Album des Lebens: Sigur Rós – ( )

Sigur RòsIn der Rubrik „Album des Lebens“ stellen unsere CLASSIC ROCK-Autoren die Platte vor, die ihr Leben für immer verändert hat…

2003: Abifahrt, irgendwo im kroatischen Küstengebiet. Wirklich Lust hatte ich nicht darauf: weit und breit keine Metal- oder Rock-Kneipen in Sicht. Der Strandtyp war ich zudem eh noch nie, also stellte ich mich auf eine reichlich ereignislose Woche ein. Die wäre es auch ge­­worden, hätte mich nicht ein später zu uns gestoßener Freund und Klassenkamerad mit einem unerwarteten Geschenk in Form des dritten Sigur-Rós-Albums ( ) überrascht.

Rasch den Discman bemüht, den ich damals tatsächlich noch hatte – und vollkommen in eine andere Welt entschwunden. Es war nicht das erste musikalische Erweckungserlebnis und es würde nicht das letzte gewesen sein. Bon Jovi, Guns N‘Roses, Metallica, die Beatles lagen da schon hinter mir, Nick Cave, Pink Floyd und Joy Division noch vor mir. Aber ein wunderbar sehnsüchtiger, melancholischer und in endloser Breite auf mich niederprasselnder Kosmos isländischer Traumtänzermusik wie dieser war noch nicht dabei gewesen. Dieses Album entfachte in mir nicht nur eine wilde Liebe zu Island und seiner einzigartigen Musikszene (Sólstafir!), sondern eine gänzlich neue Lust auf Musik.

Zuvor dominierten eher Rock und Metal das Geschehen, dieses zweigeteilte Sigur-Rós-Werk jedoch ließ mich endgültig jegliche Scheuklappen ablegen und am kroatischen Strand unter Steinen verbuddeln. Aus heutiger Sicht ist es nicht mal ihr bestes Werk; jene entrückte, beseelte, geisterhafte Stimmung würde jedoch einen bleibenden Eindruck in mir hinterlassen – und die Messlatte für musikalische Emotionen künftig sehr hoch legen.

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