Black Star Riders: Die Glücksritter reiten wieder

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Black Star Riders: Die Glücksritter reiten wieder

black star riders 2016Der Schatten von Thin Lizzy, er wird kürzer und kürzer. Dennoch machen die Black Star Riders um Gitarrist Scott Gorham – von 1974 bis 1984 unverrückbar an Phil Lynotts Seite – auch auf ihrem gelungenen dritten Hardrock-Erzeugnis HEAVY FIRE keinen Hehl daraus, wo sie herkommen. Und wem sie ihre mittlerweile florierende Karriere zu verdanken haben. Wir trafen die Gitarren-Doppelspitze Gorham und Damon Johnson zum Interview in Köln.

Mit HEAVY FIRE legt ihr das dritte Album unter dem Namen Black Star Riders vor. Habt ihr mittlerweile das Gefühl, als vollwertige, als eigenständige Band angesehen zu werden?
Scott: Ich hoffe es zumindest. Mir ist natürlich klar, dass in dieser Band sehr viel Geschichte steckt und viele Menschen an den historischen Aspekten interessiert sind, immerhin wurden die Black Star Riders erst im Zuge der Thin-Lizzy-Reunion geboren. Auf mittlerweile drei Alben haben wir aber, für mich sehr überzeugend, gezeigt, wie wir den Thin-Lizzy-Sound konsequent weiterentwickelt haben.

Drei Alben in vier Jahren ist ein bemerkenswertes Tempo, das auch euren Willen zeigt, diese Band als unabhängige Einheit zu etablieren. Hattet ihr anfangs das Gefühl, euch wieder von Neuem beweisen zu müssen?
Scott: Jeder Mensch in jeder Band muss das tun. Wieder und wieder. Wenn du erwartest, dass dich alle Menschen sofort innig lieben und vor dir auf die Knie fallen, bist du ein Narr. Jedes Mal, wenn du auf die Bühne gehst, musst du dich erneut beweisen. Und wenn du das nicht willst, solltest du deinen Platz dort vorne jemand anderem überlassen, der ihn mehr verdient.

Damon: Als wir unser erstes Album schrieben, gingen wir anfangs ja noch davon aus, es würde ein Thin-Lizzy-Werk werden. Alle wussten also, dass wir Thin-Lizzy-Songs veröffentlichen würden. Ich werde nie vergessen, wie ich die Songs einem eurer englischen CLASSIC ROCK-Kollegen erstmals vorspielte und er sich nach 30 angespannten Sekunden zurücklehnte und seufzte: „Gott sei Dank ist es gut!“ Erst da merkte ich, was eigentlich alles auf dem Spiel stand.

Für HEAVY FIRE habt ihr auf Pledge Music auch eine Crowdfunding-Kampagne gestartet – ein Tool, das sonst eher von Newcomern genutzt wird…
Scott: Wir wollen nah an unseren Fans sein und ganz bewusst den direkten Draht aufrechterhalten. Das ist der Hauptgrund – und nicht etwa, 15.000 Dollar für ein gemeinsames Abendessen zu verlangen, weil wir es eben können.

Damon: Ricky [Warwick, der Sänger der Black Star Riders – d. Verf.] brachte uns auf diese Idee, in der Vergangenheit hatte er sehr gute Er­­fahrungen damit gemacht. Unsere Fans lieben es, Zu­­gang zu exklusivem Material oder zu Sammlerstücken zu bekommen, die es sonst eben nicht gibt. Wir haben das große Glück, eine Fanbase zu haben, die auf solche Dinge wert legt.

Scott: Und auch das Interesse hat, während des Soundchecks beispielsweise einen Song mit uns zu spielen. Okay, du willst die Drums spielen? Du bist ein neunjähriges Mädchen? Auf jeden Fall, los geht‘s! (lacht) Solche Angebote kommen bei den Leuten gut an. Und wieso auch nicht? Ich hätte alles darum gegeben, mal mit Eric Clapton zu jammen.

Scott, als du mit den Black Star Riders zurückkamst, war die Industrie natürlich eine völlig andere als zu der Zeit, als Thin Lizzy noch Platten veröffentlichten. Hat es lange gedauert, bis du dich zurechtgefunden hast?
Scott: Ich frage mich noch immer, wo diese ganzen jungen Bands spielen wollen. Wie sollen sie weiterkommen? Als ich damals nach England zog, konntest du in irgendeinen Pub laufen und dir sicher sein, da drin eine Bühne zu sehen. Jede verdammte Nacht spielte da eine Band. Das beantwortete diese Frage, die all die Jahre davor an mir genagt hatte: Wie kann es sein, dass aus diesem kleinen Land so viele großartige Bands kommen? Die Antwort lag vor mir: Wegen den Pubs. Heute ist das anders. Von zehn Pubs haben vielleicht noch zwei eine Bühne, und die ist eher für die akustischen Singer/Songwriter gedacht.

Damon: Das zeigt uns nur ein weiteres Mal, wie glücklich wir uns schätzen können. Obwohl ich Phil Lynott nie persönlich kennengelernt habe, empfinde ich ihm gegenüber eine tiefe Dankbarkeit. Er spielte die Haupt­­rolle darin, dass wir als Black Star Riders zu­­sammengefunden haben.

Scott: Phil ist ein unsichtbares Bandmitglied.

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