Über die Wurzeln des Southern Rock

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Über die Wurzeln des Southern Rock

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Mit dem Begriff „Southern Rock “ konnte vor allem Gregg Allman herzlich wenig anfangen. Seiner
Auffassung nach hätte man genau so gut „Rock Rock“ sagen können – eine Aussage, welche die Unsinnigkeit dieser Genrebezeichnung betonen sollte. Schließlich wäre der Rock ’n’ Roll eine Musikform, die direkt vom Blues abstammt und deren Wurzeln deshalb schon immer tief im Süden lagen. Neben der Geografie sei neben zahlreichen musikalischen Einflüssen aus dem Boogie, Jazz, Hardrock und Soul vor allem die Bodenhaftung ein wichtiges Merkmal dieses Sounds, welches ihn damals deutlich von den eher luftigen bis abgehobenen Klängen der Epizentren der populären Musik wie New York oder Los Angeles unterschied.

Billy, du bist ein Bluesman durch und durch. Euer Image bzw. Auftreten mit ZZ Top war schon immer sehr extravagant und weniger geprägt von einem Arbeiterklassehintergrund. Trotzdem ordnen euch viele in die Kategorie Southern Rock ein. Was hältst du davon?

Wir haben natürlich alle einen mehr oder weniger ähnlichen Ausgangspunkt. Aber wir sind nun mal aus Texas, der Sound dort war einfach nicht derselbe. Weiter südlich gab es die Stringbands, was wieder ein bisschen anders war.

Und was ist der ZZ-Top-Song, der am stärksten nach Southern Rock klingt?

Da können wir jetzt im Katalog weit zurückgehen. ›It’s Only Love‹ von TEJAS passt da schon sehr gut hinein, den spielen wir ja heute immer noch gern. Und wenn wir noch ein bisschen weiter zurückstreunern, gibt es da den Opener unseres Debüts ZZ TOP’S FIRST ALBUM namens ›Somebody Else Been Shaking Your Tree‹ und der ist irgendwie schon recht Southern, weil ich darauf Pedal-Steel-Gitarre spiele, was total Country ist. Schon damals meiten wir: „Ach ja, das hat diesen südlichen Country-Flair, das machen wir“.

Wo in dem Southern-Rock-Kosmos würdest du ZZ Top also einordnen? Eher am Rand?

Definitiv. Und es ist vielleicht wichtig zu er wähnen, dass sich damals zwischen den ganzen Bands echte Freundschaften entwickelt haben. Außerdem fühlten wir uns, als wir mit ZZ Top erstmals durch den Süden tourten, total zuhause in den Southern-Rock-Regionen. Im Süden wurden wir sogar ziemlich früh populär und die gute Nachricht ist, dass wir bis heute noch mit vielen unserer damaligen Southern-Rock-Kumpels befreundet sind.

Mit wem beispielsweise?

Zum Beispiel mit Lynyrd Skynyrd. Ihnen hatten wir damals ihren ersten bezahlten Gig verschafft, das muss in Macon, Georgia, gewesen sein. Wir spielten dort während unserer „The Outlaw“-Tour und freundeten uns schnell mit ihnen an. Ich erinnere mich, wie die Lynyrd-Klänge uns aus unseren Garderoben und direkt an den Bühnenrand zogen. Ich meinte nur zu meinen Kollegen: „Keine Ahnung, wer diese Typen da oben sind, aber das ist wirklich gut“.

