, was auch immer du hast, und verwendest es, um zu tun, was auch immer du tun musst. Funk ist die Grundzutat der Essenz von allem, was existiert. Er ist alles, aber auch nichts. Das ist es, was Funk ist.

Was war die wichtigste Lektion, die du in deiner Zeit bei James Brown gelernt hast?
Disziplin. Aber er lehrte mich auch, „den Einen“ zu finden. Ich fing an, Gitarre zu spielen, weil ich wie mein Bruder Catfish sein wollte, der acht Jahre älter als ich war, aber ich lernte nie wirklich, den Bass zu spielen. Dann, als wir bei James Brown einstiegen, sagte er: „Ich liebe das, was du da machst, aber du musst mir den Einen geben.“ Ich hatte keine Ahnung, was „der Eine“ war, also erklärte er es mir: „Du musst immer den Einen treffen, den Downbeat. Dazwischen kannst du spielen, was auch immer du willst.“ Also fing ich an, genau das zu tun. Und als ihm das gefiel, fühlte ich, dass ich auf dem richtigen Weg war.

Was waren die besten und die schlimmsten Drogen, die du je genommen hast?
LSD war wohl die beste, weil es mich an Orte brachte, die ich mir nicht einmal vorstellen konnte. Das öffnete meinen Geist für vieles, wofür ich sonst nie offen gewesen wäre. Die späten 60er und frühen 70er waren einfach eine wirklich gute Zeit. Die Musik damals war perfekt, das LSD passte also bestens. Die schlimmste Droge war Kokain, nach dem ich süchtig wurde.

Was bereust du am meisten?
Wow, darüber habe ich noch nie nachgedacht. Ich dachte immer, was passieren sollte, passierte eben. Es ist, als sei alles schon an seinem Platz gewesen, ich musste nur dorthin gelangen. Ich bereue also nichts – ich bin einfach nur froh, dass ich noch atme.

Hat Jimi Hendrix deine Welt verändert?
Absolut. Und nicht nur als Entertainer oder Gitarrist. Es war seine gesamte Verkörperung dieses Wesens aus dem All – er tat, was er tun wollte, spielte so, wie er spielen wollte, zog sich an, wie er sich anziehen wollte. Und all das sandte Signale aus. Er war wie ein Meilenstein oder eine Blaupause, vor allem für junge schwarze Musiker, die gerade anfingen. Man dachte sich, „wenn er das kann, ist es möglich“, und das war alles, was ich wissen musste.

Was war deine größte Geldverschwendung?
Ich wollte sagen, dass es die Drogen waren, aber eigentlich kann ich das nicht. In gewisser Hinsicht war das natürlich rausgeschmissenes Geld, aber andererseits bekam ich eben das, was ich bekam, und das hatte viel damit zu tun.

Hast du jemals eine übernatürliche Erfahrung auf der Bühne erlebt?
Oh yeah, oft. Wenn so etwas passiert, ist eigentlich niemand bei dir, du tauchst einfach in die Musik ein und das ist wie ein Trip. Das ist übernatürlich, es sprengt jede Vorstellungskraft, wie eine außerkörperliche Erfahrung. Statt auf der Bühne zu stehen und zu spielen, fliegt man hoch über den Leuten, sieht sie an, man ist allgegenwärtig, und das ist eines der besten Gefühle überhaupt.

Was ist die größte falsche Vorstellung von dir?
Nur weil ich Funk spiele, heißt das nicht, dass ich nichts anderes mag und nur andere funky Leute kenne. Ich kenne natürlich jede Menge funky Leute, aber nicht nur. Manche stellen mich in diese eine Ecke und gehen davon aus, dass da nicht mehr an mir ist, aber ich spiele gerne alle möglichen Arten von Musik.

Wo stehst du in Sachen Politik?
Mann, ich nenne das „Politricks“. Im Vergleich zum Funk zählt das nicht mal. Das macht mehr Probleme, als es löst, und der Funk hält nichts davon.

Worauf bist du in deinem Leben am meisten stolz?
Wahrscheinlich auf meine Mutter, dass sie mich ertragen hat, denn ich war ein völliger Narr und verstand nie, wie tief ich gesunken war, bevor sie von uns ging.

Was wird auf deinem Grabstein stehen?
Er kam, sie sahen und wir funkten.