Uriah Heep: Demut trifft Altersweisheit

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Uriah Heep: Demut trifft Altersweisheit

Uriah Heep gehören zu den stilprägendsten und erfolgreichsten Vertretern des Hardrock, die mit Alben wie SALISBURY (1971) oder DEMONS AND WIZARDS (1972) das Genre neu definiert haben. Ihre Bandgeschichte ist neben Superhits wie ›Lady In Black‹, ›Look At Yourself‹ oder ›Easy Livin’‹ auch geprägt von einem rotierenden Band-Karussell mit vielen musikalischen Differenzen, diversen Drogenproblemen und Todesfällen. Ken Hensley war von 1970 bis 1980 Keyboarder, Gitarrist, Sänger und Songschreiber bei Uriah Heep. Im Gespräch kramt er in seinen Erinnerungen – und gibt uns ein Update, was er in nächster Zeit plant.

Ken, eigentlich sollte in diesem Jahr eine riesige Party steigen: Du bist 75 Jahre alt geworden und Uriah Heep ganze 50 Jahre – dann kam Corona und machte einen dicken Strich durch die Rechnung. Wie geht es dir damit?
Das ist alles halb so schlimm. Wenn heute noch David Byron oder Gary Thain leben würden, wäre eine Party ein schöner Anlass gewesen, ein paar Songs zusammen zu spielen. Für mich sind diese beiden runden Geburtstage natürlich eine schöne Sache. Ich bin 75 und gesund, was will ich mehr? Und wenn ich dann noch weiß, dass vor 50 Jahren das erste UriahHeep-Album erschienen ist, denke ich: Ich hätte nie gedacht so alt zu werden. Mit 25 glaubte ich, dass mit 35 das Leben vorbei ist. Und wir haben damals so gelebt, dass das durchaus möglich gewesen wäre. Es ist schon eine traurige Geschichte, dass so viele meiner alten Freunde nicht mehr da sind.

Seit nunmehr 18 Jahren wohnst du in Spanien, was gefällt dir an Land und Leuten?
Ich wohne hier ziemlich weit im Süden – quasi in der Nähe von Alicante, was noch etwa 50 Kilometer entfernt liegt. Wir unterhalten und bewirtschaften einen großen Bauernhof – meine Frau ist ja Spanierin. Die Mentalität ist schon anders, als man es von England oder Deutschland her kennt. Die Leute haben eine „kuriose“ Mentalität. Wenn wir Erntehelfer brauchen, stehen sie auf der Matte und bewerben sich für den Job, weil sie das Geld brauchen. Nur in der tatsächlichen Arbeitsumsetzung sieht es dann doch etwas anders aus, die meisten bevorzugen den „Siesta-Modus“. Aber die Landschaft hier ist traumhaft, es gibt herrliche und vor allem bezahlbare Weine – und ich verbringe viel Zeit in unserem Garten. Wir haben auch ein paar Tiere, zum Beispiel Hühner, Ziegen und Schafe. Ich führe ein zufriedenes Leben in einer schönen Umgebung – besser geht es nicht.


Wie ist deine Einstellung zur modernen Technologie?

Mit dem Internet stehe ich nicht auf Kriegsfuß, Zoom-Konferenzen nutze ich oft und schreibe auch viele Kurznachrichten vom Handy aus. Alle meine Freunde kann ich in jedem entlegenen Winkel der Welt erreichen. Spotify zum Beispiel nutze ich nicht so oft. Ich habe da zwar einen Account und meine Songs kann man sich da auch anhören. Die können sogar in Ländern wie Russland angehört werden und das empfinde ich als große Ehre. Bei Facebook bin ich ungefähr nur einmal die Woche, um die Nachrichten zu checken, die mich erreicht haben. Die Klatschund Tratsch-Geschichten, die immer wieder in den sozialen Medien rumgeistern, interessieren mich nicht: Wer nutzt welche Zahnpasta, welche Farbe haben die neuen Schuhe von XY und diese ganzen manipulativen Fake-News-Geschichten – das ist nicht meine Welt. Aber ich informiere mich natürlich über das Weltgeschehen und so schaue ich mir gelegentlich auch an, was auf meiner Timeline zu sehen ist.


Wenn du dir politische Gestalten wie Donald Trump oder Boris Johnson anschaust – das sind schon gute Gründe, den Computer schnell wieder auszuschalten, oder?
Wenn du der Überzeugung bist, nicht ganz auf den Kopf gefallen zu sein, und dann deine Einschätzung der Lage mit dem vergleichst, wie diese Personen „probieren“, das Weltgeschehen mitzugestalten, dann kann ich nur zu dem Schluss kommen, dass ich viele Leute kenne, die das erheblich besser machen würden. Sogar ich als Ex-Rockstar und ehemaliger Drogensüchtiger glaube, dass ich den Job des US Präsidenten, was ja ein Amt mit hoher, globaler Bedeutung ist, weitaus besser machen würde. Und das ist doch zum Verzweifeln. Aber generell bin ich sehr interessiert am Tagesgeschehen, ich verbringe viel Zeit mit Zeitunglesen und verfolge die Nachrichten.

Was steht aktuell bei dir auf dem Zeitplan?
Im Januar 2021 wird ein neues Soloalbum von mir erscheinen, ich arbeite da gerade viel an den Texten, es soll ein extra Booklet dazu geben. Zudem schreibe ich an dem zweiten Teil meiner Autobiografie. Dann gibt es noch ein Album, das ich zusammen mit einem russischen Dichter erarbeitete, das auch Anfang nächsten Jahres herauskommen soll. Außerdem gibt es ein Projekt mit Richard Evans, einem Musiker und Tontechniker aus dem direkten Umfeld von Peter Gabriel, das wir zusammen in England in einem Studio in Sumerset aufgenommen haben. Und ein paar Dinge, die noch nicht ganz spruchreif sind,
habe ich auch noch in der Schublade liegen. Ich probiere jeden Tag aufs Neue, fleißig zu sein – und das Schreiben von Songs nimmt dabei eine sehr zentrale Stellung ein.

Das ist eine ganze Menge. Würdest du dich selbst als Workaholic bezeichnen, der immer in Bewegung bleiben muss?
Ich glaube nicht, denn ich arbeite schon sehr konzentriert. Und es gibt auch immer wieder Auszeiten, was ja auch gesund ist. Es ist nicht so, dass ich wie ein Besessener aufstehe und dann den ganzen Tag etwas produzieren muss, bis ich mich abends wieder hinlege. Ich kann meine Zeit genießen, lege mich auch gerne an den Pool oder gehe spazieren, wenn ich eine Auszeit brauche.

Blackie Lawless von W.A.S.P. sagte mal, dass du quasi die Bibel für Heavy-MetalKeyboards geschrieben hättest. Ein besseres Kompliment ist kaum vorstellbar, oder?
Nun, ich habe sehr lange an diesem Instrument erprobt, fast mein ganzes Leben lang. Ganz am Anfang war ich froh, dass überhaupt irgendwelche Tonfolgen rauskamen, die nicht krumm und schief klangen. Später habe ich mir eine sehr aggressive Spielweise angeeignet. Danke an Blackie für das schöne Kompliment. Aber ich bin nicht ganz sicher ob es auch tatsächlich so stimmt. Denn ich bin ja nicht der einzige Keyboarder auf der Welt, der seine Fußspuren in der Rockmusik hinterlassen hat.

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