Blues Boom: Whitesnake

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Blues Boom: Whitesnake

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Vor den üppigen Mähnen war der Blues: David Coverdale & Co. hatten als erdige britische Band angefangen.

Es ist der 9. März 1978. Die kitschig dekorierte Bühne des Scarborough Penthouse sieht aus wie eine Gameshow: Vorhänge aus vielfarbigen Alufolienstreifen bedecken eine bescheidene Backline aus Verstärkern, eine Discokugel hängt von der Decke und die Wände sind mit Glitter besprüht. Doch die Atmosphäre hat nichts mit Pomp und Protz zu tun, es hängt nur ein Geschmack von schalem Bier und der Geruch von kaltgewordener Hausmannskost in der Luft. Es sind vielleicht 100 Menschen gekommen, um Whitesnakes erst vierten Auftritt zu sehen, die Band mit dem dynamischen, ehrgeizigen Frontmann David Coverdale.


Micky Moody trägt einen Zapata-Schnurrbart und seinen typischen Filzhut. Er ist ein Gitarrist der alten Schule aus Middlesbrough, Coverdales Gegend, der sich seine Sporen bei Juicy Lucy und Snafu verdient hat. Moody ging mit Paul Rodgers zur Schule und gründete mit ihm noch vor dessen Stimmbruch eine Band. Dann ist da der zweite Gitarrist Bernie Marsden, klein, lächelnd und stämmig, vormals bei UFO, Wild Turkey, Cozy Powells Hammer und Paice Ashton Lord. Und wer ist da am Bass? Neil Murray, der bei Colosseum II mit Gary Moore und Schlagzeuger Jon Hise man komplizierten Fusion-Jazzrock gespielt hatte. An den Keyboards steht Brian Johnston und an den Drums David „Duck“ Dowle, die beide in Roger Chapmans Band Streetwalkers gewesen waren.

Eine Traumbesetzung? Nicht unbedingt. Aber den Blues können sie ganz formidabel spielen – und vor allem singen. Das Highlight des Abends ist ›Ain’t No Love In The Heart Of The City‹, ein Song, den Bobby „Blue“ Bland berühmt gemacht hatte. In zurückhaltendem Tempo dargeboten, ist das bewegend,
gemächlich, direkt und intensiv. Und während Coverdales sonore Stimme durch den Raum hallt, lässt sie einem die Haare im

Nacken stehen. Und streichelt sie dann. Für alle, die nur die späteren Vollfett-Whitesnake kennen, wäre diese Version der Band von Ende der 70er nicht wiederzuerkennen. „Glaub es oder nicht, aber es war nicht wirklich meine Absicht, mit den frühen Whitesnake in diese musikalische Richtung zu gehen“, sagte Coverdale. „Die Jungs in der Band hatten, abgesehen von Micky, keine Zeit, dem, was da ursprünglich Gestalt annahm, ihren eigenen Stempel aufzudrücken. Es fing einfach an, sich zu entwickeln, je mehr wir zusammen spielten.“

„Die Musik von Whitesnake hatte ein so tolles Gefühl an sich“, sagt Moody. „Natürlich standen wir auf den Blues – Leute wie die Paul Butterfield Blues Band, solche Sachen hörten wir. Und John Mayall’s Bluesbreakers mit ihrem BEANO-Album waren für uns alle ein großer Einfluss.“ „Was den Leuten nicht unbedingt bewusst ist“, so Neil Murray, „ist dass ich, David, Micky und Bernie alle in der Zeit um 1966, 1967 erwachsen geworden waren, als das Bluesding in Großbritannien so richtig boomte.“

„So sehr ich den Blues auch liebe“, so Coverdale, „war es nie mein Ziel, eine reine Bluesband zu gründen. Ich bin ein großer Fan von progressivem Blues von Acts wie den Allman Brothers. Sie waren
ein wichtiger Einfluss darauf, wie ich eine Gruppe strukturieren wollte, wenn ich die Gelegenheit bekommen sollte. Cream, Mountain und natürlich Hendrix waren in meiner Welt auch riesig. Die ursprünglichen Peter Green’s Fleetwood Mac waren auch eine große Sache für mich. Und dann sind
da natürlich die bedeutsamen Alben, die mich inspirierten: Jeff Becks TRUTH und BECK-OLA. Mein Gott, wie haben die zu mir gesprochen.“ Willkommen zu den Whitesnake vor 1987 also – einer der besten Bluesbands, die man je zu hören bekommen wird.


Killer-Track: ›Ain’t No Love In The Heart Of The City‹

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