William Fitzsimmons: Hoffnungsvoll

Diesmal sollte alles anders werden – doch wieder steht der empfindsame Songschreiber mit einer Herzschmerzplatte da. Warum das so ist, hat er uns erzählt.

William Fitzsimmons möchte im Schatten sitzen. Als er mit Gitarrenkoffer und seinem charakteristischen Vollbart im vereinbarten Café im Münchner Süden ankommt, erfüllt spätsommerliche Hitze die Luft. Er bestellt Cappuccino, zündet sich eine Zigarette an und ist gut gelaunt. Dazu hat er einerseits allen Grund, schließlich kommt mit MISSION BELL sein erstes Studioalbum seit drei Jahren heraus. Die Umstände von dessen Entstehung waren allerdings weniger erfreulich.

Eigentlich hätte MISSION BELL schon vor einem Jahr erscheinen können. Im Sommer 2017 hatte Fitzsimmons in seinem Heimstudio eine erste Fassung des Albums aufgenommen, zusammen mit einem Freund und ehemaligen Mitglied seiner Band, dessen Namen er im Gespräch kein einziges Mal erwähnt. Jedenfalls: Die Musik war im Kasten, der Freund war weg. „Nach ein paar Tagen erzählte mir meine Frau, dass sie ein Verhältnis mit ihm gehabt hatte, während wir gearbeitet haben“, erinnert sich Fitzsimmons. Seitdem lebt er getrennt von ihr. Dass er sich die fertigen Songs nie mehr würde anhören können, sei ihm sofort klar gewesen: „Sie waren wie eine verrottete Frucht, eine schwarze Banane.“

 „Ich will, dass alle okay sind, meine Kinder, meine Frau und ich, aber ich weiß nicht, wann das sein wird.“

Der aktuell in Nashville lebende, 1978 geborene Fitzsimmons ist bekannt für ebenso intimen wie eingängigen Folk und Songwriter-Pop, Lieder von ihm wurden in US-Fernsehserien wie „Grey’s Anatomy“ oder „Family’s Greek“ gespielt, was ihn in den USA, aber auch international bekannt machte. Seine Stücke drehen sich oft um vergehende Liebe, und gefragt, ob es sich bei MISSION BELL um eine Trennungsplatte handelt, muss er fast lachen. Er habe schon gefühlt 20 davon ge­­macht, eigentlich habe er diesmal etwas ganz anderes im Sinn gehabt, man wolle schließlich nicht der Typ sein, der nur eine Sache drauf hat. „Ich dachte, ich mach mal was Neues, lese Bücher, schaue Filme und lasse mich davon inspirieren.“ Wohin das hätte führen können, zeigt der Song ›Lovely‹. Darin geht es um den ungeklärten Mord an der Nonne Catherine Cesnik, die ihre Schülerinnen vor sexueller Belästigung schützen wollte – erzählt aus der Perspektive eines der Mädchen, für die sich Cesnik eingesetzt hatte. Den Fall kennt Fitzsimmons aus der Netflix-Dokuserie „The Keepers“.

Es ist eines der ganz wenigen Stücke, die aus dem Kontext des Albums fallen. Ansonsten er­­zähle das „die Geschichte eines Mannes und seiner Frau“. Es handle davon, auf welche Wei­se die Leute einander verletzen können, und vom Schmerz, den man dabei spüre. „Where did we go wrong“, fragt Fitzsimmons im eröffnenden ›Second Hand Smoke‹. „I was overwhelmed with sadness/When I heard what you’d become“, klagt er in ›Never Really Mine‹, ›Angela‹ thematisiert seine Furcht vor Einsamkeit: „I never said I was scared of eventually dying/My only fear is I might have to do it alone.“

MISSION BELL endet mit den Zeilen: „Heaven adore you/I will look for you/In the afterlife.“ Ein Wiedersehen, Versöhnung nach dem Tod also. „Ich will, dass alle okay sind, meine Kinder, meine Frau und ich, aber ich weiß nicht, wann das sein wird“, so Fitzsimmons, der sich selbst als religiös bezeichnet. „Aber ich sage mir: ‚Fuck, zumindest nachdem wir tot sind, wird alles gut sein.‘“ Dass man diesen Gedanken auch als niederdrückend empfinden kann, dessen ist er sich bewusst. Aber um das „schöne lustige Ende einer Sitcom, wo sich alle umarmen“, gehe es ihm natürlich nicht. „Es ist komplizierter“, sagt er. „Aber es gibt Hoffnung.“

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