Alice Cooper im Interview: Ein Hoch auf das Album

alice cooper 2017 albumDas klassische Format erfreut sich wieder wachsender Beliebtheit. Alice Cooper ist froh darüber.

Der Schockrocker hat sich für den „National Album Day” stark gemacht, eine Initiative, die es anlässlich seines 70. Geburtstags in all seinen As­­pekten feiert. Cooper, der seit 1969 tätig ist und nicht ans Aufhören denkt, unterhielt sich mit uns über seine Unterstützung für die Kampagne und verriet uns, wie wichtig Alben für ihn sind.

„Es wäre sehr schwer für mich, etwas zu tun, das nicht diesem Format folgt“, sagt er. „Ich tue mich schwer damit, einfach nur zwölf Songs zu schreiben. Es liegt in meiner Natur, sie irgendwie zu verbinden.“

Zum Glück scheint die Statistik zu belegen, dass das Album noch längst nicht auf dem Ab­­stellgleis steht.
Genau. Es ist wirklich toll, dass die Post-Millennials wieder Alben kaufen. Ich komme noch aus einer Zeit, in der die Veröffentlichung eines neuen Albums ein wichtiges Ereignis war: Man stellte sich an, kaufte es, lud einen Haufen Freunde ein, öffnete es, und das Vinyl hatte diesen Geruch. Man nahm die Hülle unter die Lupe, um zu sehen, wer auf der Platte gespielt, wer die Songs geschrieben hatte. Dann senkte man die Nadel – das war ein Ritual. Ich liebe es, dass die heutige Generation anscheinend die Nase voll davon hat, Luft zu kaufen. Bei Downloads zahlst du Geld, aber kriegst nichts dafür. Bei einem Album kannst du die Musik behalten – du besitzt ein kleines Stück der Band. Ich bin ja oft bei Comic-Conventions und da werden mir vor allem LPs zum Signieren gegeben – sieben von zehn Tonträgern sind Vinyl, CDs kommen kaum vor. Für die Leute sind das Kunstwerke.

Streamst du Musik auch?
Nein, ich bin ein Technologie-Idiot. Wenn es da­­rum geht, ein Smartphone oder einen Computer anzuschalten, bin ich überfordert. Telefone sind zum Telefonieren da. (lacht) Aber ich habe einen Plattenspieler, der 5.500 Dollar gekostet hat. Wenn ich ein Album kaufe, dann auf Vinyl.

Hast du ein Problem, deine Sammlung unterzubringen?
Nein. Für gewisse wichtige Dinge im Leben schafft man einfach Platz.

Was war das erste Album, das du dir gekauft hast?
ALL SUMMER LONG von den Beach Boys [1964]. Das war eine tolle Platte, mit ›I Get Around‹ und all den großartigen Songs von ihnen. Das führte mich dann zu MEET THE BEAT­LES! und dann ENGLAND‘S NEWEST HIT MAKERS von den Rolling Stones [US-Editionen von 1964]. Das sind die Gründe, warum es heute überhaupt einen Alice Cooper gibt. Und ich besitze diese Originale bis heute.

„Wenn du was auf Vinyl machst, dann gib Gas und mache was wirklich Besonderes daraus.“

Streaming ist für Künstler sicher ein Problem. Bestimmt hast du Peter Framptons Tweet gesehen, in dem er sagte, er habe für 55 Millionen Streams von ›Baby I Love Your Way‹ gerade mal 1.700 Dollar bekommen. Da wird sich et­­was verändern müssen, oder?
Und ich denke, das wird es auch. Ich weiß, dass Paul Williams, der Chef von ASCAP [American Society Of Composers, Authors And Publishers], vorhat, die Gesetzgebung diesbezüglich zu ändern. Und sie wird sich sehr verändern. Man wird für das bezahlen, was man sich anhört, und das wird vielen Leuten aus den 60ern und 70ern helfen – all die, die vielleicht ein, zwei Hits hatten und dann leider wieder von der Bildfläche verschwanden. Sie werden wieder Tantiemenschecks erhalten, und das finde ich super.

Du hast ein Live-Album veröffentlich, A PARANORMAL EVENING AT THE OLYMPIA PARIS, das neben den gängigen Formaten auch als Double-Gatefold auf weißem und rotem Vinyl erhältlich ist.
Oh yeah. Wenn du was auf Vinyl machst, dann gib Gas und mache was wirklich Besonderes daraus. Wir waren noch nie dafür bekannt, dezent zu sein.

Erzähle uns von deinen Zukunftsplänen.
Ich kann nicht glauben, dass ich 70 bin und immer noch so beschäftigt. Ich war gerade auf Europatour mit den Hollywood Vampires. Über das kommende Jahr werde ich vier Alben veröffentlichen. Das Live-Album aus Paris mit meiner Band, dazu schreibe ich ein neues Studiowerk. Es wird auch ein Live-Album der Hollywood Vampires aus Montreux geben, und eine zweite Studioplatte.

Und die werden alle auch auf Vinyl erscheinen?
(Lacht) Ja, natürlich!

Anders als manche Künstler gibt es bei dir nicht zu jeder Tour einen Live-Mitschnitt. Warum wurde diese Show in Paris aufgezeichnet?
Es gab eigentlich keinen besonderen Grund. Ich bin sehr kritisch, was Live-Alben angeht. Ich will, dass sie auch wirklich live klingen, und das heißt, dass man auch die Fehler hört – alle Bands machen die. Aber ich war noch nie so stolz auf einen Konzertmitschnitt wie bei A PARANORMAL EVENING. Bob Ezrins Mix ist einfach un­­glaublich.

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