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    Top oder Flop: Billy Gibbons – PERFECTAMUNDO

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    Top oder Flop: Billy Gibbons – PERFECTAMUNDO

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    billy gibbonsTop: Cohiba-Schwaden in Houston.

    Smoothe Latino-Grooves, coole Blues-Licks, tighte Beats, dezente Synthesizer, eine Prise Swing und, über allem thronend, Billy Gibbons rauchige Soulstimme – das sind die Ingredienzien von PERFECTAMUNDO, die in verschieden starken Rezepturen den Einstand der ZZ-Top-Legende als Solokünstler markieren. Morgens, um halb zehn muss man sich beim Genuss des Albums schon des Öfteren auf die Finger klopfen um nicht mit einem stramm gemischten Mojito in den Tag zu starten, denn Zere­mo­nienmeister Gibbons kreierte für PERFECTAMUNDO ein extrem relaxtes, gar unbekümmertes Szenario. Geschuldet ist dies wohl auch der Tatsache, dass die elf Songs für Gibbons eine Art „Back To The Roots“-Trip in die 60er darstellen. Damals, zur Hochzeit der Hippiebewegung 1967, studierte ein weniger bebarteter, gerade 18 -jähriger Billy in Manhattan lateinamerikanische Percussion beim „Mambo King“ Tito Puente. Auf dieser Rhythmusreise entdeckte der gebürtige Texaner seine Liebe für Conga, Bongo, Maracas oder die von ihm favorisierten Timbales (ein im Kreolischen verwurzeltes Trommelpaar). PERFECTAMUNDO bietet somit dem aufgeschlossenen ZZ Top- oder generellem Rock‘n‘Roll -Fan eine spannende Symbiose aus Billy Gibbons’ aktueller musikalischer Heimat – mit starken Querverweisen auf TRES HOMBRES (1972), AFTERBURNER (1985) und ANTENNA (1994) – und seiner weniger bekannten Leidenschaft für kubanische Klänge. Dabei legt Gibbons in Sachen Programming (nach aktuellen Klangvorlieben gemessen) einiges an Mut an den Tag: Unverfälschte – sprich: bis auf etwas Plate Reverb und Delay – effektfrei scharfkantige Beats sind anno 2015 ein Novum unter Soundarchitekten. Puristen beziehungsweise spießige Gringos werden mit PERFECTAMUNDO in seiner Gesamtheit und nicht nur wegen Gibbons’ Computerarbeit ihre Problemchen haben. Diese Klientel scheint allerdings auch nicht die anvisierte Zielgruppe des schelmischen Houstoners zu sein. Salud!

    8/10

    Text: Chris Franzkowiak

     

    Flop: Bla, bla…irgendwas mit „corazón“.

    Billy Frederick Gibbons steht für die Reinheit musikalischer Tradition auf der einen Seite und für ein unvergleichliches Gespür für Zeitgeist auf der anderen. Er hat den Blues studiert, über Jahrzehnte inhaliert und wurde sozusagen zur moralischen Instanz des musikalischen Purismus und der Raubeinigkeit. Gibbons war aber nie ein altmodischer Musiker und so revolutionierte er in den 80er Jahren – allem voran mit ELIMINATOR – den Bluesrock, indem er den stilistischen Nerv der Zeit traf, ohne aber in die große Falle der 80s-Geschmacklosigkeit zu treten. 22 Jahre später veröffentlicht Gibbons ein Soloalbum, das all das über den Haufen wirft und einen zu schreien veranlasst: „Billy, warum tust du uns das an? Wir lieben dich und wollten nie etwas Derartiges über deine Arbeit sagen müssen!“ Aber: PERFECTAMUNDO ist weder raubeinig authentisch noch zeitgemäß geschmackvoll, es ist das Gegenteil davon. Während die Hintergründe und auch der Kern des Konzepts von PERFECTAMUNDO eine großartige Idee vermuten lassen, ist deren Umsetzung einfach schauderhaft. Billy hatte vor seiner Zeit bei ZZ Top eine Ausbildung in Latin-Percussions genossen und so griff er nach vielen Jahren wieder zu Congas, Bongos, Maracas und Timbales. Er kreuzt gemeinsam mit befreundeten Latino-Experten seinen bekannten Sound mit lateinamerikanischen Rhythmen (vorwiegend Salsa) und hispanisiert Neukompositionen wie auch Blues-Standards. Das weckt große Hoffnungen, doch umso tiefer fällt man dann in einen abscheulichen, hochproduzierten Schleim aus Autotune, kitschigen Klischees und schon fast peinlichem Pseudo-Spanisch/Spanglish. Um dann auch noch krampfhaft hip zu sein (genauso wie es das Wort „hip“ selbst ist), wird ein Rapper aus Houston namens Garza bemüht, was vollkommen daneben geht. Lediglich die wälzende B3-Orgel und Gibbons’ Gitarren-Sound und -Spiel bieten den einzigen Halt, mit dessen Hilfe man die elf Stücke durchsteht.

    2/10

    Text: Paul Schmitz

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