Titelstory: Slash – Die Reise ins Ich

Slasher Films


Womit Slash im Herbst auch wieder auf Deutschlandtournee geht. Vorerst nur für zwei Gigs in München und Köln, aber mit der Option auf einen Nachschlag im nächsten Kalenderjahr. Immer unter der Prämisse, dass sein proppevoller Terminkalender das auch wirklich zulässt. Denn der Mann, der sich früher damit gerühmt hat, am liebsten so wenig wie möglich zu tun und sich die Zeit wahlweise mit Terrarien voller Schlangen, einer gigantischen Flipper-Sammlung und dem Horten von sündhaft teuren Vintage-Gitarren zu vertreiben, ist heute so busy, dass es ihm beinahe peinlich ist. Was vor allem an seinem aktuellen Zweitjob als Filmproduzent und CEO von „Slasher Films“ liegt. Eine Firma mit rein virtuellem Office, die ihren Boss jedoch mächtig auf Trab hält. Denn der hat letztes Jahr nicht nur die Finanzierung des Horror-Streifens „Nothing Left To Fear“ gestemmt, sondern zugleich noch den Soundtrack übernommen und auch sonst mächtig hinter den Kulissen von Hollywood gewirbelt. Eben, indem er es geschafft hat, befreundete Schauspieler wie Anne Heche für eine super-low-budget-Produktion zu gewinnen, ohne die Hilfe eines großen Studios auszukommen und selbst bei einer Straight-To-DVD-Veröffentlichung noch genug Profit zu machen, dass er diese Tätigkeit auch in Zukunft fortsetzen kann.

„Ich bin ein Riesenfilm-Fan, schon immer gewesen“, sinniert Slash. „Wobei ich nie gedacht hätte, dass ich mal in diesem Genre agieren würde, weil das ein richtiges Haifischbecken ist und ich nun wirklich keine Ahnung, geschweige denn Erfahrung darin habe. Aber ich habe etwas, das mich der Rock´n´Roll gelehrt hat, und was mir hier ungemein zugute kommt: Ich schaffe es, das umzusetzen, was ich mir vorgenommen habe. Und das mit einer Ausdauer, die im Filmmetier extrem wichtig ist, und die nur die wenige Leute haben. Deswegen ist es mir gelungen, diesen Film an den Start zu bringen, was alles andere als leicht war. Ich meine, einen Tag vor Drehbeginn mussten wir das gesamte Skript ändern, weil uns auf einmal eine Million Dollar fehlten. Und die Leute in Stull, Kansas, waren auch nicht gerade begeistert über das, was wir da in ihrer Stadt inszeniert haben. All das hat eine Menge Nerven und Überzeugungsarbeit gekostet.“

Kein Wunder: Der Streifen handelt von einem der sieben Tore zur Hölle, das sich ausgerechnet in der tiefsten amerikanischen Pampa befinden soll, und setzt dabei auf jede Menge Kunstblut, nackte Gewalt und Schocker-Dramaturgie. Also nichts für sanfte Gemüter und erst recht nichts für anspruchsvolle Kritiker, die das Werk für die goldene Himbeere nominierten. Wovon Slash übrigens schwer begeistert ist. „Das ist auf jeden Fall besser, als ob es ihnen völlig egal gewesen wäre oder wenn sie es mit durchwachsenen, sprich mittelmäßigen Rezensionen bedacht hätten. Dann schon lieber eine richtige Abfuhr, die vielleicht wieder in dem Sinne für Interesse sorgt, dass die Leute wissen wollen, was daran so schlecht ist. Denn ich finde ihn OK. Und ich weiß, wovon ich rede: Ich gucke wahnsinnig gerne Horrorfilme und habe schon unfassbar viele schlechte gesehen. Dieser hier gehört definitiv nicht in den Müll. Und: Er läuft so gut, dass wir bereits das nächste Projekt angehen können.“

