Buckcherry: Keine Altersfragen

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Buckcherry: Keine Altersfragen

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Als Josh Todd in die Zoom-Kamera grinst, ist er gerade bei seiner Tochter und seiner neugeborenen – Achtung! – Enkelin zu Gast. Großväterlich wirkt der Sänger von Buckcherry wahrlich nicht in seinem Sweater mit „Pornstar“-Schriftzug und den an Händen und Hals herauslugenden Ganzkörpertätowierungen.

Für jemanden, der eigentlich dachte, seinen 30. Geburtstag nicht zu erleben, hat der Frontmann nun doch schon 51 attraktive Jahre auf dem Buckel. „Ich hasse es, zu altern. Ich habe vorher ein Foto von
uns gemacht und dachte mir sofort: ‚Um Himmels Willen!‘ Ich vermeide es, mich selbst anzuschauen, mir zuzuhören. Das ist eine Sache, die ich an dem Entertainment-Biz nicht mag: In der Öffentlichkeit alt zu werden.“ Rütteln lässt sich an den verstrichenen Dekaden trotzdem nicht und Josh Todd trägt eine Historie mit sich her um, die bei Durchschnittsmenschen für zehn Leben reichen würde. Nach
überwundenen Drogen- und Alkoholproblemen konzentriert sich der Künstler seit längerem auf seine Familie und natürlich auf Buckcherry: „Alleine 2019 hatten wir über 150 Shows zu WARPAINT eingetütet und waren bereit für mehr. Dann wurde alles gestrichen. Ich rief unseren Manager an und meinte nur: ‚Wir müssen eine neue Platte machen, das ist unser Job‘. Immer wenn wir als Band in die Ecke gedrängt werden, arbeiten wir seltsamer weise am besten“.

Unter diesen Umständen entstand das neunte Studioalbum HELLBOUND, das von Marti Frederiksen produziert wurde . Selbiger hatte schon an BLACK BUTTERFLY von 2008 mitgewirkt. „Die Sessions mit Marti waren sehr produktiv. Wenn wir gemeinsam schreiben, wird er zum sechsten Bandmitglied. Mit ihm entstanden fünf Songs in fünf Tagen und jeder davon hat es auf das Album geschafft. Wir waren in the zone!“ Der namensgebende Track der Platte handelt von dem Moment, als Buckcherry bei ihrem ersten Gig auf einer Hausparty vor über 25 Jahren ihre Seele an den Rock’n’Roll verkauften: „Mein Traum war es damals, eine Band zu haben, einen Katalog zu erschaffen, meine Spuren in der Musik zu hinterlassen und genau das zu tun, was ich getan habe. Vielleicht ohne die wechselnden Bandmitglieder. Es ist sehr viel Arbeit, eine Band über lange Zeit zusammenzuhalten, das war mir damals nicht bewusst. Auch, dass ich mein ganzes Leben auf Tour verbringen würde, hatte ich nicht auf dem Schirm. Genauso wenig, wie die Geschäftsseite der Musikbranche funktioniert. Heute habe ich meinen Frieden damit geschlossen, aber da durch zu müssen war nicht immer schön“.

Neben Beobachtungen des aktuellen Zeitgeschehens und emotionalen Stücken sind auch die klassischen Sleaze-Party-Nummern auf HELLBOUND vertreten. Im Video zur ersten Single, ›So Hott‹, sieht man eine dralle Blondine Selfies knipsen und den Männern um sich herum den Schw… äh Kopf verdrehen. Ob solche plakativen Geschichten 2021 noch zeitgemäß sind? „In dem Video passiert doch gar nichts. Es geht nur um dieses Mädchen vom Land, das durch die ganze Aufmerksamkeit in der Stadt erst bemerkt, wie attraktiv sie eigentlich ist. Ich benutze nicht mal Schimpfwörter in dem Text. Was soll daran sexistisch sein?“, fragt der Frontmann, auf dessen Kappe Textzeilen wie „you’re a crazy bitch but you fuck so good I’m on top of it“ gehen, leicht aufgebracht. Statt anzumerken, dass das Mädchen ja auch durch ihren klugen Kopf Aufmerksamkeit hätte generieren können, wechselt man lieber zu einem Thema, bei dem sich beide Parteien einig sind: „Die neue AC/DC-Platte? Ich liebe sie! Diese Typen haben ihre einzigartige Formel perfektioniert. Es ist echt schwer, zu tun, was sie tun. Das kapieren die Leute nicht.
AC/DC sind die großartigste Rockband dieser Welt. Als wir sie auf Tour begleiten durften, trafen wir alle von ihnen und sie waren wundervoll. Die Erfüllung eines Traums.“

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