Zeitzeichen: Elton John

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Zeitzeichen: Elton John

„Ich versuche lieber, eine Brücke zu den Menschen auf der anderen Seite zu bauen, als eine Mauer zu errichten“.

Das Leben von Elton John ist gespickt mit Superlativen, nach den Beatles, Elvis Presley, Michael Jackson und Madonna ist er der Künstler, der weltweit die meisten Tonträger verkauft hat. „Wie jeder weiß, ist Ruhm, vor allem wenn er sich über Nacht einstellt, oberflächlich und gefährlich“, schreibt Elton in seiner Autobiografie „Ich“ und erklärt die Nebenwirkungen: „Die dunkle Anziehungskraft von Glanz und Gloria ist kein Ersatz für wahre Liebe und echte Freundschaft. Aber ich kann eins versichern: Für einen furchtbar schüchternen Menschen, der sich in seiner Kindheit möglichst unsichtbar machen wollte, gibt es kein besseres Heilmittel, als plötzlich in der L.A. Times als Zukunft des Rock’n’Roll gefeiert und von seinen eigenen musikalischen Helden bejubelt zu werden“.

Elton John 1976

In seiner Kindheit wird Elton John von seiner Großmutter gedrängt, Klavier zu spielen. Seine Eltern sind geschieden und Mutter Sheila ist ständig unterwegs, um Geld zu verdienen. In den späten 60er Jahren erwacht die Sexualität im Leben von Elton John, der als Reginald Kenneth Dwight am 25. März 1947 zur Welt gekommen ist. „Meine Libido“, so erklärt Elton John in der Rückschau, „regte sich völlig unerwartet zum ersten Mal, als wäre ich ein ungebetener Gast auf einer Party, die eigentlich schon zehn Jahre früher hätte anfangen sollen.

Mit 21 schien ich eine verspätete Pubertät zu bekommen. Schlagartig war ich in ein halbes Dutzend Männer verknallt, auch wenn ich es nie aussprach. Natürlich lebte ich meine Fantasien nicht aus. Ich hätte gar nicht gewusst, wie. Ich weiß, dass ich wahnsinnig gern Sex gehabt hätte, aber leider keinen blassen Schimmer hatte, wie man das anstellte. Noch dazu hatte ich große Befürchtungen, alles falsch zu machen.“ Dann folgten ausschweifende Sex, Drugs & Rock’n’Roll-Jahre, in denen Elton John das Party-Gaspedal bis zum Anschlag durchdrückte. Erst als er miterlebt, wie Neil Carter, der Assistent seines Managers, von der Immunschwächekrankheit Aids in kurzer Zeit hinweggerafft und einer seiner engsten Freunde, Queen-Sänger Freddie Mercury, an der Krankheit stirbt, zieht er die Reißleine.

Im Jahr 1990 beginnt Elton John seinen Drogenentzug und etwa zeitgleich gründet er eine Aids-Stiftung, die er mit Erlösen aus Plattenverkäufen, Konzerten und mit Geld von Sponsoren finanziert. Bis heute hat er 240 Millionen Dollar im Kampf gegen Aids zusammengetrommelt. Er hat sich immer wieder für die Rechte von Homosexuellen eingesetzt, bei einem Konzert in Moskau live auf der Bühne einen Song einem Mann aus Wolgograd mit Namen Wladislaw Tornowoi gewidmet, der im Mai 2013 aus Schwulenhass zuerst gefoltert und dann ermordet worden ist. „Ich bin sehr traurig und schockiert über die jetzige Gesetzgebung“, so Elton John in seiner Bühnenansprache in Moskau, „die sich gegen die LGBT-Community in Russland wendet. Meiner Meinung nach ist das unmenschlich und isolierend.

Einige Leute haben gefordert, dass ich wegen dieser Gesetzgebung nicht nach Russland kommen dürfe. Aber weitaus mehr Menschen haben mich gebeten, dennoch zu kommen. Und auf die habe ich gehört – ich bin gerne hier.“ Diese Ansprache sollte nicht ohne Folgen bleiben. Wladimir Putin meldete sich sogar ein paar Wochen später telefonisch bei ihm und wollte in einem persönlichen Treffen über die Bürgerrechte von Benachteiligten und die Versorgung von Aids-Kranken reden. Eine schriftliche Einladung sollte folgen. Doch scheinbar ist die auf dem Postweg verloren gegangen, denn sie hat Elton John bis heute nicht erreicht. Dadurch lässt sich der Aktivist jedoch nicht vom Weg abbringen: „Ich versuche lieber, eine Brücke zu den Menschen auf der anderen Seite zu bauen, als eine Mauer zu errichten“. 

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