Transatlantic: Drei auf einen Streich

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Transatlantic: Drei auf einen Streich

Mit dem randvollen Dreierpack THE ABSOLUTE UNIVERSE versucht die international besetzte Allstar-Truppe TRANSATLANTIC, der Flut ihrer überbordenden Kreativität Herr zu werden. Luxusproblem galore, sozusagen, wie Gitarrist Roine Stolt und Bassist Pete Trewavas erklären.

Wer denkt, dass es in Bands, die ausschließlich aus souveränen Stars bestehen, kein egobedingtes Gerangel um Kompetenzen, Zuständigkeiten und Ideen geht, hat sich getäuscht. Sogar in Supergroups, in denen die einzelnen Mitglieder überwiegend als sanft und nachgiebig gelten, herrscht hinter den Kulissen oft ein Hauen und Stechen um die musikalische Richtung. Dies führt nicht selten zu Destruktion und Scheitern, gelegentlich aber auch zu fabelhaften Ergebnissen. Womit wir beim Stichwort sind: THE ABSOLUTE UNIVERSE, das neue Album der Allstar-Formation Transatlantic.

Die Band besteht aus Keyboarder/Sänger Neal Morse (ehemals Spock’s Beard), Gitarrist Roine Stolt (The Flower Kings), Bassist Pete Trewavas (Marillion) und Schlagzeuger Mike Portnoy (Ex-Dream-Theater, The Winery Dogs). In ihrer bis dato 21-jährigen Existenz haben Transatlantic eine Reihe sagenhafter Alben veröffentlicht und Massen von Prog-Rock-Fans für ihre Konzerte mobilisiert. Dabei können sich die Musiker stets aus einem riesigen Pool lohnenswerter Ideen bedienen, denn alle Gruppenmitglieder sind nicht nur hervorragende Instrumentalisten, sondern ebenso kreative Songschreiber. Dies aber wirft auch Probleme auf. Roine Stolt: „Bei Transatlantic gibt es vier verschiedene Egos, die miteinander kämpfen. Mitunter hat man das Gefühl, man läuft permanent bergauf, nie bergab. Aber natürlich sind die Resultate jedes Mal fantastisch, eben weil hier vier starke Charaktere um die aus ihrer Sicht beste Lösung kämpfen“.

Diese Streitlust kulminiert nun in einer Albumveröffentlichung, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat. Nicht einmal zu Zeiten von Monty Pythons 70er Kultscheibe MATCHING TIE & HANDKERCHIEF, bei der man nie wusste, welche Version man gerade in den Händen hält, da die zweite Seite der LP durch ein besonderes Mastering-Verfahren unterschiedlich zusammengestellt war. Transatlantic wählen einen anderen Weg: THE ABSOLUTE UNIVERSE erscheint in drei unterschiedlichen Versionen der gleichen musikalischen Grundidee, untertitelt mit THE BREATH OF LIFE, FOREVERMORE und THE ULTIMATE EDITION. Pete Trewavas: „Wir konnten uns vor Ideen kaum retten, und mit jedem neuen Arrangement wurde die Entscheidung schwieriger, was davon auf dem Album landen soll. Roine votierte für die längeren Versionen der Songs, Neal für vergleichsweise kürzere. Wir konnten uns einfach nicht entscheiden. Dann hatte Mike die Idee, die Stücke unabhängig voneinander mischen zu lassen und sie als jeweils eigenständige Produkte zu veröffentlichen. Technisch möglich war dies, da wir zu jedem Song unendlich viele Instrumente aufgenommen hatten. Und als sich sogar unsere Plattenfirma mit dieser Idee einverstanden erklärte, war die Sache geritzt“.

Jetzt liegt es bei den Fans, sich für eine der drei Scheiben (oder für alle drei?) zu entscheiden. Eine Aufgabe, die sogar bei den Bandmitgliedern zu Gewissenskonflikten führen würde. Denn, so Trewavas: „Songs sind für Musiker wie Kinder, die man geboren und aufgezogen hat und irgendwann in die freie Welt entlassen muss. Man liebt sie alle. Das Verrückte ist: Zu jedem der neuen Songs gibt es mindestens eine unveröffentlichte Demoversion, die wieder ganz anders klingt und die mir bisweilen sogar noch besser gefällt als das, was schließlich auf den Alben gelandet ist“.

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