Status Quo: Ein posthumes Telefonat

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Status Quo: Ein posthumes Telefonat

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status quo rossi parfittIn den frühen Morgenstunden des 15. Juni 2016 erlitt Status-Quo-Gitarrist Rick Parfitt nach einem Konzert im türkischen Antalya einen schweren Herzinfarkt, von dem er sich aktuell zu erholen versucht. Seine Band, angeführt von Sänger/Gitarrist Francis Rossi, macht derweil weiter. Dieser Tage bringen die britischen Rocklegenden ihr zweites akustisches Studioalbum AQUOSTIC II: THAT’S A FACT an den Start. Im November gehen sie zudem unter dem Motto „The Last Night Of The Electrics“ auf eine letzte große Deutschlandtour mit E-Gitarren. Im Interview äußert sich Rossi zum Stand der Dinge.

Hallo Francis, wann habt ihr zuletzt mit Rick gesprochen?
Unser Manager steht in ständigem Kontakt mit ihm. Rick und ich haben seit Antalya einmal telefoniert. Das war etwa eine Woche, nachdem er damals gestorben ist.

Wie bitte?
Rick war für eine Weile klinisch tot, bevor er wiederbelebt werden konnte. Seine offizielle Version lautet, dass es dreieinhalb Minuten waren. Ich glaube aber, dass es viel länger war.

Wie geht es Rick aktuell? Ist er auf dem Weg der Besserung?
Mir wurde gesagt, dass er tatsächlich Fortschritte macht. Diese gehen aber wohl sehr langsam und auch nur marginal voran. Er ist in seinem Haus in Spanien, bei seiner Familie, und ruht sich aus.

Nun habt ihr verlauten lassen, dass eure letzte elektrische Tournee ohne ihn stattfinden wird. Wann ist diese Entscheidung gefallen?
Endgültig erst ganz kurz vor der Bekanntgabe Mitte September. Im Prinzip war es uns allen aber schon länger klar, dass es für Rick un­­möglich sein würde, dabei zu sein. Wenn das Herz stehen bleibt, dann hört der Mensch auf zu atmen und das Gehirn wird nicht mehr mit Sauerstoff versorgt. Das führt zu zerebralen Schäden, in Ricks Fall unter anderen zu erheblichen Gedächtnislücken. Als ich damals mit ihm sprach, glaubte er offenbar, im Jahr 1985 zu sein. Zunächst hatte ich das gar nicht bemerkt. Aber er sagte Dinge, die im Nachhinein nur darauf schließen lassen.

Das klingt nicht gut …
Nein, überhaupt nicht. Offen gesagt glaube ich nicht, dass Rick noch einmal zurückkommen wird. Zumindest nicht auf eine Bühne, vor Publikum. Was wahrscheinlich besser so ist. Es ging ihm schon vor dem Herzinfarkt eine ganze Weile nicht gerade gut. Die Ärzte haben ihm – auch wegen des mentalen Stresses, den er sich schon immer selbst gemacht hat, bevor es auf die Bühne ging – dringend davon abgeraten, noch einmal aufzutreten. Ich finde zudem, die Fans sollten ihn besser als den kraftvollen, enthusiastischen Performer in Erinnerung behalten, der er so lange war. Nicht als ein gezeichnetes und geschwächtes Abziehbild davon. Das ist es zumindest, was ich mir für mich selbst wünschen würde, wenn ich an seiner Stelle wäre.

Wer wird Ricks Part bei den kommenden elektrischen Konzerten übernehmen?
Ein junger Kerl namens Richie Malone. Er kommt aus Dublin und hat seine eigene Band Raid, spielt aber seit Teenagertagen auch in Quo-Coverbands. Er ist ein fantastischer Musiker und hat uns bereits bei diversen Festival-Shows im Sommer ausgeholfen, die großartig gelaufen sind.

Ihr werdet also im Herbst eure Songs tatsächlich zum letzten Mal in elektrischen Versionen spielen?
Sag das nicht auf so eine wehmütige Art. Sonst kommen mir noch die Tränen … (lacht)

Im Ernst: Kommen da nicht vielleicht auch bei dir ein paar melancholische Gedanken auf? Oder bist du eher froh, dass dieser für einen Mann deines Alters sehr anstrengende Teil des Jobs ein Ende findet?
Als wir Anfang des Jahres die Entscheidung trafen, dass dies unsere letzte elektrische Tournee sein wird, habe ich mich sehr darauf gefreut, dass endlich Schluss ist. Die körperlichen Strapazen sind enorm. Schon in den 70ern bin ich nach Ende einer längeren Zeit „on the road“ immer noch Wochen danach völlig fertig gewesen. Eigentlich ist es ein Wunder, dass es mir nicht schon vor einer Weile so er­­gangen ist wie jetzt Rick. Andererseits haben mir die Festival-Shows mit Richie an der zweiten Gitarre riesigen Spaß gemacht. Rick und ich waren nach all den Jahren so eingegroovt, dass wir uns gar nicht mehr überraschen konnten. Selbst wenn wir es versucht hätten. Mit diesem neuen Jungen an meiner Seite passiert das nun aber wieder. Er spielt alles absolut authentisch, macht aber auch kleine, subtile Dinge anders. Deshalb werde ich jetzt schon leicht traurig, wenn ich daran denke, dass Ende des Jahres alles vorbei sein soll …

1 Kommentar

  1. Tja. Und ein paar Wochen später hat’s ihn dann tatsächlich dahingerafft. Traurig… Aber danke für das sehr interessante Interview.

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