Wilko Johnson: Dem Tod von der Schippe gesprungen

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Wilko Johnson: Dem Tod von der Schippe gesprungen

Das Album mit Daltrey verkaufte sich sehr gut, du warst Dauergast im Fernsehen, nun hast du ein Buch geschrieben – man könnte denken …
… ich weiß, worauf du hinaus willst. Krebs zu haben, ist ein brillanter Karriereschritt. Dennoch würde ich es keinem empfehlen. (lacht)

wilko johnson

Wobei deine Karriere schon vor der Diagnose eine überraschende Wendung ge­­nommen hatte: Du warst plötzlich als Schauspieler gefragt und hast ein Rolle bei „Game Of Thrones“ gespielt …
… wobei ich einschränkend sagen muss, dass ich bei dieser Rolle kein Wort sagen musste: Ich habe einen Henker gespielt, dem man die Zunge herausgeschnitten hatte.

Eindruck hat dein Auftritt dennoch gemacht: Du hast Ed Stark geköpft, den King Of The North.
Ja, ich war ein echter Bösewicht. Es gibt eine Szene, in der mir The Hound, dieser grausame Kämpfertyp, zusammen mit Ed Starks Tochter Sansa begegnet. Er sagt zu ihr: „Schau dir diesen Kerl an, er hat das Gesicht, vor dem sich alle fürchten.“ Dieses Gesicht zu machen, das war meine Aufgabe beim Casting. Das scheine ich ganz gut hinbekommen zu haben. (lacht) Für mich war der Dreh eine irre Erfahrung. Die Serie wird mit einem wahnsinnig hohen Aufwand produziert, die Szenenbilder sind wahnsinnig aufwendig. Wenn du da mit deinem Gewand vor den Toren des Königspalastes stehst, neben dir die Könige und Prinzessinnen, vor dir hunderte Komparsen – das macht schon Eindruck.

Noch einmal zurück zu der Phase, als du dachtest, du müsstest bald sterben. In deinem Buch schreibst du, dass du in dieser Zeit weniger um deine Frau getrauert hast, die 2004 an Krebs gestorben war. Wie erklärst du dir das?
(überlegt) Das ist für mich ein schweres Thema. Ich habe Irene wirklich sehr geliebt. Wir waren viele Jahre lang zusammen, hatten uns auf Canvey Island kennengelernt, der Insel in der Themse, auf der ich geboren und aufgewachsen bin. Als sie starb, hat sie in meinem Leben eine unglaublich große Lücke hinterlassen. Man sagt, Zeit heile alle Wunden – aber ich habe das niemals so empfunden. Als ich dann knapp zehn Jahre nach ihrem Tod meine eigene Krebsdiagnose er­­hielt, verblasste das Schwarz meiner Trauer. Wahrscheinlich verschwand das Gefühl der Ungerechtigkeit, dass ich noch am Leben bin – und sie nicht. Ich bin kein besonders gläubiger Mensch, aber es war sicherlich die tröstende Aussicht, ihr bald wieder zu begegnen, wie und wo auch immer. Als sich dann herausstellte, dass ich dem Tod entkommen war, verstärkte sich die Trauer wieder. (überlegt) Ich vermisse Irene weiterhin sehr.

Wie kam es überhaupt zu dieser neuen Diagnose, dass der Tumor doch heraus­operiert werden kann?
Knapp ein Jahr nach dem Urteil des Arztes spielte ich mit dem riesigen Tumor im Bauch ein Konzert. Unter den Fans war ein Mediziner, der meine Story kannte und mich nach dem Konzert aufsuchte und mich fragte, wie es mir gelingen würde, so zu spielen, dass man mir die Schmerzen gar nicht anmerkte. Ich sagte ihm: „Ich habe keine Schmerzen.“ Da wurde er stutzig und verwies mich an einen Spezialisten. Na ja, und der fand dann heraus, dass sich der Tumor ungewöhnlich entwickelt hatte. Er wuchs, streute aber nicht. Also konnte man ihn rausoperieren.

Warum hast du selbst nicht im Verlauf dieser Zeit andere Ärzte konsultiert?
Ich wollte das nicht. Mir wurde so viel angeboten, von einer Chemo, die meine Lebenszeit verlängert hätte, bis zu alternativen Methoden. Ich dachte mir damals, wenn du das alles probierst, hängst du stundenlang in Krankenhäusern herum. Ist es das wert? Sollte man so seine letzten Monate verbringen? Ich denke nicht.

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