„I saw cotton and I saw black, tall white mansions and little shacks, southern man, when will you pay them back?“ sang Neil Young 1970 in seinem Song ›Southern Man‹ und klagte den Süden, dessen blutige Geschichte und den dort immer noch stark verwurzelten Rassismus direkt an. In seinem Track ›Alabama‹ griff er jene Thematik abermals auf und schlug mit Zeilen wie „What are you doing Alabama? You got the rest of the union to help you along, what’s going wrong?“ in eine ähnliche Kerbe, wobei sich Young später von dem Song distanzierte. Er selbst bezeichnete ihn als zu verurteilend, unreflektiert und herablassend. 1974 konterten Lynyrd Skynyrd – im Gegensatz zu den Allman Brothers ohne Hippie-DNA, dafür mit Arbeiterklasseethos, Barschlägereien und fassweise Whiskey im Blut – nicht minder direkt auf ihrem zweiten Album SECOND HELPING mit ihrer bis heute unsterblichen Hymne ›Sweet Home Alabama‹, in deren zweiter Strophe Ronnie Van Zant Neil Young den Text „Well I heard Mister Young sing about her, well I heard ol’ Neil put her down, well I hope Neil Young will remember, a southern man don’t need him around anyhow“ um die Ohren haute. Trotz dieses Scharmützels waren sich beide Künstler eigentlich wohlgesonnen, die vermeintliche Rivalität wurde vor allem von den Medien hochstilisiert. 1976 meinte Young in einem Interview: „Ich bin stolz, in einem Song von Lynyrd Skynyrd vorzukommen“, während Ronnie Van Zant bei Live-Auftritten gelegentlich eines von Youngs „ Tonight’s The Night“-Shirts trug.

Nach dem Tod von Ronnie Van Zant spielte Neil Young ›Alabama‹ zusammen mit › Sweet Home Alabama‹ in Form eines Medleys und gedachte so dem tragischen Unfall, der sich kurz zuvor ereignet hatte. Schon nach den seltsam ähnlichen Todesfällen von Duane Allman und Berry Oakley schien es manch einem, als wäre der Southern Rock mit einem Fluch belegt. Als Lynyrd wenige Jahre später am 20. Oktober 1977, drei Tage nach der Veröffentlichung ihres fünften Albums STREET SURVIVORS, in Greenville, South Carolina, in ein recht klappriges Flugzeug stiegen, um nach Baton Rouge, Louisiana, zu fliegen, ereignete sich eine der größten Tragödien der Rockgeschichte. Der rechte Motor der Maschine, in der Lynyrd Skynyrd mit ihrer Crew saßen, fiel aus und zwang den Piloten zu einer Notlandung, die in einem unkontrollierten Absturz endete. Ronnie Van Zant, der assistierende Roadmanager Dean Kilpatrick, die Piloten, Gitarrist Steve Gaines und dessen Schwester, die Backgroundsängerin Cassie Gaines, starben bei dem Unfall, alle anderen Passagiere wurden schwerst verletzt.

Bei den folgenden Pressungen wurde das Cover von STREET SURVIVORS durch ein Bild der Gruppe auf einem schlichten schwarzen Hintergrund ersetzt, da das ursprüngliche Artwork die Band inmitten einer in Flammen stehenden Straße zeigte. Erst zehn Jahre nach der Tragödie reformierten sich Lynyrd Skynyrd mit Johnny Van Zant, Ronnies Bruder, am Gesang.

Southern Rock ist ja unlösbar mit gesellschaftlichen und soziokulturellen Faktoren verknüpft. Aber würdest du deshalb sagen, dass es ein dezidiert politisches Genre ist?

Das ist eine gute Frage. Unserer Meinung nach hat ja der Rock’n’Roll nicht wirklich allzu viel mit Politik am Hut. Wobei man nicht vergessen darf, dass die Allman Brothers beispielsweise mit einem Herren aus Plains, Georgia, befreundet waren, der wenig später Präsident der Vereinigten Staaten wurde – Jimmy Carter. Eine seltsame Mischung. Wir halten uns lieber fern von der Politik.

1 Kommentar

  1. Die neue LP von Billy habe ich schon, auf die von ZZTop bin ich gespannt. Wieder ein gut geführtes Interview Frau Floßmann.
    Ein treuer Fan der Southern-Rock-Liga inkl. aller anderen Rock-Musik-Stile der Staaten lese ich immer wieder gerne
    Ihre Artikel die Stil haben.
    MfG Rolf Maier

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