Genauer: Ein Remake des spanischen Kult-Westerns „Cut Throats Nine“ aus dem Jahr 1972, der die Geschichte eines Gefangentransports erzählt, der nicht ganz reibungslos von statten geht: Neun Schwerverbrecher sollen von Kanada in die USA überstellt und dort hingerichtet werden. Womit die Armee einen einzigen Soldaten beauftragt, der zudem kurz vor der Rente steht. Ein Himmelfahrtskommando, für das Slash bereits Harvey Keitel und Mads Mikkelsen gewinnen konnte, 2015 mit den Dreharbeiten beginnen will und sich einen Tarantino-mäßigen Blockbuster erhofft. „Das Drehbuch ist so stark, dass es wirklich etwas werden könnte, das auch ein breiteres Publikum anspricht. Zumal das Original hier in den USA so unbekannt ist, das nicht einmal ich es kannte. Und das hat mich wirklich überrascht. Denn nach dieser Geschichte dürfte sich Tarantino die Finger lecken. Sie ist umwerfend gut. Und die neun Gesetzlosen, um die es geht, werden von richtigen Charakteren übernommen.“

Zukunftsmusik

Wozu er, obwohl es nahe liegend wäre, allerdings nicht zählen wird. Da hat Slash seine Prinzipien, und an denen hält er fest: „Es gibt zwei Dinge auf dieser Welt, von denen ich die Finger lasse. Das eine ist selbst zu singen und das andere, irgendeine Rolle vor laufender Kamera zu spielen. Einfach, weil ich weiß, dass ich das nicht kann. Und weil ich kein Verlangen habe, mich da lächerlich zu machen. Es reicht, wenn andere Leute das tun, aber ich kenne meine Grenzen. Ich habe mein Ego im Griff und laufe nicht Gefahr, es je aus den Augen zu verlieren.“ Ein gesunder, bodenständiger und bescheidener Ansatz, den Slash konsequent vorlebt.

Zumal er aus Fehlern der Vergangenheit gelernt hat. So würde er nie wieder mit einem Popsternchen wie Rihanna antreten („das war ein Riesenfehler, weil es dabei nicht um Musik ging“), und wenn er noch mal mit jemandem auf die Bühne steigt bzw. im Studio aushilft, dann aus reinem Spaß am Spielen. Wie zuletzt beim Benefiz-Projekt „Rock Against Trafficking“ von Produzent Gary Miller, bei dem ein who is who der amerikanischen Rockszene gegen Menschenhandel und Schleuserorganisationen antritt. Und das mit – seltsam genug – Coverversionen von The Police. „Ich habe keine Ahnung, warum sich Gary gerade diese Band herausgepickt hat, aber ich hatte schon immer eine Schwäche für ihr Debüt-Album, und deswegen habe ich mich für ›So Lonely‹ entschieden, das ich mit Fergie bringe. Es ist eine richtig gute Version geworden. Übrigens genau wie die von Steven Tyler. Ich glaube er singt ›Message In A Bottle‹, wobei ich mir da aber nicht ganz sicher bin. Ich muss ihn noch mal fragen.“ Etwa im Rahmen der gemeinsamen US-Tournee, die Slash & The Conspirators dieser Tage mit Aerosmith unternehmen, und die für den 49-Jährigen allenfalls ein zartes Vorglühen ist. „Wenn wir nach Europa kommen, werden wir absolut tight sein. Im Ernst: Ich habe das Gefühl, dass es einige der besten Shows werden könnten, die wir je gespielt haben.“

Ein vollmundiges Versprechen, mit dem sich Slash als gestandene Selbstvermarktungsmaschine outet. Doch selbst wenn die berüchtigte Sonnenbrille bis zum Schluss des gut einstündigen Gesprächs aufbleibt: Zur Verabschiedung nimmt er den perplexen Verfasser dieser Zeilen ganz unerwartet in den Arm, klopft ihm auf die Schulter und verabschiedet sich mit den Worten: „Das war cool. Bis zum nächsten Mal, Mann.“ Eine Geste, die ihn so zeigt, wie er wirklich ist: Ein rundum zufriedener und verdammt netter Kerl.

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