-

Dr. John, The Night Tripper – GRIS-GRIS

■

Dr. JohnVon den Hurenhäusern New Orleans’ in die Studios von Los Angeles: ein Doktor mit der Lizenz zum Beschwören.

Paart sich Okkultes mit Rock’n’Roll, zeigt sich das Publikum garantiert fasziniert. Von Screaming Jay Hawkins intensivem Fluch ›I Put A Spell On You‹ im Jahr 1956 zieht sich kerzengerade ein roter Faden bis zu Dr. Johns Debüt GRIS-GRIS zwölf Jahre später. Braute John „Mac“ Rebennack Jr. alias Dr. John alias Dr. John Creaux alias Dr. John, The Night Tripper doch schon seit einer halben Ewigkeit Bourbon Street Jazz, Boogie Woogie, R & B, Soul und Funk zur deftigen Medizin, fein abgestimmt mit des Quacksalbers knorrig-knurriger Stimme. Sein Karrierestart erfolgte noch in seiner Heimatstadt New Orleans als minderjähriger Gitarrist und Pianist im Schlepptau von R & B-Legende Professor Longhair. Um sich über Wasser zu halten, scheute der umtriebige Musikus keine Unannehmlichkeiten: Schon als Teenager entwickelte er eine Heroinsucht, betrieb illegale Geschäfte und leitete ein Hurenhaus. Der Schnitt erfolgte 1963. Als vielbeschäftigter Sessionmusiker etablierte sich der Virtuose in Los Angeles. Doch noch weitere fünf Jahre gingen ins Land, bis sich Dr. John mit dem Erstling als Voodoo-Hohepriester empfahl. Beinah wären die im Sommer und Herbst 1967 im Gold Star Studio unter der Ägide von Harold Battiste eingespielten sieben Titel mit einer Laufzeit von 33 Minuten, jüngst digital optimiert von Vic Anesini in den New Yorker Battery Studios, gar nicht erschienen. Atlantic/Atco-Label-Chef Ahmet Ertegün zeigte sich alles andere als begeistert: „How can we market this boogaloo crap?“, fragte er abfällig nach einem Listening Meeting. Doch drehte die ungemein intensive Melange per Weißmuster schon interne Runden unter Musikerkollegen. Als aufmerksame Zuhörer von manischen Beschwörungen wie ›Gris-Gris Gumbo Ya Ya‹ und ›Danse Kalinda Ba Doom‹ entpuppten sich die gerade mit den Aufnahmen zu ›Sympathy For The Devil‹ beschäftigten Rolling Stones. ›I Walk On Guilded Splinters‹, achtminütiger finaler Höhepunkt der Evozierung, krallten sich 1969 parallel Cher und Jaggers zeitweiliges Gspusi Marsha Hunt für intensive Coverversionen. ›Jump Sturdy‹ interpretierte Manfred Mann’s Earth Band auf dem selbstbetitelten Debüt 1972. Ein weiterer Track, das atmosphärische Instrumental ›Croker Courtbullion‹, diente 13 Jahre später den Stranglers als lose Basis für ihren Hit ›Golden Brown‹.

- Advertisement -

Weiterlesen

Viper Queen – Munich Rock City

Die Zeiten, in denen München als weltweit gefragte Adresse für die internationale Rockszene galt, müssen nicht vorbei sein. Die fünf von VIPER QUEEN versuchen,...

Endlich am Kiosk & ab sofort im Online-Shop erhältlich: Die neue Ausgabe von CLASSIC ROCK!

Tony Iommy - Über die Vergangenheit mit Black Sabbath und sein brandneues Studioalbum. •• Aerosmith Der turbulente Weg zum großen 80er-Comeback. • Greta Van Fleet Die Kids werden...

Lebenslinien: Zakk Wylde

Er spielte jahrelang Gitarre für Ozzy und hörte sich endlose Geschichten von ihm und Lemmy an. Er war im Himmel, als er Elton John...
- Advertisment -