Chris Stapleton: Bär mit Engelsstimme

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Chris Stapleton: Bär mit Engelsstimme

Wer jemals ein Konzert – zur Erinnerung: das waren Menschenansammlungen, bei denen Live-Musik präsentiert wurde – von Chris Stapleton gesehen hat, wird vielleicht noch jenen Moment im Kopf haben,
als dieser bärtige, langhaarige Mann zu singen begann. Man war: perplex. Diese Stimme, die sich da aus diesem ungeschlachten Mann ihren Weg bahnte, traf direkt und mit voller Wucht ins Herz. Eine Stimme, die man einem Soulsänger alten Schlages von einem Kaliber wie Otis Redding oder Wilson Pickett zuschreiben würde – aber nicht diesem haarigen Bleichgesicht aus Lexington, Kentucky. „Stimmt schon“, sagte Chris Stapleton vor einiger Zeit zu Classic Rock, „ich habe neben Willie Nelson schon immer viel Soul-Musik gehört. Vor allem meine Lieblingssängerin, Aretha Franklin.“

Nie, nie und nimmer, nicht in einer Million Jahren würde es der bescheidene Kerl aber wagen, sich mit Miss Franklin zu vergleichen. „Sie war einfach göttlich. Die größte Sängerin, die ich jemals gehört habe. Ich könnte weinen, wenn ich nur an sie denke.“ Das ist es. Das macht ihn aus. Einerseits ist da diese raue Schale, diese naturbelassene Countryhaftigkeit. Und andererseits hat Stapleton so viel Herz, Seele und Sensibilität zu bieten, dass er damit halb Nashville versorgen könnte. Was er eine Weile auch gemacht hat, als er sich als Songschreiber und Autor in dem Country-Mekka Brot und Meriten verdient hat. Das Geschäft lief gut. Neben Kenny Chesney, Luke Bryan und Tim McGraw landete er sogar einen Song-Treffer auf einem Album von Adele.

Rückblickend sei es eine gute Erfahrung gewesen. Doch schon da zeigte sich auch sein Charakter. „Ich war vermutlich der schlechteste Verkäufer in ganz Nashville“, erinnerte er sich. „Andere können das. Die vermarkten sich selbst großartig. Doch das war nie mein Ding. Ich habe meine Songs geschrieben, sie an den Verlag geschickt und fertig – daraus ist dann entweder etwas geworden, oder auch nicht.“

Mittlerweile dürfte die Trefferquote nahe der 100 Prozent liegen. Denn der Mann, der bereits vor fünf Jahren mit seinem Erstlingswerk TRAVELLER die amer ikanischen Country- und Pop-Charts aufmischte und fünf Grammys gewann, hat an Klasse und Qualität noch weiter zugelegt. So darf man sein neues Album STARTING OVER getrost als Meisterwerk bezeichnen. In den 14, erneut von Dave Cobb produzierten Songs gelingt Stapleton auf wundersame Weise die Vermählung von stoischem Country und beherztem Soul, von Wut und Liebe, von Frust und Lust, von Wahrheit und Wahrhaftigkeit. Alles zusammengehalten von der souligsten Country-Stimme aller Zeiten.

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